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Edeka-Clip zum Vatertag: Neues Video, neuer Ärger

Auf den umstrittenen Edeka-Werbeclip zum Muttertag hat der Deutsche Werberat jetzt reagiert. Nahezu gleichzeitig hat die Einzelhandelsgruppe ein Video zum Vatertag nachgelegt. Versöhnlich stimmt das die Väter nicht. Das neue Video finden Sie über dem Text.

Zum Muttertag hatte ein Video für mächtig Ärger gesorgt. Die Einzelhandelsgruppe Edeka hatte es beim Hamburger Werbebüro Jung von Matt ein Video in Auftrag gegeben. Gezeigt wurden darin Männer, die ihre Kinder vor den Augen anderer Eltern pinkeln lassen, die unfähig sind, den Kindern etwas zu essen zu bereiten, die ihren Töchtern beim Kämmen grob durchs Haar fahren, bei den ersten Leseversuchen der Jüngsten einschlafen und ihnen beim Spielen Bälle ins Gesicht werfen.

Screenshot: Youtube

Die Männer in dem Video saßen Chips-kauend neben ihren angewidert drein blickenden Töchtern auf der Couch oder standen mit schlecht sitzenden Unterhosen im Bad. Der Clip endete mit dem Slogan „Danke Mama, dass du nicht Papa bist.“ Die Väter, allenvoran getrennt lebende, liefen Sturm. Vaterverbände riefen zum Edeka-Boykott auf, andere forderten eine Entschuldigung – spätestens zum Vatertag.

Screenshot: Youtube

Öffentliche Rüge vom Werberat

Unterdessen hat der Deutsche Werberat den Werbespot zum Muttertag öffentlich gerügt.

Die Werbung diskriminiert nach Ansicht der Selbstkontrolleinrichtung der Werbewirtschaft sowohl Männer als auch Frauen – daran ändere auch die bewusst gewählte ironische Überzeichnung des Spots nichts.

(werberat.de)

Männer und Frauen würden in dem Spot gegeneinander ausgespielt und Geschlechterrollen aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verfestigt, so der Werberat in seiner Begründung gegenüber Edeka. Während Väter als unfähige und unsensible Versager dargestellt würden, bekämen Mütter ihre Aufgabe bei der Betreuung und Erziehung von Kindern zugewiesen.

Der abschließende Satz „Danke Mama, dass du nicht Papa bist.“ möge humorvoll gemeint sein, er bringe die männer- und frauenherabwürdigende Botschaft des Films jedoch auf den Punkt.

(werberat.de)

Insgesamt waren beim Deutschen Werberat 750 Beschwerden wegen des Edeka-Muttertagvideos eingegangen. Der Werberat schließt mit den Worten:

Auch wenn der Spot aktuell nicht mehr von Edeka beworben werde, behält – so der Werberat – die Öffentliche Rüge ihre Signalwirkung gegenüber eventuellen Folgekampagnen.

(werberat.de)

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Nur drei Tag nach Bekanntwerden der Rüge hat Edeka seinen Werbe-Spot zum Vatertag veröffentlicht. Gefallen finde die Väter daran aber offenbar nicht. Wohl auch wegen der Warnung des Werberats vor Nachfolgekampagnen, stehen den vielen Szenen des ersten Videos, in denen Väter nahezu alles falsch machten, was sie nur falsch machten konnten, im neuen Clip nur zwei Szenen gegenüber. In der ersten wischen Mütter ihren Kindern mit Spucke benetzten Fingern Schmutz aus dem Gesicht. In der zweiten serviert die Mutter den Kindern Gemüse, während der Vater den Kindern heimlich eine Flasche Ketchup zuschiebt.

Der Vatertags-Clip ist nur halb so lang

Ging der Clip zum Muttertag noch rund 1:20 Minuten, ist der neue nach knapp 30 Sekunden zu Ende. Entsprechend dem Muttertags-Clip endet die Vater-Version mit den Worten: „Danke Papa, dass du nicht Mama bist.“

Screenshot: Youtube

Das Aktionsbündnis Kinderschuhe Sorgerecht, das beim Werberat Beschwerde gegen das erste Video eingelegt hatte, sagt dazu:

Diskriminierung setzt sich also damit sogar noch fort. Der Schaden ist riesig, wird den Vätern und Müttern noch ewig negativ in Erinnerung bleiben. Statt Väter positiv darzustellen bleibt die Masche gleich dämlich. Offenbar scheint es in der Geschäftsleitung von Edeka nur Proleten zu geben, aber niemals richtige Papas. Offensichtlich wurde hier massiv geschnitten, damit Mütter besser dargestellt werden als Väter.

Das Bundesforum Männer, der Interessensverband für Jungen, Männer und Väter, sagt:

Minus mal Minus ergibt eben nicht Plus.

Edeka selbst äußert sich nach Veröffentlichung des zweiten Videos wie folgt:

Die Kampagne war von Beginn an sowohl für den diesjährigen Mutter- als auch Vatertag angelegt (…) Um die Kampagnenidee zu verdeutlichen, aber auch, weil wir uns der Kritik stellen möchten, anstatt sie zu verschweigen, haben wir uns dazu entschieden, auch den Onlinefilm zum Vatertag zu veröffentlichen.

(Edeka)

Auf Youtube wird der neue Clip von wenigen verteidigt und vielen kritisiert. Eine Auswahl der Meinungen:

Väter können mehr als nur Ketchup auf dem Tisch zu stellen. Man merkt schon aufgrund der Länge der Werbung, das man sich wenig Mühe gegeben hat! Schwache Leistung!

Interessant, dass der Spot so gekürzt wurde. Das Original war mit Sicherheit länger. Man wollte wohl Schadensbegrenzung betreiben!

Danke Papa, dass wir nicht bei Edeka einkaufen gehen.

Väter essen also nur. Was ist mit Fußball, Lego bauen, raufen? Das wären alles super Aufhänger gewesen. Ganz billig nachgeschoben. Peinlich!

Man dachte, man sei voll politisch korrekt im Männer verarschen, und dann kriegt man doch den Rüffel vom Werberat, weil man aus versehen doch nur sexistischen Müll gegen beide Geschlechter verzapft hat.

Durchschaubarer Versuch der Schadensbegrenzung. Wo ist die Stelle wo das Baby fast vom Wickeltisch fällt weil Mama mit dem Handy zu tun hat? War klar das dieser Spot bei weitem nicht so scharf wird wie der andere.

Danke Mama und Papa, dass ihr nicht so seid, wie die in der Edeka Marketingabteilung.

Supi toll dass der Papi nur dafür da ist, ungesundes essen zu geben und keine erzieherische Rolle einnimmt. Bravo.

@Edeka: lasst es einfach, ihr kriegt das nicht hin.

Ganz ehrlich, das war so ein Schuss gegen die eigenen Läden wie es sonst noch keiner geschafft hat.

Dem männer- und auch frauenfeindlichen letzten Spot voller versagender Männer, nun zwei Szenen gegenüber zu stellen die auch nicht unbedingt schmeichelhaft sind wird nicht von Erfolg gekrönt sein.

Kürzerer Spot und kein Mutterbashing. Wunderbar. Hätte man mit den Muttertagsspot auch machen sollen: Kein Väterbashing. Wäre der Vatertagsspot in genau derselben Schärfe und Herabwürdigung des weiblichen Elternteils gewesen wie beim Muttertagsspot der männliche durch den Kakao gezogen wurde hätte man noch sagen können: Okay, jeder bekommt seine Packung ab bei Edeka.

Ich glaube der Ketchup ist mit eines der letzten Dinge, warum ich mich bei meinem Papa bedanken werde.

Ich betone mal – als ein Mediendesigner -, dass ein Klischee immer auch seine eigene Wahrheit besitzt! Mir gefallen diese Spots sehr gut, weil sie berühren nicht nur, sie fassen an! Ich kann nur sagen wunderbare Arbeit und absoluter Erfolg.

Ihr Heulsusen! Das zeigt mal wieder, wie humorlos Deutschland ist. Ich kann drüber schmunzeln. Die armen Väter, die sich aufopfernd um ihr Kinder kümmern, fühlen sich zu tiefst verletzt, das man deren Werk nicht würdigt.

Danke Edeka, dass ihr die ganzen Heulsusen weiter provoziert.

Hat REZO schon ein Video gemacht über die Zerstörung von Edeka?