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Engpass: Anti-Baby-Pille derzeit nicht lieferbar

In Deutschland haben Apotheken derzeit mit Lieferengpässen zu kämpfen. Betroffen sind unter anderem Medikamente mit blutdrucksenkenden, gefäßerweiternden Wirkstoffen, dazu Ibuprofen 800 und bestimmte Anti-Baby-Pillen.

Problem: Anti-Baby-Pille

Bei Lieferproblemen von Medikamenten können Kunden häufig auf andere Wirkstoffe umgestellt werden. Dies ist bei vielen der derzeit über 447 nicht lieferbaren Medikamenten möglich. Allerdings funktioniert das nicht immer. Ein besonders schwerer Fall: die Anti-Baby-Pille Zoely.

Wir kriegen jeden Tag Anrufe wegen dieser Anti-Baby-Pille, da sie schon über einem Monat nicht lieferbar ist.
(Helmut Steinhauser, Birken-Apotheke Bayreuth)

Laut dem Hersteller MSD Sharp & Dohne GmbH soll das Verhütungsmittel erst in der letzten Juni-Woche wieder verfügbar sein. Der Apotheker rät Frauen jedoch, bevor sie die Pille abholen in der Apotheke anzurufen. So können Kundinnen schon vorher prüfen, ob der Ovulationshemmer verfügbar ist. 

Erschöpfter Vorrat

Im Normalfall haben Apotheken die meisten, häufig benötigten Medikamente auf Vorrat. Zur Zeit sieht das anders aus. So müssen die Pharmazeuten mehrfach täglich die Verfügbarkeit der Medikamente online abfragen. Kann der Großhandel liefern, wird das Medikament kurz darauf geliefert. Gelingt dies nicht, müssen Ausweichmöglichkeiten gesucht werden.

Ein Apotheker bei der Arbeit. Foto: Pexels.

In einer Umfrage des bayerischen Apothekerverbands haben die Pharmazeutischen Angestellten angegeben, derzeit pro Woche circa fünf bis sechs Stunden mit Lieferengpässen und den Konsequenzen daraus verbringen zu müssen. 

Gründe

Die genauen Gründe sind nicht genau bekannt. Der stellvertretende Pressesprecher des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie, Andreas Aumann, erklärt hierzu, die Lieferengpässe hätten verschiedene Ursachen. Unter anderem seien sie eine Konsequenz aus Rabattverträgen und dem damit erzeugten Preisdruck.  Dieser führe dazu, dass gewisse Medikamente und/oder Wirkstoffe nur noch in wenigen Werken produziert würden. Diese lägen häufig in Billiglohnländern, um Kosten zu sparen. Sobald dann eines dieser Werke ausfällt, komme es direkt zu großen Problemen bei den Lieferungen. 

Medikamente. Foto: Pixabay.

Lösungsansatz

Das Risiko für Lieferengpässe wäre sehr viel geringer, wenn es grundsätzlich erst Ausschreibungen für Arzneimittel geben darf, wenn mindestens vier Anbietern im Markt sind und zudem die Krankenkassen an mindestens drei Anbieter Zuschläge erteilt müssen, von denen mindestens einer den Standort seiner Produktionsstätte in der EU nachweisen muss.

(Andreas Aumann, stellvertretender Pressesprecher beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie)