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Wahlkampf oder normaler Ablauf? Streit um Spatenstich am Richard-Wagner-Gymnasium
Spatenstich, Schuldfragen und viel Politik: Die Sanierung des Richard-Wagner-Gymnasiums sorgt kurz vor der Wahl für heftige Debatten im Bayreuther Stadtrat. Ein offener Brief wirft dem Oberbürgermeister Wahlkampf auf Kosten der Schule vor – der kontert deutlich. Was steckt wirklich hinter dem Streit um eines der teuersten Bauprojekte der Stadt?
Jahrelanger Sanierungsstau am RWG
Dass das Richard-Wagner-Gymnasium saniert werden muss, ist unstrittig. Risse im Gebäude, bauliche Mängel und steigende Anforderungen an moderne Lernorte beschäftigen Schüler, Eltern und Lehrkräfte schon lange. In den Haushaltsberatungen 2025 allerdings wollte die Stadtspitze zunächst keine Mittel einstellen – so zumindest die Darstellung mehrerer Stadtratsfraktionen.
SPD, Grüne, BG, FDP/DU/FL und JB sehen sich deshalb als eigentliche Antreiber des Projekts. Erst durch ihren politischen Druck seien Gelder in den Haushalt aufgenommen worden. Und erst damit ist der Start der Sanierung überhaupt möglich geworden.
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Der offene Brief: Harte Kritik am Oberbürgermeister
In einem offenen Brief werfen sechs Kommunalpolitiker dem Oberbürgermeister vor, nun „mitten im Wahlkampf die Lorbeeren ernten zu wollen“. Besonders irritierend für die sechs: die Einladung zu einem feierlichen Spatenstich bei einer Sanierung – ein Format, das man sonst eher von Neubauten kennt.
Der Tenor des Schreibens ist klar: Wer Verantwortung trage, habe diese früher übernehmen müssen. Oder anders gesagt: Ohne den Druck aus dem Stadtrat gäbe es heute keinen Spatenstich.
Stellungnahme von OB Thomas Ebersberger: „Ganz normaler Ablauf“
Die bt-Redaktion hat Oberbürgermeister Thomas Ebersberger telefonisch mit den Vorwürfen konfrontiert. Seine Antwort fällt deutlich und nüchtern aus:
Zu den fehlenden Haushaltsmitteln:
„Es nützt nichts, Gelder einzustellen, wenn man schon weiß, dass man nicht beginnen kann. Uns haben zum damaligen Stand die personellen Ressourcen gefehlt.“ Zudem habe man erst Untersuchungen zu den Rissen im Gebäude abwarten müssen. Ein schneller Baustart sei damals schlicht unrealistisch gewesen.
Zum Vorwurf des Wahlkampfs:
Die Abläufe seien normal: Vorarbeiten im Herbst, Baubeginn jetzt. „Das hat mit Wahlkampf nichts zu tun. Man kann nicht alles gleichzeitig machen.“ Er empfinde eher den offenen Brief als ein Wahlkampfmanöver, sagt er.
Zum Spatenstich bei einer Sanierung:
Mit einem Volumen von rund 70 Millionen Euro sei das RWG-Projekt alles andere als klein. „Das ist ein großes Projekt, da ist es durchaus üblich es so zu beginnen – egal ob Neubau oder Sanierung“, so der OB – ein symbolischer Startschuss sei daher durchaus gerechtfertigt.
Wahlkampfmodus im Bayreuther Stadtrat
Für die einen steht die RWG-Sanierung für jahrelanges Zögern der Verwaltung, für die anderen für realistische Planung unter knappen Ressourcen.
Dass nun jede Seite der anderen Wahlkampf vorwirft, überrascht kaum. Bayreuth steckt mitten in einer Phase, in der politische Erfolge besonders genau betrachtet – und kommentiert – werden.
Was bleibt unterm Strich?
Fakt ist: Die Sanierung des Richard-Wagner-Gymnasiums kommt. Spät, teuer und politisch aufgeladen – aber sie kommt. Wer dafür am Ende die meisten Punkte sammelt, dürfte weniger entscheidend sein als das Ergebnis für die Schulgemeinschaft.
Für Bayreuth bleibt zu hoffen, dass nach dem symbolischen Spatenstich vor allem eines folgt: zügige Bauarbeiten.











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