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Erfolgsgeschichte: Das Fest, das nur einmal hätte stattfinden sollen

Eigentlich sollte das Bayreuther Bürgerfest eine einmalige Geschichte sein. Dann aber gefiel es dem Oberbürgermeister so gut, dass es immer größer wurde. Hobbyhistoriker Stephan Müller hat recherchiert, wie sich das Fest im Laufe der Jahre veränderte – und mit ihm die begehrten Sammler-Krüge.

20 Jahre Partnerschaft mit La Spezia: So sieht er aus, der Bürgerfest-Krug aus dem Jahr 2019. Foto: Stephan Müller

Wir schreiben das Jahr 1978, das Jahr in dem dort, wo früher ganz selbstverständlich jede Menge Autos fuhren, die erste Bayreuther Fußgängerzone eröffnet wurde. Von der Spitalkirche bis runter zum „Nenninger“ am Ring konnten sich Fußgänger nun frei bewegen. Das wurde natürlich gefeiert. Jo Schumacher, Wirtschaftsförderer und Verkehrsdirektor unter Hans Walter Wild, hatte den Auftrag ein Fest zu organisieren und sperrte gleich mal die Maxstraße vom Alten Schloss bis zur Spitalkirche für den Autoverkehr.

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Alle fünf Bayreuther Brauereien machen mit

Es gelang ihm, alle fünf Bayreuther Brauereien – Aktien, Maisel, Schinner, Glenk und Becher – unter einen Hut zu bringen. Die Brauer stellten ihre Biergarnituren auf der Maxstraße auf, ein paar „Brotwerscht-Ständla“ gesellten sich dazu. Mehr brauchte Schumacher nicht für seine Feier und das Bürgerfest zur Fußgängerzonen-Einweihung wurde ein nie geglaubter Erfolg.

Public-Viewing 2010 beim Bürgerfest. Foto: Stephan Müller

Klar, dass die Damen und Herren des Stadtrates, vor allem die Brauereien und der Oberbürgermeister total begeistert waren:

Schumacher, komm mal her. Das machen wir nächstes Jahr wieder – und vor allem viel größer!.

(Hans Walter wild, Oberbürgermeister von Bayreuth 1958 bis 1988)

Nun hatte Jo Schumacher also den Auftrag, die nächste Auflage des Bürgerfests noch größer aufzuziehen – und er legte los. Schon im nächsten Jahr 1979 findet das Bürgerfest Freitag und Samstag statt und breitet sich fast über den ganzen Stadtkern aus.

Einem Vorschlag im Stadtrat zufolge hätte das Bürgerfest eigentlich Markgrafenfest heißen sollen. Foto: Stephan Müller

Er wehrt sich gegen einen Vorschlag aus dem Stadtrat, die seine Feier „Markgrafenfest“ nennen wollen und liefert lieber selbst eine Idee. Er lässt eigens für das „Bayreuther Bürgerfest“ einen Bierkrug mit einer Stadtsilouette entwerfen, der ruck-zuck ausverkauft ist. Ab dem Jahr 1980 erhält der Bürgerfest-Krug eine Jahreszahl und wird zum Sammelobjekt.

Die Bürgerfest-Krüge vom ersten im Jahr 1979 (links unten) bis 1985 (rechts oben). Dazwischen sechs Krüge aus dem Jahr 1984. Foto: Stephan Müller

Wertet man das „Bayreuths-erste-Fußgängerzonen-Einweihungsfest“ als erstes Bürgerfest, erleben wir im Jahr 2019 also die 42. Auflage. Bürgerfest-Krüge gibt es erst 41, was aber auch nicht ganz richtig ist: Im Jahr 1984 präsentierte Schumacher einen ganzen Reigen an Krügen mit verschiedenen „Jean-Paul-Sprüchen“. So kommen zu den 41 normalen „Bürgerfest-Krügen“ also rein rechnerisch noch ein halbes Dutzend dazu.

Erst Sehenswürdigkeiten, dann Jean Paul-Sprüche

In den ersten fünf Jahren zierten den Krug Bayreuther Sehenswürdigkeiten wie die Eremitage, das Festspielhaus, das Neue Schloss oder die Stadtkirche, ehe die erwähnten Jean-Paul-Sprüche folgten: „Geh nie ohne ein freundliches Wort, es könnte Dein letztes sein“ oder „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus welchem wir nicht vertrieben werden können“, sind zwei der bekanntesten Aphorismen des Bayreuther Dichters.

Die Bürgerfest-Krüge aus den Jahren 1984 (links unten) bis 1994 (rechts oben). Foto: Stephan Müller

Die Krüge der nächsten Jahre erinnern an die Eröffnung der „großen“ Fußgängerzone (1985), den 175. Geburtstag von Richard Wagner (1988), die Städtepartnerschaft mit Rudolstadt (1990) oder die Kulturpartnerschaft mit dem Burgenland (1991). Witzig sind die Krüge der Jahre 1993 (Bayreuth 799 Jahre jung) und 1994 (800 Jahre Bayreuth). Der Krug des Jahres 1996 zeigt die Eröffnung des Historischen Museums, ehe sich das Jahr 1998 dem 250. Jubiläum des Markgräflichen Opernhauses widmet.

Die Krüge vom Bayreuther Bürgerfest aus den Jahren 1995 (links unten) bis 2006 (rechts oben). Foto: Stephan Müller

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Die Jahre 1999 bis 2001 zeigen augenzwinkernde Szenen des Karikaturisten Matthias Ose, ehe sich wieder mehrere Krüge den Jubiläen von Städtepartnerschaften widmen. Der leider im vergangenen Jahr verstorbene Zeichner Klaus Häring verewigte seinen unverwechselbaren Stil in den 2011, 2013, 2014 auf den Bierkrügen. Der bisher letzte Krug des Jahres 2018 widmete sich – wie könnte es anders sein – mit der Wiedereröffnung des Welterbes Markgräfliches Opernhaus. Wer die „Seidla“ fleißig sammelte hat quasi eine schöne Chronologie aus den letzten vier Jahrzehnten der Stadtgeschichte zu Hause.

So sahen die Bürgerfest-Krüge der Jahre 2007 (links unten) bis 2018 (rechts oben) aus. Foto: Stephan Müller

Ab 1989 wird das Bürgerfest um einen weiteren Tag verlängert. Ziel ist es, am „Bürgerfest-Sonntag“ die ganze Vielfalt der lokalen Kulturszene zu präsentieren zu können. Dreimal gab es in Verbindung mit dem Bürgerfest auch einen „Mittelalterlichen Markt“. Erstmalig zum 800-jährigen Jubiläum der Stadt im Jahr 1994. Nach diesem Markt gründete sich in der Bayreuther Turnerschaft die „mittelalterliche Abteilung der Katzbalgerey“, die quasi für die nächsten Historischen Märkte in den Jahren 1997 und 2000 wesentlich kostengünstiger die Organisation übernahmen.


Text: Stephan Müller


Stephan Müller


Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.


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