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„Ich konnte 11 Jahre lang mit keinem guten Gewissen Opfer sein“

2012 begann die Nürnbergerin Birgit Mair mit ihrer Arbeit an der Wanderausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“. Für Mair steht nicht der NSU im Fokus – vielmehr möchte sie die Opfer in den Mittelpunkt rücken. 

„Jeder der Ermordeten sah aus wie ein Verbrecher“ beschreibt Birgit Mair die Fotos, die von den Opfern des NSU durch die Medien gingen. Dem will sie entgegensteuern. Mit der Ausstellung Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen„, die derzeit im Bareuther RW21 stattfindet. Birgit Mair führt durch die Ausstellung, zeigt die Porträts der Opfer, macht ihre Geschichten fühlbar. Es ist ihr wichtig die Familien zu zeigen, denn für Mair wurde das Versprechen an die Angehörigen, die Verbrechen komplett aufzuklären, nicht eingehalten.

Über Jahre hinweg sprach man in der Öffentlichkeit von den „Dönermorden“. 2012 wurde es gar zum „Unwort des Jahres“ erklärt. Man unterstellte den Opfern öffentlich etwas mit der „Wett-Mafia“ zu tun zu haben, dem organisiertem Verbrechen anzugehören. Reine Spekulationen, die sich im Laufe der Ermittlungen von „Soko Halbmond“ und „Bosporus“ als völlig falsch herausstellten. Laut Mair prägten Rassismus und Vorurteile die Ermittlungen. Und über den Kern des NSU hinaus brachten sie kaum Unterstützer des Terrors vor Gericht.

Bei der Ausstellungseröffnung scheinen die Ausführungen von Birgit Mair das Publikum zu bewegen. Manche verweilen im Anschluss an ihre Rede. Wirken nachdenklich und sprechen über die ausgelöschten Leben. In diesem Moment wird klar, dass Mair ihr Ziel erreicht hat. Denn es geht nicht um Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe.

Es geht um:

Enver Şimşek, Mehmet Turgut, Abdurrahim Özüdoğru, Michèle Kiesewetter, Süleyman Taşköprü, İsmail Yaşar, Habil Kılıç, Mehmet Kubaşık, Theodoros Boulgarides und Halit Yozgat.

Ein Videointerview mit Birgit Mair finden Sie oberhalb dieses Textes.

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