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Medizin in Bayreuth: Abiturienten können sich jetzt bewerben

Jetzt kann es endgültig los gehen. Das Bayerische Kabinett hat der Errichtung des Medizincampus Oberfranken grünes Licht gegeben. Bayreuth könnte damit zum Vorreiter im Kampf gegen den Landarztmangel werden. Stadt und Landkreis werden aber auch anderweitig profitieren.

Erst nach Erlangen, dann nach Bayreuth

Zukünftig sollen 100 Medizinstudenten pro Jahr ihre Klinik-Semester in Bayreuth ableisten. Der neue Studiengang „Humanmedizin Erlangen-Nürnberg/Bayreuth“ beginnt zum Wintersemester 2019/2020 mit dem ersten Studienabschnitt in Erlangen. Die Ausbildung im zweiten Studienabschnitt erfolgt dann ab 2021 in Bayreuth.

Dass die vorklinische Ausbildung in Erlangen stattfindet, werten die Gutachter, die dem Kabinett bei der Entscheidungsfindung geholfen haben, als Vorteil. Die sehr gut etablierte Medizinerausbildung dort sorge dafür, dass die Qualität des Studiums von Anfang an hoch ist. Wörtlich heißt es in dem Gutachten: „Dies ist dem langwierigen und kostspieligen Aufbau einer vollständigen Vorklinik am Standort Bayreuth vorzuziehen.“

Bayreuth, ein Modell für andere

Da der Medizincampus Oberfranken einen Innovationsschub auslösen wird, ist die Uni Bayreuth mit im Boot. Dort entstehen Professuren in den Bereichen Public Health, Digital Health/Big Data und Molekulare Biosysteme, die „neue Modelle der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum“ entstehen lassen könnten, glauben die Gutachter.

Prof. Dr. Eckard Nagel, Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth, glaubt, dass Bayreuth Vorreiter bei der Regionalisierung der Ärzteausbildung werden könnte.

Erst Ärztehaus, dann Forschungsgebäude

Vor den wohl tiefgreifendsten Veränderungen steht das Klinikum Bayreuth. Nicht nur, weil hier gebaut werden wird. Ziel müsse es sein, am Klinikum eine akademisch geprägte Kultur zu etablieren. Dass die Projektpartner dafür ein eigenes Lehr- und Forschungsgebäude vorsehen, werten die Gutachter positiv. Ein bereits in Planung befindliches Ärztehaus soll Raum bieten, bis die beiden Neubauten des Medizincampus fertiggestellt sind.

Kosten: 36 Millionen Euro jährlich

In sieben Jahren soll der Vollausbau des Medizincampus Oberfranken erreicht sein. Im Studiengang „Humanmedizin Erlangen-Nürnberg/Bayreuth“ werden dann rund 600 angehende Ärzte eingeschrieben sein und rund 400 davon in Bayreuth studieren. Auf 36 Millionen Euro werden sich die jährlichen Gesamtkosten für den Medizincampus Oberfranken einschließlich der Professuren an der Uni Bayreuth dann belaufen.

400 Studenten und 150 Arbeitsplätze

Dafür werden in der Stadt auch rund 150 neue Arbeitsplätze entstehen. Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe sagt: „Für Bayreuth und die Region ist die Entscheidung der Staatsregierung für dieses Projekt von ungeheuer großem Wert.“

Bewerbungen ab jetzt möglich

Abiturienten können sich bereits heute für das Wintersemester 2019/20 bei hochschulstart.de für das Medizinstudium Erlangen-Nürnberg/Bayreuth bewerben. Nach zwei Jahren an der Uni Erlangen-Nürnberg werden die ersten Medizinstudenten dann im Jahr 2021 nach Bayreuth kommen.

Spürbar mehr Ärzte in der Region erst in zehn Jahren

Allerdings erwarten die Gutachter, dass es gut zehn Jahre dauern dürfte, bis sich dieser regionale Effekt, eventuell gemeinsam mit der sogenannten Landarztquote, spürbar auswirken und die medizinische Versorgung in Oberfranken verbessern werde.