Freizeit

Eine Spurensuche: die Anfänge des Graffiti

Was so mancher nicht weiß: Bayreuth ist eine der ersten Städte Deutschlands in denen Graffiti aufkam. Um dem auf die Spur zu gehen, treffen wir uns mit Christoph Schemann von der Universität Bayreuth. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand in der Kulturgeographie. Sein Spezialgebiet? Graffitis.

Das Rotmain-Becken

Der Ausgangspunkt ist das Rotmain-Becken. Reizvoll für Graffiti-Sprayer macht dieser Platz die zentrale Lage in der Innenstadt. Das Becken ist von beiden Seiten einsehbar. Man kann es sich wie eine Galerie vorstellen, in der Künstlerinnen und Künstler ihre Werke ausstellen.

Foto der Graffiti Kunst am Roten Main
Foto: red. Das Rotmain-Becken.

Der zweckmäßige Charakter des Rotmain-Beckens wird hier zur Leinwand und zum Beispiel einer sub-kulturellen Nutzung. Das besondere ist der archivarische Charakter des Beckens, ein Zeitstrahl von den Anfängen des Graffiti bis heute. Die ersten sind aus den 80er, 90er Jahren, als es mit Sprayen in Deutschland losging. Damals befand man sich noch in einer rechtlichen Grauzone, denn verboten war es nicht, richtig erlaubt aber auch nicht. Der Graffiti-Paragraph (Paragraph 303, Absatz 2) wurde erst 2005 eingeführt und betrifft „wer unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert“.

Graffitis im Rotmain-Becken
Foto: red.

Ihre Anfänge nahm Graffiti mit Farben aus dem Baumarkt und Inspiration durch den Film „Wild Style“. Hand in Hand ging diese Bewegung mit der aufkommenden Hip Hop Kultur, Breakdance, DJs und MCs. Mit dem Durchbruch des Hip Hops in den 90er Jahren, erlebte auch das Graffiti seine erste Blütezeit.

Wild Style Trailer

Bayreuth ist in dieser Bewegung einer der ersten Städte, in denen gesprayt wurde. Mittlerweile ist auch die Stadt Bayreuth auf positive Weise darauf aufmerksam geworden. Mit Genehmigung ist das Sprayen im Rotmain-Becken erlaubt. Die Jugendarbeit erfolgt vor allem im Jugendkultur- und Sportzentrum Schokofabrik mit Workshops. Dabei hat auch die Street-Art-Bewegung seinen Anteil. Durch Banksy und Co. ist Street-Art mehr und mehr ins kollektive Bewusstsein gedrungen. Graffiti ist jedoch nicht gleich Street-Art. Während Graffiti sich aus der Untergrund- und Hip Hop-Kultur entwickelt hat, als Protestform, hat Street Art den künstlerische Anspruch, das Erschaffen von Kunst im öffentlichen Raum, oft mit politischen Hintergrund. Diesen Kunstansatz hat Graffiti nicht unbedingt. Graffiti bedeutet zunächst einmal einfach: Dose in der Hand und los.

In den kommenden Wochen werden weitere Beiträge rund um die Graffiti-Kultur in Bayreuth erscheinen.

Stele der Stadt Bayreuth
Foto: red. Stele der Stadt Bayreuth