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Immer in Balance: Die Tricks der Kunstradmeisterin

Die Turnhalle ist ihr Wohnzimmer, das Rad ihr Sofa. Seit sie sechs Jahre alt ist, fährt Corinna Wirth Kunstrad. Und die junge Frau aus Eckersdorf ist richtig gut darin. Die 22-Jährige ist unter anderem zwölffache Oberfränkische Meisterin, zweifache Bayerische Vizemeisterin und zweifache Bayern Cup Gesamtsiegerin. Ein Video mit einigen Übungen finden Sie über dem Text. 

Es war Liebe auf den ersten Blick, als Corinna Wirth damals in der ersten Klasse, bei einem Tag der Vereine, die Kunststücke auf dem Fahrrad das erste Mal gesehen hat. Mittlerweile geht ihre Liebe zu diesem Sport sogar unter die Haut.

Ihr liebstes Sportgerät hat Corinna Wirth immer dabei – unter der Haut. Foto: Redaktion

Ihre aktive Karriere hat Corinna Wirth Ende des letzten Jahres zwar beendet, ganz mit dem Fahren aufhören, kann und will sie allerdings nicht. Als Koordinatorin wirkt sie für den Rad- und Kraftfahrerbund noch immer hinter den Kulissen bei Wettkämpfen mit und übernimmt zum Beispiel die sportliche Aufsicht. Für das Bayreuther Tagblatt ist die Sportlerin nach einigen Monaten Abstinenz wieder aufs Rad gestiegen, um einen Einblick in die Übungen zu geben.

Üben, üben, üben

Haben Sie schon etwas vom „Sattelstand“, „Reitsitzsteiger“ oder „Drehscherensprung“ gehört? Für Corinna Wirth sind das keine Fremdworte. Die meisten Übungen aus dem Reglement für Kunstradfahren sind für sie ein Klacks. Doch um dort hin zu kommen, wo sie heute steht, musste die 22-Jährige viel Zeit investieren. Regelmäßiges Training und die Teilnahme an vielen Wettkämpfen – nahezu jedes Wochenende – waren die vergangenen 15 Jahre an der Tagesordnung. Immer dabei war ihr Vater und Trainer Jürgen Wirth.

Corinna Wirth bereitet sich auf den „Sattelstand“ vor. Immer zur Unterstützung dabei, ist ihr Vater Jürgen Wirth. Foto: Redaktion

Das tolle am Kunstradfahren ist, dass es ein so ästhetischer Sport ist – filigran und schön. Man braucht Ausdauer, Kraft, Koordination und einen guten Gleichgewichtssinn. Und man muss dran bleiben. Bei manchen Übungen hat es Jahre gedauert, bis ich sie konnte.

(Corinna Wirth über das Kunstradfahren)

Für Freunde und Freizeit blieb all die Jahre kaum Zeit. Das möchte die 22-Jährige nun ändern. Vom aktiven Sport zurückgezogen, hat sie sich vor allem aus privaten Gründen. Erst vor Kurzem beendete Corinna Wirth ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin und ist von zu Hause ausgezogen – in eine eigene Wohnung nach Bayreuth. „Ich möchte mir mehr Zeit für mich nehmen und reisen“, erzählt sie von ihren Plänen. „Paris und Amsterdam möchte ich zum Beispiel sehen. Die Klassiker eben. Aber auch deutsche Städte.“ Denn: „Wir kennen halb Deutschland, aber eben nur die Sporthallen“, ergänzt Jürgen Wirth.

Das Kunstrad

Verkehrssicher ist so ein Kunstrad nicht und es ist auch nicht mit einem normalen Fahrrad zu vergleichen. Zudem bekommt man es nicht einfach im nächsten Fahrradladen. Weltweit gibt es nur wenige Hersteller. Sattel und Lenker des Rades sind speziell geformt, sodass der Fahrer darauf stehen kann. Aus diesem Grund haben auch die Radnaben Dornen. Das Rad kann vorwärts und rückwärts fahren und besitzt keine Bremsen. Die Reifen haben kaum Profil und sind relativ dünn.

Die 22-Jährige zeigt stolz ihr extra angefertigtes Kunstrad. Foto: Redaktion

Kunstradfahren ist ein teures Hobby. Zwar braucht der Fahrer kaum Ausrüstung, eine enge Sportleggins und Gymnastikschlappen genügen, dafür hat Corinna Wirths Rad aber gut 3.000 Euro gekostet. Hinzu kommen die Fahrtkosten: Rund 20.000 Kilometer tourte das Vater-Tochter-Gespann im Jahr quer durch Deutschland zu Turnieren. Jetzt stehen ruhigere Zeiten an bei den Wirths und die 22-Jährige tauscht das Kunstrad gegen ihre Patienten ein.