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Ein Radentscheid nach Bamberger Vorbild: Erstes Treffen in Bayreuth

Eine Neuverteilung der Verkehrsflächen soll es künftig in Bayreuth geben. Und vor allem mehr Sicherheit für Radfahrer im Straßenverkehr. Dafür wollen sich verschiedene Bayreuther Vereine einsetzen und einen sogenannten Radentscheid nach Bamberger Vorbild aufziehen – dem ersten Radentscheid auf kommunaler Ebene. Am Montag war Radentscheid-Initiator Christian Hader aus Bamberg in der Bayreuth um Tipps zu geben und Erfahrungen zu teilen.

Vorbild Radentscheid Bamberg

Christian Hader ist 38 Jahre alt, selbstständiger Physiotherapeut und Initiator des Radentscheides Bamberg. Er hat es geschafft, in Bamberg Interessierte zu finden und im Frühjahr 2016 ein erstes Treffen gestartet. Die Freiwilligen sammelten Unterschriften in der Bamberger Innenstadt, waren alle drei Monate zu einem Jourfixe mit dem Oberbürgermeister Andreas Starke in Verhandlung und schafften es im vergangenen Jahr bereits innerhalb eines Monats die nötigen 3.300 Unterschriften zu sammeln, um ein Bürgerbegehren für insgesamt zehn schriftlich festgehaltene Ziele des Radentscheides, veranlassen zu können. Letztlich kamen in den zwei Folgemonaten noch weitaus mehr Unterschriften zusammen, als benötigt. Zu den Bamberger Zielen gehörten unter anderem radgerechte und sichere Schulwegrouten, Radschnellwege für den Pendelverkehr oder der Schutz der Radfahrer an viel befahrenen Hauptstraßen.

(Mitte) Christian Hader, Initiator des Bamberger Radentscheides, referierte am Montag in der Bayreuther Brauereischänke darüber, was zu einem Radentscheid nötig ist. Foto: red

Letztendlich konnte festgesetzt werden, dass zwei Fahrradstraßen mit zwei Metern Breite, statt der festgesetzten 1,50 Metern Abstand zum motorisierten Verkehr, errichtet wurden und bis 2025 5.000 Fahrradparkplätze geschaffen werden sollen. Christian Hader hat den Weg zum Radentscheid Bamberg, dessen Schwierigkeiten und Erfolge in seinem Buch „Was möglich ist – der Radentscheid Bamberg“ niedergeschrieben. Zum Gespräch mit ihm hatten sich Vertreter von ADFC Bayreuth, Critical Mass Bayreuth, vom Transition Haus e.V. , Greenpeace, dem „Forum 1.5“ sowie Vertreter von SPD und den Grünen versammelt.

Christian Hader-Buch
Christian Haders Buch zum Radentscheid Bamberg. Kürzlich erschienen im Thiemo Graf Verlag. Foto: red

Der Beginn einer Idee

„Der Weg zum Radentscheid verläuft nie linear. Die Unterschriftenliste ist der Stamm, danach entwickeln sich einzelne Verzweigungen“, sagt der 38-jährige Christian Hader. Die Bayreuther stehen jetzt noch am Beginn ihres Vorhabens. Es gibt Interessierte und erste Ideen. Ein greifbares Konzept wird erst in den kommenden Monaten entstehen. Einer der Bayreuther Initiatoren ist Daniel Brunnabend.

Um einen Bürgerentscheid erreichen zu können sind 3.500 Unterschriften von insgesamt 57.162 Wahlberechtigten in Bayreuth nötig.

(Daniel Brunnabend)

Forderungen des Radentscheides können möglicherweise folgende Themen umfassen:

  • Sichere Kreuzungen durch geringe Abbiegegeschwindigkeiten schaffen
  • Mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder im öffentlichen Raum schaffen
  • Mindeststandards für Radwege schaffen, wie zum Beispiel eine Breite von 2 Metern
  • Radschnellwege ins Umland
  • mehr Geld für den Radverkehr investieren

Diese Ziele müssen aber noch konkretisiert und auf Bayreuth adaptiert werden. Sie dienen vorab als erster Denkanstoß und Grundlage für weitere Diskussionen.

Fahrradständer

Was in Bayreuth laut ADFC verbessert werden kann

Heute werden vier Euro pro Bayreuther im Jahr ausgegeben. Das könnte man mindestens vervierfachen.

(Stefan Steurer, ADFC Bayreuth)

Denn zum Vergleich: In Kopenhagen würden beispielsweise 35 Euro pro Einwohner im Jahr investiert. Das Ergebnis des aktuellen Fahrradklima-Tests, wo Bayreuth mit einer Note von 3,9 abgeschnitten hat, sei eine schwache Leistung gewesen, sagt Steurer. Unschön fände er vor allem die Fahrradstraße am Röhrensee. Denn die Parkbuchten entlang der Fahrradstraße würden dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zum Radverkehr nicht gerecht werden. Die Lage sei aufgrund der parkenden Fahrzeuge, die die Straße nur schwer einsehen können, angespannt. „Bei den Radfahrern fährt hier die Angst mit. Das sollte insbesondere in einer Fahrradstraße nicht der Fall sein“, sagt Steurer. Außerdem sei die blaue Brücke gegenüber des ZOH über den Roten Main viel zu schmal für Radler und entlang vieler Radrouten durch der Stadt seien die Bordsteine nicht abgeflacht. 

Wer Interesse hat mitzuwirken und sich für ein Radbegehren in Bayreuth stark machen möchte, kann sich beim ADFC Bayreuth oder bei Daniel Brunnabend melden. Ein weiteres Treffen ist in voraussichtlich in den kommenden drei Wochen geplant.