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TV-Kritik: Lieber Hölle als Game of Clones

Game of Clones heißt die neueste dem Privatsender RTL II entsprungene Sendung. Wobei man offensichtlich – Wink mit dem Zaunpfahl – eine Verbindung zu der Ausnahmeserie „Game of Thrones“ herstellen möchte. Warum, das bleibt offen.

Eine Woche nach ihrer erstmaligen Ausstrahlung wurde die Sendung auf schon wieder abgesetzt. Der Grund: miserable Einschaltquoten und die wenigen Zuschauer waren auch noch maximal entsetzt. Klingt alles schon sehr mies, geht aber noch mieser.

Supertyp entwirft Frauen am PC

Die perfekte Partnerin oder der perfekte Partner werden virtuell erstellt, quasi Dating 3.0. Und der Supertyp Marcel in dieser Folge darf sich erstmal seine Traumfrau zusammen basteln, die Brüste natürlich etwas größer, ist ja klar. Sechs Klone werden daraufhin gesucht, was bedeutet, sechs Frauen, die sich irgendwie ähnlich sehen und in das selbe Outfit gesteckt werden, wohnen vier Tage lang mit Marcel zusammen und er „testet“ sie. Soweit, so schrecklich. Erstmal kurz zu Marcel. Marcel ist 26 Jahre alt, seit sechs Jahren Single und geht fünfmal die Woche ins Fitnessstudio. Und, achso, ja, er ist sehr ordentlich. Traumtyp halt, ne. Marcel möchte jetzt also endlich mal wieder eine Partnerin haben. Und statt im real life loszuziehen, dem Leben seinen Lauf zu lassen oder Tinder zu verwenden, also Dating 2.0, geht man direkt einen Schritt weiter und erstellt seinen persönlichen Avatar. Traumfrau aus der Klonfabrik also.

Was jeden Normalsterblichen eigentlich veranlassen sollte, schreiend davon zu rennen, klingt hier wie eine super Idee. Und so ist Marcel nach eigener Aussage „im Paradies“ gelandet. Für andere klingt das eher nach der Hölle, dem Fegefeuer, was auch immer, auf jeden Fall nach einem verdammt ungemütlichen Ort. Von #metoo hat hier übrigens auch noch niemand was gehört.

Exotische Hammerfrauen

Schlank, lange Haare, Duckface, große Brüste, knackiger Apfelpopo und Kleidung mit viel Ausschnitt, so soll sie aussehen. Oder wie RTL II es ausdrückt: eine schwarzhaarige, exotische Hammerfrau. So weit, so sexistisch.

Die sechs Frauen sind – surprise, surprise – natürlich hin und weg vom Traumtypen Marcel. Der kontinuierlich weiter von Klonen spricht, auch nachdem er Mila, Marilena, Nathalie, Fabian, Isabel und Susanne persönlich kennengelernt hat. Individualität wird hier kleingeschrieben. Aber es soll ja um die inneren Werte gehen, ist klar. In Minute eins mit Fabiana will „Mister LoverLover“ direkt rumknutschen, diese gibt ihn aber einen Korb. Autsch, der „Klon“ hat wohl doch einen eigenen Kopf. Überraschung!

Es wird Abend und das bedeutet, „ein Klon wird aussortiert“. Zum Glück geht das ja so einfach, mal kurz den Computer checken um sich zu erinnern, wer jetzt nochmal wer ist.  Und dann überlegen, wessen „inneren Werte“ jetzt nicht ganz so toll zum bestimmt sehr tiefgründigen Marcel passen. „Alles steht und fällt allein mit der Persönlichkeit“, sagt auch RTL II aus dem Off.

Kein Kuss, keine Chance

Fabiana, die sich zuvor eines Kusses verweigert hat, ist Wackelkandidatin Nummer zwei. Marcel gibt den zwei Wackelkandidatinnen dann eine letzte Chance ihn zu überzeugen. Und das zu dritt. Und ja, Fabiana sitzt tatsächlich hier, weil sie ihn nicht geküsst hat. Für Marcel ist das ein Zeichen, dass sie ihn nicht so mag. Ist klar, nach einer Minute kennen lernen und nicht sofort über einander herfallen, schon ein echt komisches Zeichen.

Am nächsten Tag ist, völlig überraschend für den Ich-geh-fünfmal-die-Woche-ins-Fitnessstudio-Marcel, Fitnessstudio angesagt. Während die verbliebenen Frauen sich auf dem Laufband abrackern, stellt Marcel Fragen. Weil Intelligenz ihm sehr wichtig ist. Achso, noch gar nicht bemerkt, aber okay. Wer die Fragen falsch beantwortet, bei dem wird das Laufband schneller. Frage: „Bei welcher außergewöhnlichen Sexstellung sitzt die Frau mit nach außen gestreckten Beinen auf ihrem Partner?“oder „Was ist die gängigste Entschuldigung keinen Sex haben zu wollen?“ Quasi die normalen Fragen eines IQ-Tests. Am Ende gewinnt, wer es am längsten auf dem Laufband aushält. Jetzt wegen Intelligenz oder Fitness? Völlig egal.

Im Whirlpool dann Eifersuchtsalarm hoch tausend. Aber natürlich greift man sich gegenseitig an, statt gemeinsam Marcel in den Arsch zu treten. Aber das wäre dann ja auch eine ganz andere Show und vermutlich würde sie dann nicht auf RTL II laufen.

Frag nicht so blöd!

Und ab geht es in den finalen Tag! Wer gewinnt? Die Spannung könnte kaum größer sein. Die zwei Finalistinnen entführen Marcel zu einem Date. Fabiana wartet mit einem Picknick auf der Eislaufanlage auf und beeindruckt damit Marcel, der wiederholt in dieser Sendung fragt: „Darf ich dich küssen“. Tu es oder tu es nicht, Marcel! Aber frag nicht so blöd!

Jetzt hat auch Tanja nur noch one shot, one opportunity und bucht dafür eine heiße Salzgrotte mit Kerzenlicht. Und dann geht es los mit der Pomassagen, wilder Knutscherei und überzeugenden Einsatz. Aber wer ist es nun, Tanja oder Fabiana? Schlussendlich entscheidet er sich für Fabiana.

Mein Beileid, liebe Fabiana, du scheinst eigentlich ganz nett zu sein. Nun sollen sie halt glücklich werden, zumindest bis das Licht im Studio ausgeht und Game of Clones dort landet, wo es verdienterweise hingehört: im digitalen Abfall. Und auf dem Sendeplatz am Donnerstagabend läuft künftig wieder Frauentausch.