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Mit Maske und Theater gegen die Depression

Wer Theater spielt, schlüpft in eine andere Rolle. Er kann der Schurke sein oder der Liebhaber, der Chef oder der Diener. Als Therapie wird Theater, ganz konkret das Spiel mit Masken, am Bezirkskrankenhaus Bayreuth eingesetzt. Das Suchen nach der eigenen Rolle kann Spaß machen, zum Probieren und zum Nachdenken anregen. Es kann heilen helfen.

Erst die Maske, dann die Figur

Christoph Pauger ist Sozialpädagoge. Und er ist Theaterkünstler. In seiner Profession bringt er beide Metiers zusammen: das Theater und die soziale Arbeit, in diesem Fall mit psychisch kranken Menschen. Eine Woche lang arbeiten Patienten der Depressionsstation und der Psychotherapiestation zusammen an Masken, an Figuren, am Theaterspiel. Jeder Teilnehmer erarbeitet sich selbst seine Maske. Er fertigt sie aus Ton, überzieht diese Form mit sogenanntem Kaschierpapier, formt sie, gestaltet sie. Rund 15 Stunden dauert diese Vorarbeit. Dann geht es daran, zur Maske eine Figur zu entwickeln. Welchen Gesichtsausdruck hat die entstandene Maske? Grinst sie? Blickt sie traurig? Für Christoph Pauger ist es wichtig, dass diese Entwicklung im Team stattfindet. „Der Teilnehmer stellt sich mit seiner Maske auf die Bühne, und aus dem Ereignis zwischen Spiel und Zuschauen überlegen wir uns gemeinsam, was für eine Figur hier entsteht.“ Es gilt, eine Rolle mit Leben zu füllen. Dabei steht jeder der Teilnehmer einmal im Fokus, jeder erhält die gleiche Aufmerksamkeit.

Mit Theater die richtige Rolle finden

Masken haben nicht nur die Funktion, dass man sich hinter ihnen verstecken kann. Sie ermöglichen Menschen auch ganz leicht in eine andere Rolle zu schlüpfen. Für Dr. Michael Purucker, Leitender Oberarzt der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth eröffnet diese Theaterarbeit einen weiteren Zugang zum Patienten. „Krankheit darf nicht nur als Defizit verstanden werden“, sagt er. Möglicherweise habe ein Patient noch nicht die zu ihm passende Rolle gefunden. Dieser sogenannte Rollenkonflikt könne krank machen, erklärt Purucker. Das Theaterspielen diene dann dazu, dem Patienten diese Lebensfragen deutlich zu machen und zu formulieren. „Über dem Spielen schärft sich die Wahrnehmung für das eigene Lebensgefühl und hilft möglicherweise, ein neues Lebensgefühl zu finden.“ Depressive würden sich häufig als leidend und eingeschränkt fühlen – auch hier helfe das Theaterspiel, eine aktivere Haltung einnehmen zu lernen. In einem Spiel mit der selbst entwickelten Maske können Rollenmuster erkannt und gelockert werden. Da das auch körperlich erlebt wird, ist als Therapie besonders wirksam.

Wie auch jede andere Kreativ-Therapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth wird das Theaterspiel therapeutisch begleitet. Zwar agiert der Theaterkünstler Pauger während der Projektwoche im geschützten Raum mit der Patientengruppe. Aber er steht in ständigem Austausch mit den Ärzten und Therapeuten. Pauger gibt Rückmeldung über die entwickelten Masken und Rollen, schildert, wie die Patienten sich über das Spiel mit ihren Problemen auseinandersetzen – und Ärzte und Therapeuten können dies aktiv in Behandlung und Therapie aufgreifen. 

Das Projekt wird vom Förderverein für die Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth finanziert. Es soll auch künftig fortgeführt werden.