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Ein Zeichen setzen: Helfer befreien Gehwege und Grünflächen vom Müll

Am Sonntagnachmittag sind einige Bayreuther zusammen gekommen, um gemeinsam Zigarettenstummel aufzusammeln. Zum Wohle der Umwelt. Organisiert wurde die Aktion von Antonia Böhner. Die Tour führte vom Dammwäldchen, über die Von-Römer-Straße zur Maxstraße und zurück. Das Bayreuther Tagblatt war mit dabei. Ein Video mit der Organisatorin finden Sie über dem Text.

„Ich weiß, dass wir hier unmöglich alles sauber bekommen“

Ausgerüstet mit Gummihandschuhen, einem Eimer und einem Bollerwagen zieht die Gruppe gegen 15:25 Uhr am Dammwäldchen los. Das Ziel war es ursprünglich Zigarettenstummel aufzusammeln. Doch schon nach wenigen Metern entdecken die Sammler Folie, Eisbecher, Papier und Flaschendeckel – auf den Wegen, am Straßenrand und auch in den Grünflächen des Dammwäldchens. „Ich weiß, dass wir hier unmöglich alles sauber bekommen können. Aber ich möchte mit der Aktion ein Zeichen setzen“, sagt Organisatorin Antonia Böhner. Früher hatte auch sie ihre Zigarettenstummel achtlos auf den Boden geworfen. Jetzt hat sie umgedacht, weil ihr inzwischen bewusst ist, dass sie der Umwelt damit schadet. „Vielleicht denken die Leute ja um, wenn sie uns in der Innenstadt bei Auflesen sehen“, fügt sie hinzu.

Die Ausbeute nach nur fünf Minuten. Foto: Redaktion

Eine zweite Box für noch mehr Müll

Die freiwilligen Sammler entscheiden sich kurzerhand alles an Müll mitzunehmen und besorgen sich während der Aktion noch eine weitere rote Box für größere Müllteile. Für viele Teilnehmer ist es die erste Aktion solch einer Art, bei der sie sich engagieren.

Es ist mir wichtig, dass man den Müll nicht einfach auf den Boden schmeißt. Die Leute sollten lernen verantwortungsbewusster mit der Umwelt umgehen. Manchmal sprechen ich auch Personen an, warum sie den Müll einfach fallen lassen, wenn ich so eine Situation sehe.

(Dilara Giray, 14 Jahre)

Ich finde es wichtig Aufmerksamkeit für diese Aktion zu schaffen. Nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei der Stadt. Vielleicht gibt es ja an manchen Stellen einfach zu wenig Mülleimer.

Außerdem kann jeder schon im Kleinen einen Beitrag leisten, um so zum Beispiel der Verunreinigung des Wassers entgegen zu wirken.

(Selina Struck, 19 Jahre)

Foto: Redaktion

Es ist das erste Mal, dass ich bei so einer Aktion mitmache. Ich verstehe allerdings, dass viele Raucher einfach ihre Kippen auf den Boden schmeißen, weil sie sie nicht kilometerweit mit sich tragen möchten, wenn weit und breit kein Mülleimer ist. Ich denke da sollte man als zuerst ansetzen.

(Victoria Valent, 22 Jahre)

Wir haben in der Schule darüber gesprochen, dass die Zigarettenstummel das Grundwasser verschmutzen können. Vorher habe ich das nicht mitbekommen. Jetzt ist mein Interesse für das Thema gewachsen. Deswegen habe ich inzwischen auch immer einen portablen Aschenbecher mit dabei, wenn ich auf öffentlichen Plätzen unterwegs bin.

(Nedimcan Kavukoglu, 18 Jahre)

Einige Meter weiter liegen über ein Dutzend Styroporteile auf dem Gehsteig verstreut, die die Sammler kurzerhand mit auflesen. Foto: Redaktion

„Ich habe ehrlich gesagt schon befürchtet, dass es mehr Müll ist, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Viele der Zigarettenstummel sind schon ganz zerfleddert, die liegen schon richtig lange“, sagt die 22-jährige Antonia Böhner.

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Zwischen dem Kopfsteinpflaster sammelte sich besonders viel kleinteiliger Müll an. Foto: Redaktion

„Der öffentliche Raum geht jeden etwas an“

„Das ist ekelig, wie viel Müll man hier schon nach wenigen Metern findet“, sagt Selina Struck. Sie spricht auch immer wieder Passanten an und fragt, ob sie bei der Aktion mithelfen möchten. Jedoch ohne Erfolg, meist mit dem Zusatz, dass es jetzt gerade zeitlich unpassend sei. „Wahrscheinlich macht es Ihnen einfach zu viel Arbeit“, ergänzt sie.

Auch wenn Selina Struck selbst nicht raucht, ist es für sie selbstverständlich bei der Aktion mit anzupacken. „Wir befinden uns hier ja im öffentlichen Raum. Und der geht jeden etwas an. Wenn man immer nur darauf wartet, dass erst andere mit anpacken, bevor man selbst etwas tut, drehen wir uns ja im Kreis“, sagt sie. Es gehe nur, wenn jeder etwas tue.

Der Mülleimer nach 15 Minuten. Foto: Redaktion

Keine Zeit und keine Spontanität

Zwar bleiben einige Passanten kurz stehen und schauen den Freiwilligen mit verblüfften Blicken zu. „Ich finde eure Aktion gut, aber wir müssen dringend weiter“, sagt ein Mann, der gemeinsam mit einem älteren Ehepaar vorbei geht. Ein anderer Mann bedankt sich sogar aus dem Fenster heraus, dass sich die jungen Leute engagieren. Er kehre auch oft vor dem Haus, sagt er. Doch den Freiwilligen am Sonntag zur Hand gehen, wollte auch er nicht.

„Die Welt kann eben auch sauber bleiben, ohne dass sie selbst mithelfen, denken sich viele“, sagt Dilara Giray, atmet laut durch die Nase aus und schmeißt noch mehr Müll in den Eimer. „Wie kommt man denn auf so eine Idee?“, fragt sie entsetzt, als sie das bunte Konfetti zwischen dem Kopfsteinpflaster entdeckt.

Foto: Redaktion

Wie man Leute zum Umdenken bewegen könnte

„Ich denke, dass viele wohl erst umdenken werden, wenn es ein Gesetz dazu gäbe“, erklärt Organisatorin Antonia Böhner. Viele würden vor ihren Häusern bereits regelmäßig sauber machen, aber anderen sei es eben egal. Vor allem vor den Bars und Diskotheken häufen sich Zigarettenstummel, Kronkorken und anderer Müll. „Vielleicht müsste man den Kneipenbetreibern mal einen Brief dazu schreiben“, ergänzt Selina Struck während sie den Bollerwagen voller Müll weiter durch die Gassen zieht.