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Lebensraum für Kröten oder Bienen: Eine Tour durch den Naturgarten

Das Projekt „Naturgarten in der Wilhelminenaue“ ist Mitte Mai gestartet. Seitdem sind nicht nur eine Totholzhecke und Streuobstwiesen entstanden, sondern unter anderem auch Tümpel ausgehoben und ein Wegenetz angelegt worden. Das und mehr, sehen sie hier in einer Tour durch das Gelände.

Foto: Carolin Richter

Trotz 30 Grad und praller Sonne sind neun Freiwillige zum Mitgärtnern in den Naturgarten in die Wilhelminenaue gekommen. Projektleiter Thomas Pickel, gibt einen kurzen Umriss was diesmal ansteht. Die Gruppe teilt sich in Zwei: Eine für leichtere und eine weitere für die schwereren Arbeiten. Jeder entscheidet selbst, wo er mit anpacken möchte. „Heute geht es darum, die Grashaufen einzusammeln, die nach dem Mähen entstanden sind“, sagt Stefanie Propp, erste Vorsitzende des Vereins „Summer in der City“,  zu einer Gruppe aus vier Frauen und gibt jedem eine Schubkarre. Denn bald soll auf dem Gelände des Naturgartens ein eigener Kompost entstehen sowie Gemüsebeete entstehen.

Foto: Carolin Richter

Beete aus Baumstämmen

Die zweite Gruppe braucht Muskelkraft: Baustämme werden im Bereich vor der Totholzhecke weggeräumt und sortiert. „Aus einigen davon möchten wir dreieckige Beete anlegen, dort wo sich der Weg gabelt“, sagt Franziska Wagner, die schon seit Anfang des Jahres im Naturgarten aktiv ist. Die Baumstämme werden gemeinsam mit Steinen als Rand des Beetes genutzt. Das Holz müsste weg, weil hier bald ein Bagger anrolle. „Der Bagger bringt Kalkschotter und Kalkbruch“, erklärt sie. Mit diesem Boden werde dort ein besonderer Lebensraum für diverse Pflanzenarten und Insekten, wie die blauflügelige Sandschrecke, entstehen.

Zum Teil machen wir einen Plan, was wir anlegen wollen. Viel entsteht aber auch Spontan, wenn wir im Naturgarten beim Arbeiten ins Gespräch kommen. Da entstehen die besten Ideen.

(Stefanie Propp, Vorsitzende von Summer in der City)

Ein Zaun aus Rosen

Paletten für den Rosenzaun. Foto Carolin Richter

Auch Holzpaletten finden sich auf dem Gelände. „Daraus möchten wir einen Zaun bauen“, erklärt Franziska Wagner. Damit Hunde oder alkoholisierte Menschen nicht quer durch den Garten, in frisch bepflanzte Ecken, laufen, erklärt sie. Der Naturgarten solle natürlich weiterhin für alle zugänglich bleiben, doch man solle künftig die Wege nutzen. „Die Paletten sollen dann noch mit Rosen bepflanzt werden“, so Wagner. So entstehe eine natürliche, niedrige Hecke links und rechts des Weges.

Für die letzten Sonnenstrahlen des Tages

„Einige Treppenstufen haben wir schon angelegt. Etwas weiter oben gibt es auch eine Steinmauer, die den Weg vorgibt“, sagt Stefanie Propp und läuft durch das Gelände. Sie macht Halt an einem Stamm „Nicht jeder sieht es gleich, aber dieser Totholzstamm dient als Sitzbank“, erklärt sie. Genauso wie eine Bank aus Sandstein etwas weiter unten am Weg: „Sie wurde extra so positioniert, dass man die letzten Sonnenstrahlen des Tages hier abbekommt“, sagt Stefanie Propp. Der Sandstein speichere die Wärme optimal.

Der frisch bepflanzte Hügel. Foto: Carolin Richter

Auf einem Hügel hätten die Gruppe in den letzten Wochen Steinklee und Königskerzen angepflanzt. „Das blüht im nächsten Jahr dann in Gelb und Weiß“, sagt die Vorsitzende und lächelt. An mehreren Stellen seien außerdem Tümpel ausgehoben worden, etwa einen Meter tief.

Niedriger Tümpel. Foto: Carolin Richter

Tümpel-Landschaft

An deren Rändern gibt es niedrigere Terrassen. „Sie bieten einen Lebensraum für Unken und andere Amphibien“, fügt sie hinzu. Wir möchten die Gewässer bewusst fisch- und pflanzenfrei halten, um anderen Tierarten einen Lebensraum zu schaffen.

Niedrige Terrassen für Amphibien. Foto: Carolin Richter

Bisher noch zur Sicherheit mit Paletten abgesperrt, ist ein größeres Loch. „Hier haben wir zwei bis drei Meter tief bis zum Grundwasser gegraben. Die Schlucht soll mit Moos bepflanzt werden und den Tieren einen kühlen Rückzugsort bieten“, erklärt Stefanie Propp.

Hier soll eine kühle Moosschlucht entstehen.

Für die Wildbienen

480 Tonnen Sand-Ton-Mischung habe ein Bagger abgeladen und eine Abbruchkante festgedrückt. „Durch den Ton wird das ganze stabil“, sagt Stefanie Propp. Aus Sand- und Ziegelsteinen sind an deren Rand Mauern entstanden. „Das dient zur Nisthilfe für Wildbienen“, sagt sie. In den Zwischenräumen der Sandstein-Mauern könnten sich Tiere gut verkriechen. Daneben werde Natternkopf gepflanzt: „Der ist besonders schnellwachsend und braucht nicht viel Wasser.“

Die Vorsitzende von Summer in der City, Stefanie Propp zwischen der Abbruchkante und einer Steinmauer. Foto: Carolin Richter

 

Helferin Doris Angermann, Foto: Carolin Richter

Ich bin stolz darauf, dass ich hier – so oft es geht – helfen kann. Es macht Spaß. Ich habe die Gruppe zufällig beim Arbeiten im Naturgarten entdeckt, als ich an der Wilhelminenaue spazieren war. Ich bin in der Gießgruppe und habe am Morgen auch schon Fotos von Insekten hier gemacht.

(Doris Angermann aus Bayreuth)

Nicht jeder kann regelmäßig in den Naturgarten zum Helfen kommen. Doch das ist kein Problem. Es gäbe einen festen Kern von zehn bis zwanzig Leuten und auch immer wieder neue Gesichter, erklärt Stefanie Propp.

Anne Reinhard sammelt lose Pflanzen in einer Schubkarre. Foto Carolin Richter

Ich bin vor gut einem Jahr durch Plakate an der Uni auf die Aktion aufmerksam geworden. Ich bin einfach gerne in der Natur und im Garten. Es ist das zweite Mal, das ich im Naturgarten helfe. Ich möchte künftig aber öfter kommen.

(Anne Reinhardt aus dem Landkreis Bamberg)

Matthias Kimpel gehört zum festen Kern der Gruppe und schätze auch die Gemeinschaft im Naturgarten. „Die Leute sind einfach korrekt hier“, sagt er.

Matthias Kimpel packt mit an. Foto Carolin Richter

Ich arbeite jede Woche im Naturgarten mit, weil es einfach eine geile Aktion ist. Jeder Mensch – ob gewollt oder ungewollt – schadet der Natur zu seinem jeweiligen Teil zwangsläufig, finde ich. Deswegen sollte man ihr auch wieder etwas zurückgeben, zum Beispiel indem man im Naturgarten mit anpackt.

(Matthias Kimpel aus Bayreuth)


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