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Gemeinde vor Gericht: Danke, Chef!

Kuriose Szenen vor dem Bayreuther Arbeitsgericht. Das Tischtuch zwischen einer Gemeinde und ihrem früheren Verwaltungsleiter ist zerschnitten. Der Richter verlangt dennoch ein wohlwollendes Arbeitszeugnis und ein Zeichen des Bedauerns. Damit tun sich die Gemeinderäte aber spürbar schwer.

Der Bürgermeister war der erste, der im Ahorntal ging. Im dortigen Rathaus haben in den vergangenen Wochen einige Funktionsträger ihre Posten geräumt – oder räumen müssen. So beschloss der Gemeinderat erst, den neuen Verwaltungsleiter nicht über die Probezeit hinaus zu beschäftigen, woraufhin auch die stellvertretenden Bürgermeister Nummer eins und zwei das Handtuch warfen. Über Nacht stand die Gemeinde ohne Führung da, das Landratsamt musste einspringen – ein bisher einmaliger Vorgang im Kreis.

Der Mann will Geld, die Gemeinde fragt wofür

Zumindest eine Personalie, nämlich die des Ex-Verwaltungsleiters, hat jetzt vor dem Bayreuther Arbeitsgericht ein Nachspiel. Denn der Mann hätte für seinen frühen Abgang gerne eine finanzielle Entschädigung. Er ist der Meinung, dass die Probezeit längst um gewesen sei, als man ihn feuerte. Weil sie kurz zuvor verkürzt worden sei. Davon allerdings will man in der Gemeinde nichts wissen. Zwar gebe es ein Papier, auf dem von einer kürzeren Probezeit die Rede sei, nur fehle unter dem die Unterschrift des damaligen Bürgermeisters.

Das Arbeits- und Sozialgericht in Bayreuth. Foto: Thorsten Gütling

Vor dem Arbeitsgericht Bayreuth ist dann auch von „Verwirrungen und Verwicklungen“ im Rathaus die Rede, von einem Umgang, der von oben herab statt auf Augenhöhe stattgefunden habe, aber auch davon, dass ein Mitarbeiter dem Ex-Chef schon mal aufgezählt habe, was ihn alles nichts angehe.

Über der neuen Straße baumeln die alten Kabel

Ein erster Schlichtungsversuch ist gescheitert. Die Gemeinde soll zu wenig Geld geboten haben. Geld will die Gemeinde eigentlich auch gar keines zahlen. „Die Forderung entzieht sich all meiner Vernunft und meinem Gerechtigkeitssinn“, sagt der derzeitige stellvertretende Rathauschef, Johannes Knauer. So recht zufrieden will man mit der Arbeit des Ex-Verwaltungschefs nämlich auch nicht gewesen sein. Wer lasse schon eine Straße ausbauen, über der die alte Stromverkabelung danach weiter von den Masten baumle. Solche Planungsfehler könne man unmöglich dem Bürgermeister in die Schuhe schieben, das müsste ein Verwaltungsleiter wissen. „Irgendwann ist das Fass eben voll“, sagt Knauer. Schließlich habe man dem Mann sogar schon Urlaub ausgezahlt, den er aus seiner früheren Tätigkeit in einer anderen Gemeinde mit nach Ahorntal gebracht habe.

Das Arbeits- und Sozialgericht in Bayreuth. Foto: Thorsten Gütling

Von seinen Ansprüchen zurücktreten will der Ex-Verwaltungsleiter aber auch nicht. Über seinen Anwalt lässt er ausrichten, dass es ihm weniger um Geld an sich, sondern vielmehr um ein Zeichen der Wertschätzung und des Dankes gehe. Das wiederum ließe sich doch ändern, findet der Richter.

Ein Abgang, der bedauert werden will

Auf seinen Vorschlag hin, einigt man sich schließlich auf ein wohlwollendes Arbeitszeugnis. In dem soll explizit niedergeschrieben werden, dass die Gemeinde Ahorntal den Weggang des Ex-Verwaltungsleiters bedaure. Und, dass man ihm für seine Arbeit danke.

Unter den Zuhörern im Saal sitzen einige Gemeinderäte, die sich mit dieser Entscheidung spürbar schwer tun. In ihrer nächsten Sitzung wollen sie darüber entscheiden, ob sie sich dazu durchringen können.