Zuletzt aktualisiert am
150 „diebische“ Elstern zur Festspieleröffnung: Demo und Picknick folgen
Nach der abgesagten Raben-Installation von Künstler Ottmar Hörl setzt eine Gruppe Bayreutherinnen und Bayreuther zur 150. Festspieleröffnung selbst ein Zeichen. Mit 150 Elstern am Grünen Hügel macht sie auf soziale Ungleichheit aufmerksam.
150 Raben-Skulpturen des Künstlers Ottmar Hörl sollten während der Festspiele die Rasenfläche unterhalb des Festspielhauses zur Kunst-Installation machen. Doch die Festspiel GmbH und der Künstler wurden sich über den Inhalt der Installation nicht einig – Hörl entschied, im Jubiläumsjahr nicht nach Bayreuth zu kommen.
Stattdessen landen andere Vögel auf der Wiese unterhalb des Blumenbeets. Eine Gruppe von Bayreutherinnen und Bayreuthern stellt dort am Premierentag, dem 25. Juli, Elstern aus Pappe auf. Danach demonstrieren sie an der Einfahrt zum Grünen Hügel, wenn die prominenten Gäste gegen 17 Uhr eintreffen. Dazu gibt es bis 18:30 Uhr ein Picknick.
Aktion mit politischer Botschaft
„Statt Raben stellen wir 150 Elstern auf, die wir in verschiedenen Techniken auf Pappkarton malen“, sagt Paul Schindler, Mitorganisator der Aktion.
Elstern gelten in der europäischen Folklore unter anderem als diebische Vögel und Unheilsboten. Die Organisatoren verbinden damit eine politische Botschaft: Jede der 150 Figuren trägt den Namen einer der reichsten Personen oder Familien Deutschlands und steht symbolisch für deren Vermögen. Um die Dimensionen greifbarer zu machen, stellen sie das Vermögen mit Reis dar: Zwei Gramm Reis entsprechen 10.000 Euro, eine Million Euro rund 200 Gramm. Da die betroffenen Familien jedoch über Milliardenvermögen verfügen, wären dafür 200 Kilogramm Reis erforderlich gewesen.
„Damit möchten wir auf die extrem ungleiche Verteilung von Vermögen aufmerksam machen“, sagt Paul Schindler. „als Kontrast zur Auffahrt reicher und mächtiger Festspielgäste, die am Roten Teppich im Mittelpunkt stehen, während es für viele andere Menschen um Existenzfragen geht.“
Die Installation richte sich dabei nicht gegen die Festspiele, sondern verstehe sich als Kritik an politischen Entscheidungen im sozialen Bereich.
„Zwei Familien in Deutschland besitzen so viel Geld wie die unteren 50 Prozent der Bevölkerung – also rund 42 Millionen Menschen.“ Die Gruppe wolle diese Aufmerksamkeit nutzen, „um politische Maßnahmen zu fordern, die zu gerechteren Vermögensverhältnissen in Deutschland führen“.
Picknick und Musik im Festspielpark
Begleitet wird die Installation von einem öffentlichen Picknick im Festspielpark rechts der Siegfried-Wagner-Allee. Von 14 bis 18:30 Uhr können Besucherinnen und Besucher dort weitere Elstern aus Pappe gestalten. Geplant ist außerdem ein Rahmenprogramm, unter anderem mit einem Auftritt der Regensburger Musikerin Ronja Künstler.
Da die Fläche unterhalb des Blumenbeets während der Festspieleröffnung als Sicherheitsbereich gilt, kann die Installation nach Angaben der Organisatoren nur zu bestimmten Zeiten aufgebaut werden. Einzelne Elstern sollen deshalb auch weiter unten im Festspielpark beim Picknick zu sehen sein.
Die Entstehung der Aktion
Die Idee entstand nach Angaben der Organisatoren erst, nachdem die Installation von Ottmar Hörl abgesagt worden war. Ursprünglich habe die Gruppe eine Aktion am Bayreuther Flugplatz geplant, weil dort zahlreiche prominente Gäste mit Privatflugzeugen anreisen. Nachdem diese Pläne verworfen wurden und die Fläche unterhalb des Festspielhauses frei blieb, entwickelte sich das Konzept der 150 Elstern.
„Wir hatten zunächst völlig unterschiedliche Ideen – von Gasbohrtürmen über Flugzeuge bis hin zu ausgestorbenen Tierarten“, erzählt Eichel. Schließlich entschied sich die Gruppe für Elstern als Symbol.
„Elstern eröffnen einen gewissen Interpretationsspielraum“, sagt Schindler. Neben ihrer Rolle als vermeintliche Diebe stünden sie in der Mythologie auch für Unheil.
Nach Angaben der Organisatoren steckt hinter der Aktion keine feste Organisation. „Wir sind eine lose zusammenhängende Gruppe aus Bayreutherinnen und Bayreuthern“, sagt Eichel. Viele engagierten sich bereits in sozialen oder klimapolitischen Initiativen und hätten sich für die Kunstaktion erstmals in dieser Konstellation zusammengeschlossen.











Lorenz Röthlingshöfer. © Nicole Kalemba
Wagner auf der Fußgängerampel an der Meistersingerstraße. © Dirk Ellmer