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HaWaWi: Das Stadion, das es doppelt gibt

bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller hat herausgefunden, warum das Hans Walter Wild-Stadion in Bayreuth aussieht, wie es aussieht. Weil ein früherer Leiter des Bayreuther Sportamts nämlich die prägnante Tribüne an einem anderen Ort der Welt entdeckt hatte – und ein Oberbürgermeister sie in Bayreuth einfach nachbauen ließ. Wo das Zwillingsstadion steht? Hier ist Müllers Geschichte:

Also, Herr Kreitmeier, auf geht’s! Dann fahren Sie da mal hin und schauen Sie sich die Tribüne an. Und nehmen Sie gleich jemand vom Bauamt mit!

So oder so ähnlich könnte der Auftrag von Oberbürgermeister Hans Walter Wild gelautet haben, als ihm sein Sportamtsleiter Manfred Kreitmeier berichtete, dass er eine geeignete Tribüne für das neue Städtische Stadion gefunden hat.

Ein Stadion musste her

Nachdem schon länger fest stand, dass sich die SpVgg Bayreuth für die im Jahr 1974 neu gegründete zweigeteilte 2. Bundesliga qualifizieren würde, war klar, dass die Altstädter ihr Sportgelände auf der Jakobshöhe verlassen mussten. Es musste ein Stadion mit den technischen Voraussetzungen für die Lizenz des Deutschen Fußball-Bundes errichtet werden.

Im Jahr 1967 wurde bereits das Städtische Stadion mit einer 400-Meter-Laufbahn auf dem Gelände des ehemaligen Tuspo Bayreuth, der sich mit dem VfB Bayreuth zusammentat und zum BSV 98 Bayreuth fusionierte, geschaffen. Nun fehlte eine überdachte Tribüne für mindestens 3.000 Zuschauer, mit Gaststätte, Umkleidekabinen und Funktionsräumen. In Kopenhagen, so hatten Kreitmeiers Recherchen ergeben, stand eine geeignete Tribüne, die – etwas kürzer – ideal für das Bayreuth Stadion war. In dem Stadion spielt heute noch der dänische Zweitligist Vanløse IF. Der 1921 gegründete Verein spielte sogar zwei Jahre in der höchsten dänischen Spielklasse. Am Ende der Saison 1975 belegte „VIF“ dort sogar den 8. Platz. Bereits ein Jahr später musste der Club aber als Tabellenletzter absteigen. Vanløse ist im Übrigen ein Stadtteil von Kopenhagen und das Stadion nennt sich Idrætspark.

Das Stadion des dänischen Zweitligisten Vanløse IF ist das architektonische Vorbild des Bayreuther Hans Walter Wild-Stadions. Foto: Jens Meinecke
Verblüffende Ähnlichkeit: So sieht das Bayreuther Stadion von hinten aus. Foto: Stephan Müller

So reiste also eine Delegation unter der Führung des Sportamtsleiters nach Dänemark, um die Tribüne zu besichtigen und erste Gespräche bezüglich der Lizenzen zu führen. Es waren erfolgreiche Verhandlungen wie wir wissen.

Das Hans Walter Wild-Stadion in Bayreuth. Foto: Stephan Müller

Spektakuläre Neuverpflichtung zum Auftakt

Am  3. August 1974 bestritt die Mannschaft der SpVgg Bayreuth im ersten Heimspiel der neu gegründeten 2. Bundesliga Süd ihr erstes Pflichtspiel im neu gebauten Städtischen Stadion. Gleich zu Saisonbeginn wartete das Präsidium mit Hilfe eines Gönnerkreises mit einer spektakulären Neuverpflichtung auf. Das Gerücht, das der österreichische Torschützenkönig Wolfgang „Bobby“ Breuer von Wacker Innsbruck zur SpVgg Bayreuth wechseln sollte, verbreitete sich in Windeseile. Das erste Spiel vor Rekordkulisse fand gegen gegen den 1. FC Nürnberg statt. 14.500 Zuschauer sahen einen 3:1-Sieg der Bayreuther.

In den nächsten Jahren sollte das Stadion am Ellrodtweg Austragungsort zahlreicher Fußballfeste werden.

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Übrigens: Stadien wie das Hans Walter Wild-Stadion gibt es in Dänemark sogar noch häufiger. Ein sehr ähnliches steht auch in dem Städtchen Hvidovre. Auch die dänischen Vereine BK Frem 1886 und BK Fremad Valby, beide wie Vanløse aus der Hauptstadt Kopenhagen, spielen in Stadien, deren Tribünen der des „HaWaWi“ sehr ähnlich sind.


Text: Stephan Müller


Stephan Müller

Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

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