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Flixbus-Unglück: Der Altenploser findet seinen Retter

Eine kurze Nachricht ploppt auf dem bt-Handy auf. „Ich habe ihn.“ Die Erleichterung ist in diesen drei Worten förmlich zu spüren. Zweieinhalb Wochen lang hat Alexander „Ali“ Engel nach dem Mann gesucht, der ihm am 19. Mai nach dem schweren Unfall bei Leipzig aus dem Flixbus geholfen hat. Das Bayreuther Tagblatt hatte als erstes berichtet. Jetzt hat „Ali“ den Mann gefunden.

Die Mutter des Mannes wird aufmerksam

Als „wahren Helden“ hat er den Unbekannten schon bezeichnet. Als einen der wichtigsten Menschen seines Lebens. Medien aus dem ganzen Bundesgebiet hatten seine Suche im Internet geteilt. Am Dienstag, dem 4. Juni, dann die Erlösung. Eine Frau meldet sich via Facebook bei „Ali“. Sie sagt, sie sei die Mutter des Gesuchten von Sitz 5A. Im Internet sei sie bei der Suche nach weiteren Informationen zum Flixbus-Unglück auf den Artikel des Bayreuther Tagblatt aufmerksam geworden. Kurze Zeit später meldet sich auch der Sohn, „Alis“ Sitznachbar im Flixbus – und sein Retter. Der Mann also, der sich bei dem Unglück selbst schwer verletzt hatte. Der Mann, der neben „Ali“ in den Scherben lag. Der Mann, der ihn – selbst blutüberströmt – abgeschnallt hatte, als der Altenploser hilflos und mit mehrfach gebrochenem Arm im zur Seite gekippten Bus baumelte.

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„Ali“ will auf Nummer sicher gehen, stellt dem Mann Fragen, die nur der beantworten kann, der zum Zeitpunkt des Unglücks tatsächlich neben ihm saß. Und der Mann erinnert sich. Daran, dass „Ali“ ihn bei Fahrtantritt gebeten hat, den Rucksack vom Sitz zu nehmen. Und daran, dass der Altenploser von Sitz 5B seine Kontaktlinsen aus den Augen nahm, bevor er vor sich hin döste. Das nächste Mal, als die beiden sich sahen, lagen sie in den Trümmern des Busses. Entsprechend wenig wissen sie voneinander.

„Ali“ Engel schildert seine Erinnerungen an das Unglück

Sein Retter liege noch immer in einem Krankenhaus in Berlin, erzählt „Ali“. Und anders als der Altenploser, der nach etlichen Brüchen am rechten Oberarmknochen und einer komplizierten Operation seit über einer Woche wieder bei seiner Frau und seinen zwei Kindern ist, habe der Gesuchte noch zwei Operationen vor sich. Schließlich sei die Schulter kompliziert gebrochen und im Gesicht hätten Aufprall und Scherben einen größeren Schaden verursacht. Telefonieren oder Nachrichten schreiben gehe gerade eher schlecht als recht. Entsprechend wenige Infos bekommt „Ali“ bei der ersten Kontaktaufnahme von seinem Retter.

Gefunden: Ein Musiker, Mitte 30

Nur soviel: Auf einem Bild sehe er in etwa genauso alt aus wie er, sagt der 33-jährige Altenploser. Und der Gesuchte sei Musiker. Ob er aus Berlin stamme und warum er sich damals in dem Flixbus von Berlin nach München befunden habe, das alles ist noch unklar. Und der Retter sagt, dass er nach „Ali“ noch einen anderen Bus-Insassen losgeschnallt habe. „Ali“ weiß, dass er den Unfall zwar, anders als eine Frau aus Italien, überlebt hat. Dass die Gefahr, als der Bus auf der Seite lag, aber noch keineswegs gebannt war. Panik sei in ihm aufgestiegen, sagt der Altenploser. Die Gedanken seien darum gekreist, dass ein nachfolgender Lastwagen den verunglückten Bus rammen könnte.

Jetzt will „Ali“ helfen

Jetzt will sich „Ali“ endlich bedanken. In ein paar Tagen, wenn es dem Retter besser geht, wollen die beiden Männer zum ersten Mal telefonieren. Wenn der Musiker seine Operationen überstanden hat, will „Ali“ ihn treffen. Bis es soweit ist, will er dem Mann helfen. „Ali“ hat in den zurückliegenden Tagen erfahren, wie zeitaufwendig und nervenaufreibend es ist, an das eigene Gepäck aus dem verunglückten Bus zu kommen. Das hat der Altenploser, der sich seit bald zwei Wochen darum bemüht, bis heute nicht erhalten. Jetzt will „Ali“ das nicht nur für sich, sondern für seinen verletzten Retter regeln.