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Freizeit

Last Christmas – “Eineinhalb Stunden Peinlichkeit auf der Kinoleinwand”

Es gibt Dinge, die braucht man. Es gibt Dinge, die braucht man nicht. Manchmal ist es jedoch schwierig, von vorne herein zu wissen, ob man mit einer Sache etwas anfangen kann, oder eben nicht. In diesem Fall ist das anders. Das Jahr 2019 hat die Filmversion des Weihnachtslieds “Last Christmas” im Gepäck. Und der Film hält genau das, was das Lied verspricht. bt-Kinokritiker Alex Bauer und zwei bt-Leser gehen mit dem Streifen hart ins Gericht.

Der Trailer zum Film

Das sagen Nadine Weich und Jutta Bühl:

bt-Filmkritiker Alex Bauer findet:

bt-Kinokritiker Alex Bauer. Foto: Thorsten Gütling

Winter 2019.

Nach gefühlten drölf Jahren gibt es also einen Film zum wohl nervigsten Weihnachtssong aller Zeiten: Last Christmas. Von Wham. Also von George Michael, dessen Musik wohl mit dem Film noch einmal gefeiert werden sollte. Was dabei rausgekommenen ist, sind eineinhalb Stunden Peinlichkeit.

Und das ist eigentlich noch nett ausgedrückt. “Last Christmas” strotzt nur so vor dümmlichen Dialogen, dazu gesellt sich eine einfallslose Geschichte und Darsteller, die durch die Bank nerven. Dabei will man doch bei so einem Christmas-Feel-Good-Movie, der ja “Last Christmas” offensichtlich sein will, mit den Figuren mitfühlen können und sich auf das Happy End freuen, das romantisch sein kann, aber nicht muss.

Nun gut, problematisch wird es halt, wenn ein Film schon an seinen Darstellern und ihren Rollen scheitert. Da wäre Kate, gespielt von Emilia Clarke, die wohl die meisten als Drachenkönigin aus “Game of Thrones” kennen: Die Mitzwanzigerin jobbt mehr schlecht als recht in einem Weihnachtsladen, geht ihren Mitmenschen mit ihrem chaotischen Leben meistens auf die Nerven und bekommt auch sonst nicht viel auf die Kette.

Nervig und platt kann Clarke, das hat sie ja schon 2016 in “Ein ganzes halbes Jahr” bewiesen. Was, sie war totkrank? Egal. Wie? Plötzlich bekommt sie ihr Leben gebacken? Auch egal. Kate poltert so eineinhalb Stunden durch den Film, ohne dass die Rolle ansatzweise an Tiefe gewinnt. Doch. Die letzten zehn Minuten darf man ihre Verwandlung vom Chaos-Egoisten hin zu einem Menschen feiern, der sich doch wirklich für seine Mitmenschen interessiert. Wow. Ein Meisterwerk. Nicht.

Charmant oberflächlich könnte man da über Kate sagen – immerhin ist ihr Lächeln bezaubernd. Platt trifft auch auf den mysteriösen Tom (Henry Golding) zu, der immer da ist, wenn man es nicht erwartet und dann immer wieder aus dem Leben Kates verschwindet. Dass mit ihm irgendetwas nicht stimmen kann, merkt der Zuschauer schon nach wenigen Minuten, man muss danach halt nur noch rund 60 Minuten inhaltslose Dialoge zwischen ihm und Kate überleben, bis das Geheimnis gelüftet wird. Dabei strahlt Golding so viel Charme aus wie ein Eisklotz.

Puh, ja, achso, da wären dann noch die zig Nebenrollen, die wohl Witz und Pepp in den Film bringen sollten. Machen sie nicht. Warum Kates Eltern Jugoslawen sind, warum man auf so platte Art und Weise den Brexit thematisieren muss, das alles bleibt im Nebel der Gleichgültigkeit verborgen. “Last Christmas” ist nach “Sex and the City 3” übrigens mal wieder ein Film, bei dem ich mich frage, ob die Damen und Herren, die entscheiden, ob ein Film das Prädikat “Wertvoll” erhält oder nicht, sich den Film auch wirklich anschauen oder nur die Inhaltsangabe lesen und dann die Bewertung verschenken. “Last Christmas” ist im Ganzen eine Zumutung, wird aber sicher seine Fans finden.”

1 von 5 Sterne