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Biss in den Oberschenkel: Gemischte Bilanz zum Kronacher Freischießen 2026
Elf Tage lang war die Hofwiese wieder Kronachs Hauptbühne – jetzt zieht die Polizei Bilanz zum 436. Kronacher Freischießen. Und die fällt größtenteils positiv aus: Die Zahl der Körperverletzungsdelikte ist im Vergleich zum Vorjahr spürbar zurückgegangen. Ganz ohne Ärger ging die „5. Jahreszeit“ trotzdem nicht über die Bühne.
Vom 13. bis 23. August war Kronach im Ausnahmezustand: Schützenauszug, Kinderfestzug, Bieranstich und Feuerwerk zogen wieder Tausende Besucher aus der ganzen Region auf die Hofwiese. Die Kronacher Polizei blickt nach ihren ersten Auswertungen durchaus positiv auf den Verlauf zurück – vor allem, weil es deutlich weniger Schlägereien gab als im Jahr zuvor.
Weniger Gewalt als im Vorjahr
Bei zwei größeren Vorfällen musste die Polizei wegen Körperverletzung Anzeige erstatten. In einem Fall gerieten zwei Personen auf dem Festplatz zunächst verbal aneinander, ehe der Streit mit einem Schlag ins Gesicht beziehungsweise gegen die Schulter und mit Schubsen endete. Gegen beide Beteiligte wurde Anzeige erstattet.
In einem zweiten Fall stritten Festbesucher auf dem Heimweg. Ein 19-Jähriger schlug dabei seinen beiden Kontrahenten mehrmals ins Gesicht und verletzte eine 24-Jährige an der Nase. Mehrfach mussten zudem Besucher wegen Streitereien oder kleinerer Rangeleien des Festplatzes verwiesen werden, in einigen Fällen sprach der Sicherheitsdienst zusätzlich Hausverbote aus.
Im vergangenen Jahr sah die Bilanz deutlich schlechter aus: 2025 zählte die Polizei 14 Körperverletzungsanzeigen – mehr als in den Jahren davor. Der aktuelle Rückgang ist also durchaus eine gute Nachricht für die Veranstalter.
Widerstand am Autoscooter: Nacht in der Zelle
Der wohl heftigste Einzelfall ereignete sich im Bereich der Autoscooter. Ein 33-Jähriger geriet dort zunächst mit anderen Festbesuchern in Streit. Als ihn der Sicherheitsdienst gemeinsam mit einer Polizeistreife des Platzes verweisen wollte, leistete er erheblichen Widerstand und griff die Beamten an – unter anderem biss er einem Polizisten in den Oberschenkel. Der Mann musste die Nacht in der Zelle der Dienststelle verbringen.
Falschparker, Blechschäden und Kontrollen im Straßenverkehr
Rund um den Festplatz hatte die Polizei auch mit dem ruhenden Verkehr zu tun: Zahlreiche Autofahrer wurden gebührenpflichtig verwarnt, weil sie Halteverbotsschilder missachteten, im Grünstreifen oder auf Bushaltestellen parkten. Im Bereich Seelacher Berg, Güterstraße und Klosterstraße beschädigten unbekannte Fahrzeugführer mehrere geparkte Autos von Festbesuchern. In einem Fall touchierte ein Unbekannter beim Wenden in einer Hofeinfahrt sogar eine Hauswand.
Drei Festbesucher wurden alkoholisiert beziehungsweise unter Drogeneinfluss am Steuer, auf dem Zweirad oder E-Scooter kontrolliert. Am ersten Wochenende erwischte die Polizei zudem mehrere Heimkehrer mit teils gefüllten Bierkrügen im Gepäck – die Folge waren Anzeigen wegen Diebstahls, denn das Mitnehmen der Krüge gilt trotz gezahltem Pfand außerhalb des Geländes als Straftat.
Diebstähle und Fundsachen
Auch abseits der Rangeleien hatten es Kriminelle auf Wertsachen abgesehen: Einer Festbesucherin wurde der Geldbeutel aus der Handtasche gestohlen, einem Radfahrer der Sattel vom Rad, das in der Alten Ludwigsstädter Straße abgestellt war.
Bei den Fundsachen zog die Dienststelle eine ungewöhnlich lange Liste: Zehnmal gaben ehrliche Finder Gegenstände wie Autoschlüssel, Mobiltelefone, Ausweisdokumente, ein Hörgerät oder Geldbeutel ab. Dem gegenüber steht nur eine bearbeitete Verlustanzeige.
Was die Zahlen über das Freischießen 2026 sagen
Das Kronacher Freischießen geht auf das Jahr 1588 zurück und gilt als das größte Volksfest des Frankenwaldes – Kronacher nennen die Festzeit auch liebevoll die „5. Jahreszeit“. Bei einem Fest dieser Größenordnung ist ein gewisses Maß an Polizeieinsätzen kaum zu vermeiden – die Frage ist eher, in welche Richtung sich der Trend entwickelt.
Und hier zeigt sich: Nach der Zunahme im Jahr 2025 pendelt sich die Zahl der Körperverletzungsdelikte 2026 wieder auf ein niedrigeres Niveau ein, ähnlich wie es die Polizei bereits 2024 als „Ausnahmejahr“ mit nur drei Delikten vermeldet hatte. Dass Auseinandersetzungen beim Freischießen längst nicht das Ausmaß erreichen wie andernorts im Landkreis, zeigt auch ein Blick auf andere Vorfälle des Jahres – etwa den gewaltsamen Angriff mit einem Stuhl in einer Kronacher Spielothek, bei dem die Kriminalpolizei wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelte.
Häufige Fragen
Wann fand das Kronacher Freischießen 2026 statt?
Das 436. Kronacher Freischießen wurde vom 13. bis 23. August 2026 auf der Hofwiese gefeiert.
Wie viele Körperverletzungsdelikte gab es beim Freischießen 2026?
Die Polizei registrierte im Zusammenhang mit dem Fest mehrere Körperverletzungsdelikte, unter anderem zwei größere Auseinandersetzungen mit Anzeigen. Im Vergleich zum Vorjahr mit 14 Anzeigen ist das ein deutlicher Rückgang.
Musste jemand in Gewahrsam genommen werden?
Ja. Ein 33-Jähriger leistete am Autoscooter Widerstand gegen Sicherheitsdienst und Polizei und biss dabei einen Beamten in den Oberschenkel. Er verbrachte die Nacht in der Zelle der Dienststelle.
Wie viele Fundsachen wurden abgegeben?
Die Polizei nahm zehn Fundsachen entgegen, darunter Autoschlüssel, Mobiltelefone, Ausweisdokumente, ein Hörgerät und Geldbeutel. Nur eine Verlustanzeige wurde bearbeitet.
Warum gilt das Mitnehmen von Bierkrügen als Diebstahl?
Auch wenn Besucher für den Bierkrug ein Pfand bezahlt haben, gilt das Mitnehmen außerhalb des Festgeländes rechtlich als Diebstahl. Mehrere Heimkehrer wurden deshalb am ersten Wochenende angezeigt.












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