Freizeit

Gessn werd dahaam: Hier gibt’s die besten Gurken der Welt

In Folge 11 erzählt Christoph Scholz von Kolbs Bauernladen und den besten Gurken der Welt.


Christoph Scholz. Foto: Rainer Kurzeder

Christoph Scholz ist 45 Jahre alt und Familienvater. Sein Geld verdient er als Projektleiter bei Semmel Concerts. Privat beschäftigt er sich gerne mit den Themen Essen, Trinken, Kochen, Gastronomie und Hotellerie.

Für das Bayreuther Tagblatt begibt sich Scholz auf die Suche nach den besten regionalen Produkten und berichtet in seiner Kolumne „Gessn werd dahaam!“ alle 14 Tage exklusiv über seine Erlebnisse und Erfahrungen.

 

 

 


Saure-Gurken-Zeit in Bayreuth? Von wegen!

Im August herrscht vielerorts traditionell Saure-Gurken-Zeit, nur nicht hier bei uns in Bayreuth, denn unser liebenswertes Städtchen wird alljährlich in diesem sonst ja etwas trägen Monat zum Mekka für Wagnerfans. Waren Sie schon im Festspielpark, wo die Londoner Drag Queen Le Gateau Chocolat jeweils nach dem ersten Tannhäuser-Akt eine kleine Revue aufführt?

Darüber hat das Tagblatt schon berichtet, aber ich erwähne es hier, weil dieser Künstlername aus dem Französischen übersetzt wohl soviel wie „Schokoladenkuchen“ heißt. Ich hoffe, ich kann den am WWG erworbene Französischkünsten meines Sohnes Maximilian vertrauen. In den nächsten Tagen besuche ich die Schustermühle in Kemnath für diese Kolumne; ob ich statt einer Victoria-Torte, wegen Victoria-und-Albert-Jubiläum in Coburg, lieber eine Schokotorte für „Gessn werd dahaam“ backen sollte?

Obwohl also bei uns in Bayreuth zum Glück keine Saure-Gurken-Zeit herrscht, wird diese
11. Folge von „Gessn werd dahaam“ von ebenjenen sauren Gurken handeln.

Vor einigen Monaten folgten meine Frau und ich der Einladung einer Politikerdelegation ins runderneuerte Schloss Emtmannsberg. Wir lauschten den Vorträgen der Gemeindevertreter, erfuhren spannende Details über die Sanierung und das Engagement der Bürgergemeinschaft, die den Dorfladen trägt. Klare Sache, dass Shopping im Dorfladen auch zu unserem Besuchsprogramm gehörte. Da standen wir so zwischen den Regalen, plauderten, begutachten die Waren, das eine oder andere Produkt wanderte in unsere Einkaufskörbe. Neben uns stand die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, die, als sie zu einem Konservenglas griff, zu meiner Frau hinüberlächelte: „Kennen Sie die besten Gurken der Welt?“

Gurken aus dem Würzburger Raum. Foto: Christoph Scholz

Unsere Blicke trafen sich, wir mussten herzlich lachen. Selbstverständlich kannten wir die besten Gurken der Welt! Sie werden in Mosing eingelegt, wo Familie Kolb seit 1681 eine große Landwirtschaft betreibt. Einige Monate später stehe ich neben Chefin Susanne Kolb, in deren Betrieb für sechs Wochen im Juli und August tatsächlich so etwas wie Saure-Gurken-Zeit herrscht, denn es werden etwa 30.000 Gläser mit Gurken, die aus der Gegend um Würzburg kommen, befüllt.

Saure Gurken nach Familienrezept

Das Rezept geht auf Susanne Kolbs Schwiegermutter zurück. Ich kann Karotten, Zwiebeln, Dill, Senfkörner und Nelken erkennen, die weiteren Gewürze sind ein Familiengeheimnis. Ich frage, warum die Kolbschen Gurken so außergewöhnlich knackig sind: „Das macht die Erfahrung meines Mannes Dieter, der fürs Einkochen zuständig ist, was Temperatur und Dauer des Vorgangs betrifft.“

Susanne Kolb beim Einlegen der Gurken. Foto: Christoph Scholz

Seit über 25 Jahren betreiben die Kolbs ihren Bauernladen, mehrfach erweiterten sie ihr Geschäft und auch das Sortiment wuchs mit: Neben den weltbesten Gurken gibt es eingelegte Paprika, Rote Bete, Karotten und eingelegten Sellerie. Ein Metzger verarbeitet die eigenen Schweine und Rinder zu Fleisch- und Wurstwaren. Von ihnen persönlich bekannten Bauern und Gärtnern beziehen die Kolbs alles, was sie nicht selbst anbauen. Für den Ladenverkauf kommt ein guter Wein aus Rheinhessen.

Mit dem Verkauf von Eiern in der Küche begann das Projekt Bauernladen. Mittlerweile kümmern sich die Kolbs, ihr Sohn Daniel und die Schwiegereltern, die bereits in ihren Achtzigern sind, um dreitausend Hühner.

Schnitzelgarnitur mal anders

Eier und Gurken passen perfekt zum Schnitzel. Foto: Christoph Scholz

Eier und Gurken aus Kolbs Bauernladen gehören auch in meine Version einer Schnitzelgarnitur nach einem Rezept von Jamie Oliver, das ich Ihnen heute vorstellen möchte. Wenn Sie das nächste Mal Schnitzel zubereiten, probieren Sie es doch mal aus.

Dazu würfeln Sie zwei, drei Kolb-Gurken und eine Zwiebel. Hacken Sie eine gute Handvoll Petersilie mitsamt der Stängel. Zwei hartgekochte und kleingehackte Kolb-Eier mit diesen Zutaten behutsam vermischen, ein paar kleine Kapern runden das Ganze ab.

Die Eier ersetzen gehackte Sardellenfilets, die Jamie Oliver in seinem Rezept eigentlich vorsieht (mir schmecken Sardellenfilets nicht). Der Geschmack dieser Garnitur erinnert mich an die Schnitzel meiner Oma aus Kindheitstagen. Lange Jahre hatte ich die Möglichkeit, Schnitzel zu garnieren, vergessen und erst 2014 erschienen Kochbuch „Jamies Wohlfühlküche“ wiederentdeckt. Diese Garnitur passt übrigens auch sehr gut zu Spargel.

Am 21. August lesen wir uns wieder. Dann stelle ich Ihnen den Kieferorthopäden und Imker
Dr. Wolfgang Au aus der Saas vor.


Die bisherigen Teile der Serie