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Festival Junger Künstler: „Musik ist unsere gemeinsame Sprache“

Lior Halili spielt seitdem sie neun ist Oboe. Gebürtig kommt sie aus Tel Aviv in Israel. Mit ihrem Quintett „Tel Aviv Wind Ensemble“ ist sie Teil des Festivals Junger Künstler in Bayreuth. In 15 Tagen werden sie zehn Konzerte spielen. Wie Lior Halilis Alltag hier aussieht und, was die deutsche Kultur von der israelischen grundlegend unterscheidet, erfahren Sie im Folgenden.

Am vergangenen Freitag startete das 69. Festival Junger Künstler, bei dem 450 Teilnehmer aus 30 Nationen gemeinsam proben, Konzerte spielen und sich in Workshops weiterbilden. Lior Halili ist zum zweiten Mal mit dabei. Im Vorjahr ging alles ganz schnell und unerwartet vonstatten: „Ich hatte damals keinerlei Vorstellung vom Festival. Aber Itay Shamir, unser Flötist, hatte Kontakt mit dem Manager des Orchesters „The Israel K-Strings“. Er war noch auf der Suche nach einem Quintett für das Festival“, erzählt sie. So hätten sie damals spontan zusammen gefunden und spielen auch in diesem Jahr einige Konzerte gemeinsam mit „The Israel K-Strings“. Manche Gesichter waren neu für Lior, andere aus dem Quintett kennt sie schon seit der Grundschule.

Tel Aviv Wind Ensemble
Tel Aviv Wind Ensemble, Foto: youngartistsbayreuth.de

Über Nacht im Internat

„Ich stehe jeden Tag um 7:30 Uhr auf und gehe dann zur Probe. Wir übernachten im Markgräfin Wilhelmine Gymnasium. Das ist nicht weit von hier“ sagt Lior. Andere Teilnehmer sind im WWG oder in der Handwerkskammer untergebracht. Es sei spannend, Menschen aus der ganzen Welt beim Festival kennen zu lernen.“ Jeder kommt aus einem anderen Land, aber Musik ist unsere gemeinsame Sprache“. Sie wäre oft die Grundlage für lange, intensive Gespräche am Abend.

Wenn ich Oboe spiele, vergesse ich Zeit und Raum. Ich liebe dieses Gefühl.

(Oboistin Lior Halili aus Tel Aviv)

Ein rotes Tuch: Sauerkraut und Knödel

Lior Halili sagt, sie könne sich gut auf die Konzerte konzentrieren, denn um die kulinarische Versorgung kümmere sich das Festival. In den vergangenen Tagen haben sie schon einige deutsche Speisen probiert: „Sauerkraut und Knödel haben mir und den anderen im Ensemble gar nicht geschmeckt. Es ist wie ein rotes Tuch für uns“, erzählt die 22-Jährige. Der Kartoffelsalat sei ihr da schon lieber gewesen. „Ich bin Vegetarierin“ erklärt sie. Deswegen habe sie nicht alles probieren können. Das regionale Bier wäre aber unglaublich gut gewesen. Abends sitze man noch zusammen: „Meist wird es spät.“

Ich mag unseren Festival-Biergarten vor dem WWG. Man kommt hier immer mit den anderen Teilnehmern zusammen, fast jeden Abend nach den Konzerten, um zu reden oder gemeinsam zu singen.

(Oboistin Lior Halili aus Tel Aviv)

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„Das konnte ich erst gar nicht glauben“

Es sei schon anstrengend zehn Konzerte während des Festivals zu spielen. Aber es mache auch wahnsinnig Spaß. „Es ist unglaublich, wie sehr die Stadt sich für das Festival interessiert. Manche Besucher kommen auch zu mehreren Konzerten von uns, weil es ihnen so gut gefallen hat. Das konnte ich erst gar nicht glauben, als mich Gäste nach dem Konzert darauf angesprochen haben“, sagt sie und strahlt.

Eigentlich wollte ich schon mit fünf Jahren Oboe spielen. Aber sie haben mir immer gesagt, dass ich noch zu jung bin. Mit neun durfte ich dann endlich anfangen.

(Oboistin Lior Halili aus Tel Aviv)

Beeindruckt von Kultur und Geschichte

Insgesamt sei sie wahnsinnig beeindruckt, wie viel Geschichte und Kultur in Deutschland erhalten worden sei. Sie habe schon die Eremitage mit dem Alten Schloss, das Richard-Wagner-Museum, die Stadt Rothenburg sowie das Dokuzentrum am Nürnberger Reichsparteitag-Gelände in den vergangenen Tagen besucht. Auch mit ihrer Familie war sie davor schon einmal zum Urlaub im Schwarzwald gewesen. Israel sei hingegen ein noch sehr junges Land. Da müsse sich vieles noch etablieren, erklärt die 22-Jährige. 

„Fast wie zuhause“

Der Unterschied zwischen der deutschen und der israelischen Kultur? Bei den Konzerten gäbe es nicht so viele Unterschiede, sagt Lior Halili. Da kämen die Leute um ruhig zuzuhören, jedoch: „Insgesamt ist mir aufgefallen, dass wir in Israel viel lauter und energischer sind. In Bayreuth sind die Leute in den Straßen eher ruhig und zurückhaltend“, ergänzt sie und lacht. Am Festival Junger Künstler teilzunehmen, sei eine großartige Erfahrung für sie. „Die Menschen sind so lieb hier. Es fühlt sich schon fast wie zuhause an“.