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Mann (68) grabscht Jugendlichen an den Penis: Er ist bereits wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt

Reinhold K. (Name von der Redaktion geändert) stand am Freitag (17. Januar 2020) vor dem Amtsgericht Bayreuth. Ihm wurde sexueller Übergriff und versuchter sexueller Übergriff vorgeworfen. Bereits im Herbst 2017 soll der damals 67-Jährige einem Jugendlichen (16) in den Schritt und an den Penis gefasst haben. Ein Jahr später soll dann er versucht haben, dem Bruder des Opfers (15) zwischen die Beine und an den Penis zu langen.

Amtsgericht Bayreuth: Sexueller Übergriff?

Beide Jungen wollten ihre Fahrräder reparieren lassen, Reinhold K. hatte zu dem Zeitpunkt im Landkreis Bayreuth eine kleine Werkstatt. Über seinen Anwalt gab Reinhold K. nun den ersten Vorfall zu. “Er geht nicht davon aus, dass die Jungs lügen”, sagte der Anwalt. Sein Mandant habe aufgrund seines Alters keine Erinnerungen an Details. Die erste Schilderung der Staatsanwältin sei aber richtig: Der Angeklagte hat den Jungen in ein Gespräch über Sexualität verwickelt und hat ihm danach kurz in den Schritt gefasst. 

Bei dem zweiten Vorfall hat Reinhold K. auch ein sexuelles Gespräch gesucht. Laut Anklage soll zu dem damals 15-Jährigen gesagt haben: “Pass auf, dass du nicht hinfällst, dass du dir deinen Schwanz nicht verletzt.” Zudem soll Reinhold K. den Jungen nach seinem “süßen” und “niedlichen” Bruder gefragt haben. Ob der Angeklagte dann versucht haben hatte, dem 15-Jährigen zwischen die Beine zu greifen, wisse er heute nicht mehr.

Sein Anwalt erklärte außerdem, dass Reinhold K. seit dem letzten Vorfall bei einer Sexualtherapeutin in Behandlung ist. Das habe er schon vor der letzten Verurteilung so gemacht. “Und er geht gerne dahin”, sagte der Anwalt des Angeklagten.

Jugendlichen an den Penis gefasst

“Ich kann mich nur an den groben Ablauf erinnern”, sagte das damals 16-Jährige Opfer. Er hatte sein Fahrrad zum reparieren zu Reinhold K. gebracht. Deshalb sei er auch schon öfter dort gewesen. “Irgendwann hat er mir in den Schritt gegriffen”, erläutert der Jugendliche. Direkt vor dem Vorfall ging es darum, ob er eine Freundin habe. “Das genaue Gespräch weiß ich heute nicht mehr. “ 

Den Griff habe der Jugendliche “ziemlich schnell abblocken können”. Aber Reinhold K. habe schon richtig zugegriffen. Nach dem Abblocken war das Thema dann auch beendet: “Ich habe mein Fahrrad genommen und bin gegangen.”

Vorstrafe des Angeklagten aus dem Landkreis Bayreuth

Das zweite Opfer und den Vater der beiden Brüder wollten Richter Kolb und die Staatsanwältin nicht anhören, “weil die zu erwartende Strafe nicht beträchtlich ins Gewicht fällt”, sagte der Richter.

Deshalb verlas er die Vorstrafe des Angeklagten: Am 3. Juni 2016 wurde Reinhold K. wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen und kinderpornografischer Schriften zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Im vergangenem Jahr wurde ein Mann verurteilt, da bei ihm 2331 kinderpornografische Schriften bei ihm gefunden wurden.

Die Vorstrafe: Kind in Fahrradwerkstatt sexuell missbraucht

Im Mai 2015 hat Reinhold K. einem 13-Jährigen Hose und Unterhose runtergezogen, um sich daran sexuell zu erregen, liest Richter Kolb aus dem Gerichtsurteil von 2016. Der Missbrauch fand ebenfalls in der Fahrradwerkstatt des angeklagten statt. Das Kind kam nochmal zu zu Reinhold K., wobei er dem Kind wieder Hose und Unterhose auszog, um zu masturbieren. Zusätzlich wurden bei Reinhold K. mehrere Kinderpornos gefunden.

Nach Angaben des Richters habe der Angeklagte alles eingeräumt und sich in sexualtherapeutische Hilfe begeben. “Weil zu erwarten ist, dass er keine weiteren Straftaten begeht”, hat der Angeklagte eine Straf von einem Jahr auf Bewährung erhalten.

Plädoyers der Staatsanwältin in Bayreuth

Während der Bewährungszeit hat Reinhold K. nun einem Jugendlichen in den Schritt gefasst, während er in sexualtherapeutischer Behandlung war. Die Staatsanwältin legte Reinhold K. zugute, dass er geständig war, der Vorfall länger her ist und der Griff nicht lange gedauert hat. Sie ist der Auffassung, dass es sich hierbei um einen sexuellen Übergriff handelt: Er war ein Fremder für den Jungen und er war ein gezielter Griff.

Sie fordert deshalb eine Freiheitsstrafe von 9 Monaten. Die Strafe soll allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden, da nach Angaben der Staatsanwältin eine günstige Sozialprognose vorliegt: Der Griff war kurz, es ist lange her und er ist in Therapie, waren die Gründe. Die Bewährungszeit solle vier Jahre betragen mit einer Arbeitsauflage von 120 Stunden.

Anwalt des Angeklagten

Über das Geschehen braucht man nicht zu diskutieren, sagt der Anwalt von Reinhold K. Er sieht allerdings keinen sexuellen Übergriff, sondern eine sexuelle Belästigung. Der Anwalt erläuterte, dass vor den Ausschreitungen an Silvester in Köln (als dutzende Frauen in einem Männermob Opfer sexueller Übergriffe wurden) ein Griff in den Genitalbereich nicht strafbar war.

Wegen des sexuellen Gesprächs mit dem Jugendlichen sei bereits ein Bezug zur Sexualität da gewesen. Deshalb sei es kein sexueller Übergriff, sondern sexuelle Belästigung. Ein Übergriff sei es, “wenn ich einem Nein nicht Folge leiste”. Das habe Reinhold K. allerdings getan. Er forderte deshalb eine Strafe von 4 Monaten auf Bewährung: “Ein derartiges Verhalten wird es künftig nicht mehr geben”, sagte der Anwalt.

Urteil vor dem Amtsgericht in Bayreuth

Richter Kolb verurteilte Reinhold K. wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten auf Bewährung. Dazu muss er 60 Stunden gemeinnützliche Arbeit ableisten. Er gibt damit dem Anwalt recht, dass die Erheblichkeitsschwelle nicht überschritten wurde und es sich bei dem Griff um eine sexuelle Belästigung handelt.

“Sie haben im Prinzip aus ihrer letzten Verurteilung nichts gelernt”, sagt der Richter. “Das ist die letzte Bewährung, die sie bekommen. Das nächste mal gehen sie ins Gefängnis.”