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IFAB-Chef Lukas Brud: Der Bayreuther hat den Videobeweis in die Stadien gebracht

Der Bayreuther Lukas Brud ist Leiter der höchsten Regelbehörde im Fußball. Im bt-Interview sprach der 39-Jährige bereits über seinen Aufstieg in der Fußballwelt. Teil 2 beschäftigt sich mit den Regeländerungen, die der Bayreuther zu verantworten hat.


Seit 1886 tagte das IFAB, das International Football Asosciation Board, einmal im Jahr und hat über Änderungen im Regelwerk entschieden 2014 hat es sich zu einer unabhängigen, nicht-kommerziellen Behörde umstrukturiert, die in mehreren Schritten und mit Unterstützung vieler Fußballexperten Regeländerungen untersucht und relevante Anpassungen verabschiedet hat. Seit dieser Reform ist Lukas Brud Leiter des IFAB. Im bt-Interview spricht der Bayreuther über seine Projekte.

Regelwerk umgeschrieben

Ein Mammutprojekt stand zwischen 2014 und 2019 an. In dieser Zeit hat Lukas Brud zusammen mit seinem Team, Schiedsrichter-Legende David Elleray und mehreren Regel- und Schiedsrichterexperten das gesamte Regelwerk überarbeitet. Über 200 Änderungen gab es im Regelwerk. Viele rein kosmetisch, doch einige auch inhaltlich, da viele Regeln nicht mehr zeitgemäß gewesen seien. Ziel war es auch das Regelwerk zu vereinheitlichen. Egal ob Profi oder Amateur, Kommentator oder Fan, jeder sollte mit den Regeln zurecht kommen.

Von ABBA bis 30-Minuten-Halbzeiten

Im Jahr 2017 verabschiedete das IFAB die sogenannte „play fair“-Initiative, eine Anreihung von Ideen, die aus der Fußballwelt selbst kamen. Manche Vorschläge sollten die Regeln vereinfachen, das Spiel attraktiver und fairer machen, andere hingegen schienen revolutionärer.

Getestet wurde in dem Zusammenhang auch die sogenannte ABBA-Regel. Diese bezieht sich auf eine veränderte Reihenfolge beim Elfmeterschießen. Nachdem allerdings kaum Unterschiede festgestellt wurden und die neue Prozedur den Ablauf eher komplizierter gestaltete, wurde die Regel wieder verworfen.

Wir haben auch über eine 30-Minuten Halbzeit effektiver Spielzeit diskutiert, wie es in anderen Sportarten üblich ist. Das ist allerdings im Fußball sehr schwer umsetzbar.

(Lukas Brud, IFAB-Boss)

Neu im Rahmen der Überarbeitung ist aber zum Beispiel, der Spielaufbau. Früher musste der Torwart den Ball außerhalb des Strafraums schießen, bis ein Spieler den Ball berühren durfte. Da allerdings gerade im Nachwuchsbereich die Spieler Schwierigkeiten haben den Ball so weit zu kicken, wurde diese Regelung verändert. Auch müssen nun auszuwechselnde Spieler das Spielfeld an dem Punkt der Seitenaus- oder Torlinie verlassen, der am nächsten zu ihnen ist.

Einführung Videobeweis

Ein weiterer Meilenstein, für den Lukas Brud verantwortlich ist, ist die globale Einführung des Videobeweises. Er gilt als zusätzliches Hilfsmittel für den Schiedsrichter und wird mittlerweile in mehr als 100 Turnieren und Ligen weltweit eingesetzt. 

Schiedsrichter haben kein einfaches Leben, werden oft hinterfragt, respektlos behandelt und ständig unter Druck gesetzt. Der Videobeweis liefert in den meisten Fällen eine eindeutige Grundlage, über die man nicht diskutieren muss. Das hilft dem Schiri. 

(Lukas Brud, IFAB-Boss)

Verhalten auf dem Spielfeld verbessern

Besonders wichtig ist es Lukas Brud das Verhalten der Spieler auf dem Spielfeld zu verbessern. Oft würden die Spieler die Entscheidungen des Schiedsrichters nicht akzeptieren und nicht selten auch mehr als nur verbal protestieren. Dieses Verhalten färbe dann bis in die unteren Ligen ab. Dies sei inakzeptabel und zusammen mit der FIFA werde man sich dieses ernsten Themas auch annehmen. 

Wenn die Profis schon anfangen zu diskutieren, dann ahmen das natürlich auch die Kleinen im Nachwuchsbereich ab. Fußballspieler haben eine Vorbildfunktion. Dieser müssen sie sich wieder mehr bewusst werden.

(Lukas Brud, IFAB-Boss)

Fußballregeln überall dabei

Fußball wird in der ganzen Welt gleich gespielt. Grund dafür sind die Regeln, die vom IFAB gemacht werden. 17 Spielregeln gibt es ingesamt. Das Regelwerk umfasst allerdings gut 150 Seiten. Seit neustem gibt es die Spielregeln aber auch „to go“. Dank der Spielregel-App können Schiedsrichter, Spieler, Trainer, Medienvertreter und Zuschauer egal wo jederzeit auf die Spielregeln zugreifen und sich über die neusten Änderungen informieren.

Transparenz ist entscheidend. Wenn Infos zugänglich sind, dann werden sie auch verbreitet und verstanden. Wenn man offen erklärt, warum etwas gemacht wird, dann funktioniert das und es entsteht ein Gesamtbild. Das gleiche Prinzip gilt auch bei Schiedsrichterentscheidungen. 

(Lukas Brud, IFAB-Boss)