Freizeit

Familien-Cafés: Hier darf es auch laut werden

Geschrei, Lachen und zwischendrin ein bisschen Gejammer: Wenn Kinder spielen, geht es meistens hektisch, vielleicht sogar etwas chaotisch zu. Aber vor allem ist es ziemlich laut. In einem Café einfach nur still sitzen, während Mama oder Papa gemütlich einen Kaffee trinken und sich mit anderen Eltern über das Neueste austauschen, ist nun wirklich nicht das, was zu den Stärken eines Kindes gehört und gehören muss.

Wie schön wäre es da, wenn sich der Nachwuchs während des Kaffeekränzchens in einer Spielecke austoben kann? Die Rede ist nicht von einem kleinen Tisch mit zwei Stühlen, ein paar Malblättern und Stiften und einigen Holzklötzchen, sondern von einem richtigen Spielplatz für die Kleinen.

Im Familien-Café der Gummistiftung in Kulmbach können sich Kinder so richtig austoben, während die Eltern gemütlich Kaffee trinken. Foto: Geschwister Gummistiftung

Ein Café für Familien und für die, die gerne lautes Kindergeschrei um sich haben und sich daran nicht stören: Ja, solche Läden gibt es. Das Angebot in Bayreuth ist zwar begrenzt, dennoch findet man ein paar kleine, ehrenamtlich geführte familienfreundliche Cafés.

Im Kinder- und Elternzentrum Mama Mia gibt es ein Familien-Café. Es wird ehrenamtlich von Müttern und Vätern betrieben und hat dreimal in der Woche geöffnet.

Wir haben eine Spielküche, einen Kaufladen, einen Bewegungsraum und einen Garten.

(Ines Schönauer, Büromitarbeiterin bei Mama Mia)

Und auch die evangelische Familienbildungsstätte mit Mehrgenerationenhaus in Bayreuth führt ein kleines Café. Das wird zwar vor allem von den Teilnehmerinnen nach den Kursen genutzt, ist aber auch für alle anderen Eltern da, die nach einem Ort suchen, an dem es nicht stört, wenn der Nachwuchs laut ist und sich in der Spielecke austobt. „Der Bedarf ist da, unser Storchencafé könnte ruhig größer sein. Es platzt oft aus allen Nähten“, sagt Petra Lauterbach, pädagogische Mitarbeiterin der Einrichtung.

In der kleinen Spielecke im Storchencafé finden Kinder immer etwas zum Spielen. Foto: Redaktion

Ein ehrenamtliches Team betreut das Storchencafé immer dienstags, mittwochs und donnerstags. „Und am Montag können sich die Eltern gerne selbst versorgen.“

Ein Vorreiter und Vorbild in Sachen familienfreundliches Café dürfte in Kulmbach sein. Ein derartig großes Angebot für den Nachwuchs gibt es Bayreuth bisher nicht. „Die Kinder haben bei uns Priorität“, sagt Karin Müller von der Gummistiftung, die das Café im Familientreff leitet.

Klettern, rutschen, toben: ein Spiele-Paradies für die Kleinen. Foto: Geschwister Gummistiftung

Das Konzept des Cafés ist kindgerecht. Der Kaba und der Tee sind nicht zu heiß, sodass die Kinder gleich trinken können, der Kaffee ist stillfreundlich, also ohne Koffein. Und draußen gibt es für den Nachwuchs einen großen Garten mit eigenem Spielplatz.

Zu uns kommen viele Eltern, deren Kinder nicht in die Kindertagesstätte gehen.

(Karin Müller, Leiterin des Familien-Cafés)

Das Café sei allerdings ein „Draufzahlgeschäft“, gibt Karin Müller offen zu. „Bei uns gehört es einfach mit zum Haus. Oben ist noch ein Second-Hand-Shop und unten eine Werkstatt für Senioren.“ Als Privatperson ein Familien-Café zu führen, würde sich nicht rentieren, vermutet die Leiterin.

Joachim Hofmann, stellvertretender Vorsitzender der Kreisstelle Bayreuth des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), führt selbst eine Gaststätte mit einem Spielangebot für Kinder. „Viel mehr Gaststätten und Cafés sollten etwas für Kinder anbieten.“

Kinder sind die Kunden von morgen und sie bestimmen häufig auch, wo es zum Essen oder Kaffeetrinken hingeht.

(Joachim Hofmann, Dehoga Bayreuth)