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Eichelberg: 100 Bauplätze im Naherholungsgebiet

Bayreuth wächst. Rund 76.000 Einwohner zählt die Stadt derzeit, so viele wie noch nie zuvor. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Deutsche Rentenversicherung will an der Lohengrintherme neu bauen, Bayreuth bekommt einen Medizin-Campus, an der Uni wächst die Technologie-Achse, medi, Tennet und Cybex beschäftigen immer mehr Mitarbeiter. Nur wo sollen die Menschen wohnen? Die Stadt sagt: Freie Flächen gibt es nicht mehr viele. Nachdem die Grundstücke in Oberkonnersreuth vergeben sind, kurz nachdem sie angeboten wurden, hat die Stadt nun ein Gebiet im Visier, das ein heikles ist. 70 Zuhörer, so viele wie selten, sind gekommen, um den Mitgliedern des Bauausschusses ihren Unmut zu zeigen.

Noch ist er unverbaut, der Blick vom Panoramaweg auf die Stadt. Foto: Thorsten Gütling

Am Eichelberg und am Panoramaweg, wo heute noch Wiesen und ein Naherholungsgebiet sind, soll gebaut werden. Waren zunächst 70 Wohnhäuser geplant, sind es jetzt 120. Zwischenzeitlich war schon von 180 Häusern die Rede.

So sehen sie auf dem Papier aus, die Pläne der Stadt. Foto: red

Die Anwohner kritisieren in erster Linie, dass all die neuen Nachbarn über die Königsallee an die Stadt angebunden werden müssten. Und, dass ein Wissenschaftler bereits einmal von der Bebauung des Grundstücks abgeraten hat. Weil dort nämlich kalte Luft entsteht, ähnlich wie am Roten Hügel, wo aus gleichem Grund schon einmal ein neuer Parkplatz für das Klinikum gescheitert ist.

Soll zur Zufahrt für insgesamt 220 Häuser werden. Die Straße Am Eichelberg, trifft hier auf die Königsallee. Foto: Thorsten Gütling

Allerdings sagt Stadtbaureferentin Urte Kelm, handle es sich nicht um Luft, die die Innenstadt im Sommer kühle. Dazu sei die Schneise von der Autobahn durchschnitten. Das Verkehrsproblem sei außerdem weniger schlimm als befürchtet. Ein Gutachter komme zu der Einschätzung, dass die neuen Bewohner des Eichelbergs sogar ohne eine Ampel relativ problemlos auf die Königsallee auffahren könnten. Und: Dass am Eichelberg weiter gebaut werden darf, hat der Stadtrat schon vor langer Zeit beschlossen. Das Gebiet, das dafür zur Verfügung steht, ist sogar wesentlich größer als das, das jetzt beplant werden soll. Einige Flächen, die direkt am Panoramaweg liegen, sollen im Gegenzug aber aus den Planungen genommen werden.

Aus der Straße Am Eichelberg ist jetzt schon schwer rauszukommen, sagen die Kritiker des neuen Baugebiets. Foto: Thorsten Gütling

Die Mitglieder des Bauausschusses stimmen den Plänen mit großer Mehrheit zu. Allerdings nicht, ohne vorher nachzubessern. Eine Ampel soll dafür sorgen, dass die Bewohner vom Eichelberg künftig auf die Königsallee einfahren können. Mehr als 100 neue Wohneinheiten sollen es zudem nicht werden und näher als 70 Meter soll nicht an den Panoramaweg heran gebaut werden dürfen.

Die Argumente

220 Wohneinheiten werden künftig über eine Zufahrt auf die Königsallee eingespeist. Die CSU stimmt zu, wenn die Einmündung noch einmal untersucht und eine Ampel geplant wird. (Stefan Specht, CSU)

 

Ob es umweltfreundlich ist, wenn die, die hier arbeiten sieben oder acht Kilometer aus dem Landkreis einreisen müssen? (…) Wir brauchen diese Flächen für die Lebensqualität in unserer Stadt. (Ernst-Rüdiger Kettel, Bayreuther Gemeinschaft)

 

Gutachten schön und gut. Wer aber zu gewissen Zeiten aus der Straße herauszufahren versucht, kommt zu anderen Erkenntnissen. (Thomas Bauske, SPD)

 

60 Häuser sind am Hühlweg entstanden, am Heisenbergring sind es 38 Häuser. Wir leben in Eigenheimen und wollen es anderen verwehren. (Halil Tasdelen, SPD)

 

Auch diese Flächen werden irgendwann weg sein, dann kommen die nächsten Familien. Irgendwann ist die Grenze des Wachstums erreicht. Ich wäre so ehrlich, und würde das den Bürgern auch so sagen. (Sabine Steininger, Grüne)

 

Mit welcher Arroganz wir über 100 Familien verbieten wollen, sich hier anzusiedeln. (…) Jeder Häuslebauer investiert 300.000 Euro in sein Haus. (…) Wir werden in Bayreuth das Weltklima nicht retten. (Helmut Zartner, DU)

 

Bei so vielen Bedenken macht es keinen Sinn, diese Planung derzeit voranzutreiben. Keine gute Planung, keine Zustimmung. (Christopher Süss, Junges Bayreuth)

 

Ich weiß, wie sensibel der Bereich ist, in den wir da eingreifen. Dass da ein Wohngebiet entstehen soll, hat der Stadtrat schon vor sehr langer Zeit entschieden. (…) Wenn der Plan jetzt stirbt, müsste es bei künftigen Anfragen heißen: Wir haben nichts, und es ist auch nichts in Aussicht. (Urte Kelm, Stadtbaureferentin)

 

Wir nehmen Richtung Osten/Panoramaweg sogar Möglichkeiten der Bebauung aus dem Flächennutzungsplan raus. Das Gebiet ist gut angebunden an Fuß- und Radwegenetz. Es ist daher nicht nachvollziehbar, dass jetzt so geredet wird, als müsste an dieser Stelle jeder Weg mit dem Auto zurückgelegt werden. (Ulrich Meyer zu Helligen, Leiter des Stadtplanungsamtes)