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Mit Trabi und mit Elefant: Die besten Abi-Scherze der Stadtgeschichte

Es ist der Tag, die Stunde, der Moment, der den Schülern gehört: der Abi-Scherz, ein Ritual. Am WWG ist diese Tradition immer ganz besonders gelebt worden. Hobbyhistoriker Stephan Müller blickt zurück auf die verrücktesten Abi-Scherze der jüngeren Stadtgeschichte.

Der Trabi auf dem Dach

Ein ganz besonderer Abi-Scherz sorgte Anfang der 90er Jahre kurz nach der Grenzöffnung auch überregional für Schlagzeilen. Auch die heutige Festspielleiterin Katharina Wagner findet den Spaß ihrer damals zwei, drei Jahre älteren Mitschüler heute noch großartig. Als die damalige Schülerin der Mittelstufe an diesem Morgen in das WWG kam, stand ein PKW der DDR-Marke „Trabant“ über dem Schuleingang. Kurz: ein „Trabi“.

Abi-Scherz mit Trabant. Zu sehen 1991 am WWG. Foto: Bernd Völkl.

Quer über die Seite malten die damaligen Absolventen die Buchstabenreihe „TR – ABI 91“ auf das Kultobjekt und platzierten es mit einem Autokran auf das Dach. Auch WWG-Direktor Hans Ebersberger stutzte, als er am Morgen „seine“ Schule erreichte. Er nahm die Aktion mit Humor: „Das ist im Schuljahr 1990/91, also im Jahr der Wiedervereinigung eine gute Idee“, und fügte mit einem Hauch von Ironie an, dass die Farbe des Fahrzeuges ganz ausgezeichnet zum Gebäude passen würde. Das internationalen Flair versprühende Farbprogramm des „Trabant“ bot neben dem „Monsumgelb“, um das es sich hier wohl handelte, noch die Bezeichnungen Panamagrün, Caprigrün, Baligelb, Korallrot oder Persisch-Orange.

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Der Zirkus-Elefant im Schulhof

Schon ein Jahr zuvor erlebte die WWG-Schulfamilie einen Knaller. Das wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium ist am Sportpark gelegen und damit nicht allzu weit vom Bayreuther Volksfestplatz entfernt. Dort zeigt sich in gewissen Abständen auch immer mal wieder ein Zirkus mit seinem Showprogramm.

1990 am WWG: Abi-Scherz mit Elefant. Foto: Bernd Völkl.

Charmant und espritgeladen erschien eine Abordnung der Abiturienten beim Zirkusdirektor und fragte einfach mal nach, ob sie sich mal etwas „ausleihen“ dürfen. Wir wissen nicht, wie lange die Diskussion dauerte – aber das Ergebnis ist bekannt. Die fröhlichen Absolventen tauchten zum Erstaunen der Schulleitung und unter der Begeisterung der Schülerschaft mit einem ausgewachsenen Elefanten auf dem Schulhof auf. Die einzelnen Reaktionen sind nicht mehr festzustellen, aber ein Zitat. Ein Biologielehrer soll kurz und knapp gesagt haben: „Ein Afrikanischer…“.

Der wutschnaubende Regelexperte

In der Wikipedia-Erläuterung zum Thema „Abi-Scherz“ wird festgestellt, dass die Abi-Scherze in der Regel bereits im Vorfeld mit der Schulleitung abgesprochen, um die „Absegnung“ durch den Direktor zu bekommen.

Das wurde im Jahr 1985 wohl offensichtlich vergessen. Denn im Mai dieses Jahres schwärmten in den frühen Morgenstunden gut ein dutzend Fahrzeuge mit Fahrlizenz-Inhabern aus den WWG-Abiturklassen in das Bayreuther Stadtgebiet aus, um Lehrerinnen und Lehrer weit vor Unterrichtsbeginn direkt von zu Hause „abzuholen“. Der Rückweg führte aber nicht in die Schule sondern an einen „geheimen“ Ort, zu dem über 20 Lehrkräfte quasi „entführt“ wurden. So richtig von einer Entführung kann man freilich nicht sprechen, denn statt Fesseln, Knebeln oder einen Sack über den Kopf, gab es bei ausgezeichneter Stimmung ein Sektfrühstück mit frischen Brötchen, reichlich Wurst und Käse, Frühstückseiern, Marmelade, Saft und duftendem Kaffee.

Oberstudiendirektor Hans Ebersberger, seines Zeichens Leiter der Schule und ziemlich korrekt. Foto: Bernd Völkl

Irgendwann kamen die „Kidnapper“ mit ihren gut gelaunten „Opfern“ dann ins WWG zurück. Im Lehrerzimmer wartete Oberstudiendirektor Hans Ebersberger, seines Zeichens Leiter der Schule und ziemlich korrekt. Was nebenbei bemerkt, auch der Fernsehsender ARD und die Fußballverbände DFB und FIFA zu schätzen wussten. Ebersberger war ein ziemlich guter Fußballschiedsrichter und diente sich als Regelexperte des Deutschen Fußball-Verbandes und Instrukteur des FIFA-Weltverbandes hoch. Auch in der beliebten Fernseh-Spielshow „Spiel ohne Grenzen“ in den 1960er und 1970er Jahren traf er seine Schiedsrichterentscheidungen immer mit Witz und Humor.

An Witz und Humor war allerdings nicht zu denken, als an diesem Tag fast zwei Dutzend Pädagogen mit deutlicher Verspätung in die Schule strömten. Im Lehrerzimmer trafen sie auf einen Schulleiter mit hochroten Kopf und angeschwollenen Halsschlagadern. Hans Ebersberger war nicht nur in Sachen Fußball Regelexperte, sondern auch was die Schulordnung betrifft.

Hans-Dieter Sippel, heute WWG-Schulleiter, stand damals mittendrin, als Ebersberger „explodierte“. „So einen Anschiss“, in dem Begriffe wie „Schulwegsicherheit“, „Unterrichtsausfall“, „Unverantwortlichkeit“ fielen, hat es, da sind sich heute noch alle einig, am WWG weder vorher noch nachher je gegeben.

Text: Stephan Müller


Stephan Müller


Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.


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