Nachrichten

Extinction Rebellion Bayreuth: Warum es jetzt nötig ist zu handeln

Seit etwa einem Jahr gibt es die Extinction Rebellion in Bayreuth. Die sozial-ökologische Bewegung, die weltweit aktiv ist, setzt sich gegen das Massenaussterben von Tieren, Pflanzen und auch der Menschen ein, indem sie aktiv Protest äußert. Auf den Plakaten liest man von der „ökologischen Katastrophe“ und dem „Aufstand gegen das Aussterben“. Was genau hinter diesen kritischen Sätzen steckt und warum die Bewegung rebelliert, erklärt Mitglied Dietmar Schreyer.

„Ohne Emotionalität kein Handeln“

„Natürlich könnte man vielen Gruppen Versagen vorwerfen, denn die Allgemeinheit begreift noch nicht, wie es um die Umwelt und die Lebewesen steht“, sagt Schreyer. Es sei aber sinnvoller aktiv zu werden und Taten sprechen zu lassen, erklärt er. Extinction Rebellion zeigt eigentlich nur die Wahrheit, absolut und nicht verschönert. „Wir nehmen nicht mehr wahr, was mit unserem Planeten passiert. Durch wissenschaftliche oder technische Begriffe verlieren die Dinge an Emotionalität“, erklärt er. Man stumpft ab. Und da liege der Schlüssel: „Ohne Emotionalität, kein Handeln.“

Deswegen fordert Extinction Rebellion weltweit die Regierungen zum sofortigen Handeln auf. Und dazu, das Artensterben offen zu kommunizieren sowie den Klimanotstand auszurufen.

Wir haben keine Zeit mehr um Dinge weiterhin zu beschönigen. Wir befinden uns schon direkt im sechsten Massenaussterben der Erdgeschichte.

(Dietmar Schreyer)

Eine Sache der Kommunikation

Dietmar Schreyer ist seit September 2018 für die Extinction Rebellion aktiv. Dabei gäbe es keine Hierarchie.“Ich bin nicht das Sprachrohr der Extinction Rebellion, ich kann hier eigentlich nur für mich sprechen“, betont er. Jeder bringe sich da ein, wo er etwas leisten könne und teile sein Wissen und seine Erfahrungen mit anderen. Der Austausch in der Gruppe sei wichtig. Genauso wie der Austausch mit anderen Initiativen und Gruppen aus anderen Städten, sagt Schreyer. Außerdem gehöre das anschließende Reflektieren dazu.

Jeder solle die Grenzen in der Kommunikation hinterfragen. Oft gehe es um „wir“ und „die anderen“ und es werden verbale Grenzen gezogen, so Schreyer. Vielmehr sollte man sich austauschen und einen Blick auf gemeinsame Werte legen. Bei Extinction Rebellion sei jeder willkommen.

Es ist wichtig, Dinge zu hinterfragen und darüber zu diskutieren. Kommunikation reicht zwar allein nicht aus, ist aber ein erster Schritt.

(Dietmar Schreyer)

Was viele davon abschrecke, etwas im Alltag zu ändern, sei es, davon zu sprechen was man künftig alles „weniger“ tun solle, um die Umwelt zu unterstützen: Weniger Fleisch essen, weniger Auto fahren, etc. „Es ist einfach eine Schwierigkeit der Verständigung. Warum sagt stattdessen keinr, dass wir mehr Sicherheit, mehr Spiel und Spaß oder mehr Zugehörigkeit erreichen können?“, so Schreyer.

Im Handeln gefangen

„Man sollte die Realität kontinuierlich in Frage stellen“, sagt der 44-Jährige. Der Vorteil der Extinction Rebellion sei, das sie unabhängig von Machtstrukturen sei. „Viele sind in ihrem Selbsterhaltungskonzept gefangen“, erklärt er. Ein Beispiel sei ein Politiker: Zwar möchte dieser etwas bewegen, aber er möchte auch gleichzeitig Zuspruch von den Bürgern erfahren und Politiker bleiben und deswegen nicht versuchen um jeden Preis etwas durchzusetzen. Ein weiteres Beispiel sei es, nur Biolebensmittel zu kaufen: Als Großfamilie könne das finanziell schwer werden, auch wenn man es gerne unterstützen würde.

Dietmar Schreyer von Extinction Rebellion Bayreuth,

Dietmar Schreyer lebt seit etwa vier Jahren in Bayreuth. Ursprünglich kommt er aus Wolfratshausen. Hier habe er sein Master-Studium aufgenommen. Inzwischen investiere er eigentlich 24 Stunden für Extinction Rebellion. „Jedes Gespräch und jede Aktion mit anderen bringt uns weiter“, sagt er. Etwa zwanzig Personen gehören zum festen Kern der Initiative. Bei jeder Aktion machen andere mit, erklärt Schreyer. Je nachdem, was einem persönlich liege.

Treffen in Bayreuth am Sonntag

Einmal im Monat soll es künftig ein öffentliches Treffen geben. Das folgende sei bereits am Sonntagabend, den 25. August, wozu alle Interessierten herzlich eingeladen seien. Eine internationale Rebellion findet am 7. Oktober in allen Großstädten statt. Auch Bayreuther würden dazu nach Berlin fahren, so Schreyer.

Warum Aktionen wie „Plastic Attack“ nötig sind

Gesicht hat die Bayreuther Bewegung unter anderem mit „Plastic Attack“ bei Rewe und Netto gezeigt. „Die Aktionen können zwar im ersten Moment etwas irrational wirken, aber im Nachhinein werden die Zuschauer ihre eigene Wahrnehmung überprüfen“, sagt er. Es sei wichtig, dass die Menschen Dinge wieder wahrnehmen, damit eine Veränderung möglich ist.

Lesen Sie auch: