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Fridays for Future: Zwischen Weltretten und Heuchelei

Am GMG haben die beiden gemeinsam die Schulbank gedrückt. In der Freizeit waren sie unzertrennlich. Schule geschwänzt haben sie auch, ums Klima ging es dabei aber nie. Die Berufe die sie ergriffen und die Erfahrungen die sie gesammelt haben, lassen die 36-Jährigen heute unterschiedlich auf die Welt blicken. Der eine ist Journalist geworden und dass Schüler fürs Klima streiken, findet er ohne Einschränkungen gut. Der andere ist heute Lehrer und sagt: „Ich hasse diese Heuchelei.“ Ein Streitgespräch:

Die jungen Leute merzen aus, was die Generationen vor ihnen in den Sand gesetzt haben. Ihnen jetzt vorschreiben zu wollen, dass sie das in ihrer Freizeit zu tun haben oder andernfalls ihre Glaubwürdigkeit in Abrede zu stellen ist doch lächerlich.

Simple Frage: Wie genau sieht denn das „ausmerzen“ aus?

Simple Antwort: Sie erheben ihre Stimme und machen Druck. Und sehr viele davon leben deutlich nachhaltiger, als wir es je getan haben.

Druck worauf? Wer fühlt sich denn unter Druck gesetzt? Und lass uns aufhören so zu tun, dass die Kids das Demonstrieren erfunden haben. Demos für Umweltschutz gab es immer. Und welche Generation hat denn durch Forschung überhaupt den Klimawandel begreifbar gemacht? Wenn das Engagement für die Umwelt so aussieht, dass man sich auf die Straße stellt und laut ist, dann ist es für mich ganz einfach die Methode Pegida. Machen wir uns nichts vor. Die meisten Demonstranten werden sich auch beruflich für den Kapitalismus entscheiden. Durch ihre Müllspuren rund um die Schnellrestaurants zeigen sie doch schon, was ihnen Nachhaltigkeit bedeutet.

 Ich sehe, dass da Leute für eine gute Sache kämpfen und finde es gut. Du siehst, dass da Müll liegt und findest es schlecht. Insofern kehrst auch du alle über einen Kamm, nur weil da ein paar Irrläufer dabei sind. Eins kannst du aber nicht machen: alles was demonstriert mit Pegida vergleichen. Die habens mit Sicherheit nicht erfunden. Genauso wenig wie die, die hier über Schulschwänzer schimpfen sich in der Vergangenheit an der Erforschung des Klimas beteiligt haben.

Was ich hasse, ist Heuchelei und der Hype. Methode Pegida geht für mich so: Mir passt was nicht, ich gehe auf die Straße und fordere etwas, ohne jeglichen Lösungsansatz. Bisher ist Fridays for Future nichts anderes. Bei uns sieht das so aus: Samstagabend: saufende, grillende Schüler. Sonntagmorgen: aufräumende, depperte Erwachsene. Von Fridays for Future keine Spur! Was ich sagen will: Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, die junge Generation würden nachhaltiger leben. Die andere Sache ist, dass tun viel besser ist als sagen. Wie wärs, wenn die Schüler zum Zeichen ihres Protests einfach mal jeden Freitag mit dem Bus fahren würden? Damit würde ganz sicher jedes Mal ein Chaos entstehen. Erst so würde Druck auf die Politik ausgeübt werden. Aber ist wohl keine gute Idee, denn da müsste man ja früher aufstehen.

Welchen Lösungsansatz präsentieren denn Gewerkschafter, wenn sie auf die Straße gehen? Sie fordern mehr Geld, aber wo das herkommt, ist ihnen einerlei. Oder Frauenrechtler, Tierschützer, sie alle gehen auf die Straße, weil sie etwas geändert wissen wollen das ihnen nicht passt. Ich glaube nicht, dass es an den Demonstranten ist, der Politik Lösungen zu präsentieren. Das ist nicht deren Job. Aber ich glaube sehr wohl, dass Teile dieser Generation anders leben und arbeiten werden als wir. Bewusster, nachhaltiger. Ihnen bleibt am Ende auch gar nichts anderes übrig. Beweisen kann ich das heute noch nicht. Dass sich keiner der Aktivisten an irgendwelchen Aufräumaktionen beteilig, halte ich für eine gewagte These. In einem gebe ich dir aber Recht: Sie könnten sowas natürlich auch unter Flagge der Fridays for Future-Bewegung tun. Vielleicht kommt das ja noch. Solange müssen die Demos aber in der Unterrichtszeit stattfinden, weil sie damit größtmögliche mediale Aufmerksamkeit erregen. So wird die Politik nicht mehr lange so tun können, als gehe sie die Sache nichts an. Das ist Druck.

Ich will ja auf keinen Fall das Demonstrationsrecht absprechen. Und es ist völlig egal, ob unter der Fridays for Future-, Greenpeace- oder gar keiner Flagge aufgeräumt wird. Symbolik und Show interessiert mich nicht. Ich bin bloß entschieden dagegen, dass am Freitag demonstriert wird und Samstag bis Donnerstag auf die Umwelt ein Dreck gegeben wird. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das Mittel der Demonstration jetzt noch angebracht ist. Ich denke, dass allen das Problem klar geworden ist. Handlung wäre das Gebot der Stunde. Gerne auch zuhause im Kleinen, wenn es um die Urlaubs- oder Einkaufsplanung geht. Helfen wird doch erst richtig interessant, wenn es einem selbst weh tut.

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