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Stand nur wenige Tage: Bayreuths kurioseste Bude

Vor 67 Jahren wurde in Bayreuth etwas weit und breit einzigartiges aufgebaut. Der Bayreuther „Milchpilz“ war der Vorgänger der Milchbar am Luitpoldplatz und wanderte schließlich als Dönerbude in eine andere Stadt – wo der Pilz heute noch steht.

Großer Andrang am Bayreuther Milchpilz. Im Hintergrund das „Stenohaus“. Heute steht dort die Schloss-Galerie. Foto: Archiv Bernd Mayer

Mehr Milch fürs Volk

Der Milchpilz wurde als „der erste und bisher einzige seiner Art im ganzen Bundesgebiet“ aufgestellt, berichtete das „Bayreuther Tagblatt“ am 15. Mai 1952 mit sichtlichem Lokalstolz. Die Firma Waldner aus Wangen im Allgäu hatte den kleinen Kiosk, der als Anreiz „zur Steigerung des Milchverbrauchs“ dienen sollte, für genau 4195 Mark hergestellt. Der städtische Milchhof stellte ihn als Attraktion zu einer Tagung des „Verbandes großstädtischer Milchversorgungsbetriebe“ vom 10. bis 17. Mai 1952 auf.

Der Pilz steht länger als erlaubt

Der auffällige Milchpilz war schnell Gesprächsthema Nummer eins. Aufgrund des riesigen Publikumserfolges entschloss sich der Milchhof, das „Milchhäusla“ über diese eine Woche hinaus am Luitpoldplatz stehen zu lassen. Die Fränkische Presse berichtete, dass „Bayreuth von einem Milchtaumel erfasst“ wurde:

Seit einer Woche zieht er jung und alt, groß und klein in seinen Bann.

Die Stadt bleibt hart

Damit eckte der Milchhof jedoch bei der Stadtverwaltung an, die hart blieb und den Abbau forderte. Der Milchpilz entspräche „in seiner Aufmachung nicht dem Stadtbild. Da nützte es auch nichts, dass Milchhofdirektor Hartl beim Oberbürgermeister die Begeisterung der Bürger und die volksgesundheitliche Bedeutung des Milchpilzes mit den „preislich günstigen und ernährungsphysiologischen Wert“ der „Milch- und Milchmixgetränke“ hervorhob. Stadtbaurat Schnabl drängte trotzdem auf die „umgehende Entfernung des Pilzes“ und konnte am 26. Juni den Abbau des „Milchkiosks in Pilzform“ vermelden. Die Bude wanderte nach Regensburg.

Rudolf Roesner vor seiner Milchbar am Luitpoldplatz. Foto: Gaby Roesner-Oliver
Margot Roesner hinter dem Tresen. Foto: Gaby Roesner-Oliver

Pilz geht, Bar kommt

Immerhin erhielt der Milchhof die Genehmigung zur Errichtung einer Milchtrinkhalle und Milchtrinkbar. So eröffneten dann Rudolf und Margot Roesner im September 1962 neben der bereits seit 1954 erfolgreichen legendären „Milchbar“ (in der Badstraße und später am Sternplatz) eine zweite Eisdiele gleichen Namens am Luitpoldplatz.

Die erste Milchbar in Bayreuth gab es am Sternplatz. Foto: Archiv Bernd Mayer

Die Milchbar musste zusammen mit dem „Stenohaus“ vor einigen Jahren dem Neubau der „Schlossgalerie“ weichen.

Stehcafé in Regensburg

Den Bayreuther Milchpilz gibt es übrigens noch: Seit rund 60 Jahren steht er in Regensburg am Rande eines Parks und beherbergte erst eine Döner-Bude und heute ein beliebtes Stehcafé.

Als Döner-Bude drohte der Bayreuther Milchpilz zu verfallen. Dann nahm sich ein neuer Betreiber dem „Schwammerl“ an, renovierte und eröffnete ein Steh-Café das es heute noch gibt. Foto: Stephan Müller

Text: Stephan Müller


Stephan Müller

Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

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