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Hitzige Debatte: Keine Zuschüsse mehr für Homöopathie?

Etwa zwei Drittel der Patienten in Deutschland vertrauen auf homöopathische Medizin. Doch in der Politik mehren sich die Stimmen diese nicht mehr zu erstatten. bt-Redakteurin Carolin Richter hat mit einem Bayreuther Apotheker und einer lokal ansässigen Krankenkasse gesprochen.

Mehr Frauen als Männer

Laut einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach, nehmen etwa zwei Drittel der befragten Deutschen homöopathische Arzneimittel. Darunter waren anteilig deutlich mehr Frauen als Männer zu verzeichnen. In Deutschland sind sie kein fester Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen. Allerdings erstatten viele Kassen trotzdem Behandlungskosten für Naturheilverfahren, um sich attraktiver zu präsentieren.

Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Studie, die die Wirksamkeit von homöopathischer Medizin belegt. Wenn man sieht, dass andere Arzneimittel, bei denen die Wirksamkeit bestätigt ist, dagegen nicht flächendeckend erstattet werden, sollte man das Erstattungssystem schon insgesamt hinterfragen.

(Dr. Jens Landwehr, Geschäftsführer Rathausapotheke Bayreuth)

Kassenerstattung in Frankreich gestrichen

In Frankreich sollen homöopathische Arzneimittel ab 2021 nicht mehr von der Kasse erstattet werden, wie das französische Gesundheitsministerium mitteilte. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, begrüßt die Entscheidung Frankreichs und möchte Gleiches in Deutschland erreichen. Belege für die Wirksamkeit von homöopathischen Verfahren gäbe es nicht. Er forderte die Kassen dazu auf, ihre finanziellen Mittel stattdessen in die ambulante Versorgung zu stecken.

Wie die Kostenübernahme bisher erfolgt

Homöopathische Behandlungen werden aktuell von der gesetzlichen Krankenkasse nicht automatisch erstattet. Jedoch gibt es einige Kassen, die mit dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte kooperieren: Innerhalb von Sonderverträgen wird dann eine Kostenübernahme für homöopathische Mittel ermöglicht.

Homöopathische Mittel als Ergänzung

Die AOK Bayern übernimmt beispielsweise die Kosten, wenn die homöopathischen Arzneimittel ergänzend zur Schulmedizin verwendet werden:

Auf Basis von § 11 Abs. 6 SGB V haben die Krankenkassen die Möglichkeit, ihren Versicherten zusätzliche Satzungsleistungen anzubieten. In diesem Rahmen erstatten wir Versicherten 80 Prozent der Kosten für homöopathische Arzneimittel bis maximal 30 Euro pro Jahr.

Ob das im Einzelfall therapeutisch sinnvoll ist, entscheidet der Arzt – wir erstatten nur, wenn ein Rezept von einem Vertragsarzt mit Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ vorliegt. So ist sichergestellt, dass die Homöopathie in der Behandlung als Ergänzung zur Schulmedizin verstanden wird.

Die Kosten für homöopathische Erst- und Folgeanamnesen werden von der AOK Bayern nicht erstattet

(Pressestelle AOK Bayern)