Freizeit

Jean Paul: „Berge, Bücher und Bier“ brachten den Schriftsteller nach Bayreuth

Zum Todestag von Jean Paul blickt bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller auf das Leben des Schriftstellers zurück.


Zum Todestag

Der Schriftsteller, der eigentlich Johann Paul Friedrich Richter hieß, starb am 14. November 1825, also heute vor 194 Jahren, in seiner Wohnung in der Friedrichstraße 5.

In seinen Romanen verbindet sich eine wirklichkeitsnahe Darstellung des kleinbürgerlichen Lebens, liebevoller Humor und eine oftmals kauzige und verschrobene Phantasie. Er schrieb unter anderem „Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wuz“, „Siebenkäs“, „Titan“ oder die „Flegeljahre“.

Der Freistaat Bayern verleiht seit 1983 alle zwei Jahre den Jean-Paul-Preis, der das literarische Gesamtwerk deutschsprachiger Schriftstellerinnen und Schriftstellers würdigt. In diesem Jahr erhält die Berliner Autorin Ursula Krechel aus Berlin, die 2012 für ihren Roman „Landgericht“ mit dem Deutschen Buchpreis geehrt wurde, den mit den mit 15.000 Euro dotierten Preis. Zu seinen Preisträgern gehören Friedrich Dürrenmatt, Siegfried Lenz, Brigitte Kronauer und Herbert Rosendorfer, der auch längere Zeit in Bayreuth lebte.

Hier liegt Jean Paul begraben. Foto: Stephan Müller.

Jean Pauls Geburt

Am 21. März 1763 kam Johann Paul Friedrich Richter, der sich später „Jean Paul“ nannte, als erster Sohn des Organisten Johann Christian Richter und seiner Frau Sophia Rosina, Tochter eines reichen Tuchmachers in Hof, in Wunsiedel gesund zur Welt.

In der damaligen Zeit war das keine Selbstverständlichkeit. Von den sieben Kindern, die Rosine zur Welt brachte, überlebten zwei die ersten Tage nicht, was bei der damaligen Kindersterblichkeit durchaus dem normalen Durchschnitt entsprach.

In seiner „Selbsterlebensbeschreibung“ – und das muss man wahrscheinlich zweimal lesen – schreibt er 1818 zu seiner Geburt am ersten Frühlingstage 1763:

„Es war im Jahre 1763, wo der Hubertusburger Friede zur Welt kam und gegenwärtiger Professor der Geschichte von sich; – und zwar in dem Monate, wo mit ihm noch die gelbe und graue Bachstelze, das Rotkehlchen, der Kranich, der Rohrammer und mehrere Schnepfen und Sumpfvögel anlangten, nämlich im März; – und zwar an dem Monattage, wo, falls Blüten auf seine Wiege zu streuen waren, gerade dazu das Scharbock- oder Löffelkraut und die Zitterpappel in Blüten traten, desgleichen der Ackerehrenpreis oder Hühnerbissdarm, nämlich am 21. März; – und zwar in der frühesten frischesten Tageszeit, nämlich am Morgen um 1 ½ Uhr; was aber alles krönt, war, dass der Anfang seines Lebens zugleich der des damaligen Lenzes war…“

Der Umzug nach Bayreuth

Nach seinem Studium in Leipzig und seinem Wirken in Weimar zog Jean Paul über Meiningen und Coburg im Jahr 1804 nach Bayreuth. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern Emma (zwei Jahre), Max (ein Jahr) und dem Spitz kam er am Sonntag, den 12. August 1804, gegen Abend völlig übermüdet mit dem Gepäckwagen in der ehemaligen Residenzstadt an. Er bezog für billige 100 Gulden im Jahr die sechs Zimmer im ersten Stock des Hauses mit der heutigen Adresse Maximilianstraße 9.

Jean Paul. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung.

Berge, Bücher und Bier

Nicht ohne Humor meinte er später, dass ihn „Berge, Bücher und Bier“ nach Bayreuth gezogen hätten. Bereits elf Jahre vor seinem Umzug nach Bayreuth entstand die viel zitierte Briefstelle aus dem Jahr 1793:

„Du liebes Bayreuth, auf einem so schön gearbeiteten, so grün angestrichenen Präsentierteller von Gegend einem dargeboten – man sollte sich einbohren in dich, um nimmer heraus zu können!“

Jean Pauls Prophezeiung 

Nach mehreren Wohnungswechseln sollte das Haus des aus Ansbach zugezogenen jüdischen Bankiers I. J. Schwabacher in der Friedrichstraße 5 seine letzte Wohnstätte werden.

Dort schrieb er im Jahr 1813 – in Richard Wagners Geburtsjahr und in Bayreuth – folgende Prophezeiung:

„Sonnengott, der die Dichtergabe mit der Rechten, die Tongabe mit der Linken, bisher zwei soweit auseinanderstehenden Menschen zuwarf, dass wir noch bis zur Stunde des Mannes harren, der eine echte Oper zugleich dichtet und setzt“.

Ausgerechnet in Bayreuth sollte dieses Warten ein Ende haben. Mit Richard Wagner, der als erster Komponist Libretto und Komposition vereinigte, schloss sich der Kreis!

Jean Pauls Grab. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung.

Text: Stephan MüllerStephan Müller

Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

Lesen Sie auch: