Nachrichten

Immer erreichbar: Jeder fünfte Arbeitnehmer ist digital gestresst

Wie die Studie „Gesund digital arbeiten“ belegt, empfindet jeder fünfte Arbeitnehmer starken digitalen Stress durch seinen Beruf. Das hat zur Folge, dass die Betroffenen häufig daran denken, die Arbeitsstelle oder sogar den Beruf zu wechseln. So bringen sie eine schlechtere Leistung und sind unzufrieden. An der Studie waren auch Wissenschaftler aus Bayreuth beteiligt.

5.000 Befragte

Bei der Studie wurden 5.000 Arbeitnehmer von Forschern der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT, des Betriebswirtschaftlichen Forschungszentrums für Fragen der mittelständischen Wirtschaft (BF/M-Bayreuth) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin befragt. Die Befragung wurde für ein Projekt des Bundesforschungsministeriums namens „Prävention für sicheres und gesundes Arbeiten mit digitalen Technologien“ durchgeführt.

Was zu digitalem Stress führt

Die Forscher haben insgesamt zwölf Belastungsfaktoren erkannt. Dazu gehören zum Beispiel:

  • der gefühlte Zwang omnipräsent zu sein
  • das Gefühl der ständigen Erreichbarkeit
  • eine erwartete kürzer Reaktionszeit, weil die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben schwinden

Jeder dritte Befragte, war mindestens von einem dieser Faktoren stark betroffen. Damit verbunden nahm jeder fünfte digitalen Stress wahr. Viele Menschen sehen ihre Privatsphäre in Gefahr, weil sie beruflich digitale Technologien und Soziale Medien nutzen.

Frauen-im-Büro
Symbolfoto: Pixabay

Konflikte und ein hohes Arbeitspensum

Digitaler Stress gehe meist mit sozialen Konflikten am Arbeitsplatz, einer hohen emotionalen Anforderung sowie einer hohen Arbeitsquantität einher, so Professor Torsten Kühlmann, Inhaber des Lehrstuhls für Personalwesen und Führungslehre an der Universität Bayreuth und Präsident des Betriebswirtschaftlichen Forschungszentrums für Fragen der mittelständischen Wirtschaft.

Das bleibt nicht ohne Folgen auch für den Arbeitgeber. Erwerbstätige mit starkem digitalem Stress berichten häufiger, dass sie Probleme haben, von der Arbeit abzuschalten. Interessanterweise sind vor allem auch Erwerbstätige in innovativen Unternehmen, welche sich durch Kreativität und Risikobereitschaft auszeichnen, von stärkerem digitalem Stress betroffen.

(Professor Torsten Kühlmann)

Digitale Medien: Chance und Risiko zugleich

„Die schnell voranschreitende Durchdringung des Arbeitslebens mit digitalen Technologien und Medien bringt viele Chancen, aber auch substanzielle Risiken und Nachteile mit sich“, sagt Prof. Dr. Nils Urbach, Professor für Wirtschaftsinformatik und Strategisches IT-Management und Mitglied der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT.

Er betont: „Organisationale und soziale Faktoren können digitalem Stress am Arbeitsplatz entgegenwirken. Dazu gehört beispielsweise ein erweiterter Handlungsspielraum hinsichtlich arbeitsrelevanter Entscheidungen sowie eine gute Beziehung zu Vorgesetzten.“

Livestream zur Studie

Genauere Informationen zur Studie erhalten Sie am 4. September ab 16 Uhr. Dann wird sie offiziell vorgestellt und hier über einen Livestream zu sehen sein:  https://www.youtube.com/watch?reload=9&v=t8R9X6D3TE8