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FC Eintracht Bayreuth: „Ein Verein, in dem jeder unseren Namen kennt“

Die Damenmannschaft des FC Eintracht Bayreuth hat ein Video gedreht. Zum einen, um sich beim Verein zu bedanken und zum anderen, um mit einem Augenzwinkern zum Nachdenken anzuregen. Weg mit den Vorurteilen und raus aufs Spielfeld – Vorbild war dabei der Werbespot der DFB-Frauen, die gerade in Frankreich um den Weltmeister-Titel spielen. Spielerin Sabrina Baumgartner spricht mit dem bt über den Videodreh und dessen Hintergrundgeschichte.

Das Video des FC Eintracht Bayreuth

Spontaner Dreh zur Abschlussfeier

Das Video der DFB-Frauen sei ihnen schon zuvor bekannt gewesen. „In unserer Mannschaft kam es supercool an“, sagt Sabrina Baumgartner aus Bayreuth. Die Idee das Video nachzudrehen hatte Kollegin Verena Kühn. „Wir haben dann anlässlich unserer Abschlussfeier ziemlich spontan damit angefangen“, erklärt die 19-Jährige. Innerhalb von zwei Drehtagen à vier Stunden sei alles im Kasten gewesen. Auch geschnitten hätten sie das Video anschließend selbst.

Ein Dankeschön an den Verein

Was der Grund für das Video war? „Wir wollten unserem Verein einfach mal Danke sagen! Wir wurden hier alle so offen und herzlich aufgenommen! Das ist nicht selbstverständlich“, sagt sie. Vor einem Jahr ist Sabrina zur Mannschaft des FC Eintracht gewechselt. Nach einigen Abgängen, wurde dort ein völlig neues Team zusammen gestellt. „Wir haben es oft schon in anderen Vereinen erlebt, dass die Frauenmannschaft nur die dritte oder vierte Wahl ist. Aber es ist Wahnsinn, mit welchem Engagement uns der FC Eintracht aufgenommen hat“, sagt Sabrina Baumgartner. Es sei der Mannschaft wichtig gewesen, jetzt auch etwas zurückgeben zu können.

Wir spielen in einem Verein, in dem jeder unseren Namen kennt (…) Seit es uns gibt, treten wir nicht nur gegen Gegner an, sondern vor allem gegen Vorurteile.

(Damen des FC Eintracht Bayreuth im Video)

Im Team etwas erreichen

Sabrina Baumgartner spielt selbst schon seit mehr als 13 Jahren Fußball, inspiriert durch ihren kleinen Bruder. „Ich habe früher eigentlich getanzt, aber fand es immer interessant, wenn mein Bruder auf dem Spielfeld stand. Irgendwann habe ich es dann selbst ausprobiert und gemerkt, dass mir das viel besser gefällt. Ich bin erst einmal in eine Mannschaft voller Jungen mit eingestiegen“ sagt sie. Denn damals hätte es noch nicht so viele Frauen-Mannschaften gegeben. „Am Fußballspielen mag ich vor allem, dass man gemeinsam im Team etwas erreichen kann“, fügt sie hinzu.

Pöbeleien en masse: „Ihr könnt ja gar nichts“

Leider sei das Fußballspielen als Frau auch heute noch mit Vorurteilen behaftet. „Ich denke in der Mannschaft haben das alle schon erlebt. Man bekommt als Frau, die Fußball spielt, so viele Sprüche ab“, sagt sie. „Oh krass“, „Ihr könnt ja gar nichts“ oder „Das ist wie Fußball, nur viel langsamer“ seien nur einige davon gewesen. Oft höre man die Kommentare aus dem privaten Kreis, manchmal werde man aber auch direkt am Spielfeldrand angepöbelt. Immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert zu werden, sieht Sabrina Baumgartner inzwischen als normal an.

Ich habe mich schon daran gewöhnt. Die dummen Sprüche gehören meistens dazu, wenn man sagt, dass man Fußball spielt.

(Sabrina Baumgartner, Spielerin beim FC Eintracht Bayreuth)

Beim Videodreh wären sofort alle mit an Bord gewesen. Auch die, die gerade nicht in Bayreuth waren. Sie hätten dann selbst kurze Sequenzen aufgezeichnet und geschickt, die mit im Video integriert wurden.  „Es war uns wichtig, dass alle, die in dieser Saison gemeinsam für den Erfolg gekämpft haben, auch Teil des Videos sein können.

Selbstbewusst: Das Video der DFB-Frauen

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft geht stets selbstbewusst aufs Spielfeld. Nächste Woche, am 29. Juni, steht die DFB-Elf im WM-Viertelfinale in Rennes auf dem Platz. Kein Grund sich zu verstecken, oder?

Wir spielen für eine Nation, die unseren Namen nicht kennt. Aber es ist okay.

(Deutsche Frauen-Nationalmannschaft im Commerzbank-Spot)

Der originale Werbespot, der in Kooperation mit der Commerzbank entstanden ist, startet provokant mit der Frage: „Weißt du eigentlich wie ich heiße?“ Doch von Traurigkeit keine Spur.