Glosse: Happy Birthday, Internet!

Peter Krügel. Foto: Thorsten Gütling

Peter Krügel (44) ist seit fast 20 Jahren Webentwickler. Da es auf seinem Arbeitsweg mittlerweile fast täglich Stau gibt hat er  genug Zeit, sich über Gott und die Welt Gedanken zu machen. Diesmal bewegt Krügel die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Ende von Monthy Python und der Erfindung des modernen Internet gibt..

 

 

Manchmal wird mir bewusst, dass ich etwas in die Tage gekommen bin. Es gibt erwachsene Menschen die weder Monthy Python noch eine Zeit ohne Internet kennen. Ich frage mich manchmal ob es da einen Zusammenhang gibt.

Immerhin lief der Flying Circus in meinen Jugendjahren noch regelmäßig im Fernsehen und man hatte ja oft genug Zeit sich davon unterhalten zu lassen anstatt im Netz zu surfen und sich Katzenbilder anzusehen – nichts gegen Katzenbilder.

Vielleicht musste einfach eine neue Unterhaltungsform her nachdem die Pythons sich 1983 aufeglöst haben.

Mit dieser Frage können sich einstmals die Historiker herumschlagen, die über unsere eigenartige Zeit urteilen werden. Was das Internet angeht, dem heute zum 30. Geburtstag gratuliert wird,  gibt es folgendes zu berichten:

Es war einmal eine Zeit in der man Telefonbücher benutzte, Mobiltelefone fast ein Kilo wogen und in der Jacken- oder Hosentasche eine eher eigentümliche Figur machten. Das allerdings war nicht so schlimm, denn die Dinger waren so teuer, dass man ja nicht selten seinen eigenen Telekommunikationsexperten hatte, der das unhandliche Mobilteil hinter einem herschleppte. Handyschlepper waren übrigens kein Teil des Lieferumfangs.

Dokumente schickte man mit dem Fax herum und Dienste wie Videotext und das bereits interaktive BTX entlockten der breiten Masse kein begeistertes Jauchzen sondern eher ein friedliches Gähnen. Im Arpanet tummelten sich ein paar Akademiker und auch das Usenet war nicht für die breite Öffentlichkeit interessant. Warum auch? Man konnte ja nicht mal „googlen“ was das alles sein sollte.

Doch dann kam der 12. März 1989 – ja das ist die Stelle an der Sie gedanklich einen Engelschor und sachte Harfenklänge einspelen können – und der damals junge Wissenschaftler Tim Berners-Lee stellte einen gerade mal 20-Seitigen Aufsatz vor.

Auf diesen wenigen Seiten umriss er eine Lösung, um aus den verschiedenen, voneinander getrennten Netzen ein Netz zu machen in dem die Verschiedenen Inhalte miteinander verlinkt sind.

Zweifellos hat sich die Welt seither enorm verändert. Neue Freiheiten und Zwänge bewegen uns. Katzenbilder soweit das Auge reicht und Filterblasen, die das eigene Weltbild , und sei es auch noch so exotisch, bestätigen. Obwohl manches auch ein wenig unheimlich ist, verbessert das Internet häufig unsere Lebensqualität.

Wissen Sie beispielsweise nicht wo Sie letzten Mittwoch waren? Fragen Sie doch einfach mal Google, wenn Sie ihre Standortdatenübermittlung nicht deaktiviert haben stehen die Cancen gut, dass sie eine brauchbare Antwort bekommen.

Auch bezüglich Ihrer Einkaufswünsche wissen Alexa und Co. aufgrund Ihrer bisherigen Suchanfragen und Einkäufe nicht selten mehr als Sie.

Handel, Kommunikation, Bildung, Liebe, Freude und Unterhaltung sind so nah wie Betrug, Überwachung, Hass und Vereinsamung. Das Netz ist halt ein Spiegel unserer selbst und daher ein wenig schräg.

Liebes Internet, du kannst nichts für das, was wir aus dir machen und Katzenbilder sind ja wirklich niedlich. Alles Gute zum Geburtstag.

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