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Denkmalschutz

„Abriss des Jahres 2025“: Bayreuth rückt ins Zentrum der bayerischen Baukultur-Debatte

Dass historische Bauwerke verschwinden beschäftigt Bayern seit Jahren – und Bayreuth steht dabei 2025 exemplarisch im Fokus. Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege hat erneut seine Aktion „Abriss des Jahres“ gestartet und macht damit auf besonders bedauerliche Abrissfälle aufmerksam. Unter den zwölf nominierten Objekten befindet sich auch ein prägendes Gebäude aus Bayreuth: ein Gründerzeit-Wohnhaus in der Albert-Preu-Straße.

Update: Das historische Lechnerhaus in Prien (Lkr. Rosenheim, Oberbayern) ist zum „Abriss des Jahres 2025“ gewählt worden. Es gewann in der Abstimmung des Bayerischen Landesverein für Heimatpflege vor dem traditionsreichen Gasthaus „Alter Wirt“ in Aising und einem historischen Fachwerkhaus in Winkelhaid. Ein angerissenes Gebäude aus Bayreuth ist bayernweit auf dem siebten Platz gelandet.

Bayreuth betroffen: Gründerzeit-Wohnhaus in der Albert-Preu-Straße abgerissen

Mit dem Wohngebäude in der Albert-Preu-Straße steht Bayreuth 2025 beispielhaft für eine Entwicklung, die vielerorts zu beobachten ist. Das im Jahr 1889 errichtete Haus war ein typisches Zeugnis der Bayreuther Gründerzeit. Seine massive Ziegelbauweise, die klar gegliederte Fassade und die ausgewogenen historischen Proportionen spiegelten jene Phase wider, in der Bayreuth rasant wuchs und sich als Stadt nachhaltig formte.

Über Jahrzehnte hinweg war das Gebäude Teil eines gewachsenen innerstädtischen Wohnquartiers. Es verkörperte bürgerliche Alltagsarchitektur – jene oft unterschätzte Bauform, die das Stadtbild ebenso prägt wie bekannte Einzeldenkmäler. Mit dem Abriss ist nicht nur ein Haus verschwunden, sondern ein Stück Bayreuther Stadtgeschichte.

Historische Gasthöfe und Wohnhäuser besonders betroffen

Wie der Landesverein mitteilt, umfasst die diesjährige Liste mehrere historische Wirtshäuser, Wohnhäuser und andere Bauten vergangener Jahrzehnte. Geschäftsführer Rudolf Neumaier bringt es auf den Punkt: Historische Gasthäuser seien weit mehr als alte Gebäude. Sie hätten über Generationen hinweg als soziale Mittelpunkte fungiert und das Ortsbild geprägt. Ihr Verlust bedeute oft auch das Verschwinden gelebter Gemeinschaft.

Landesverein warnt: Baukultur ist Teil unserer Identität

Der Vorsitzende des Landesvereins, Olaf Heinrich, sieht in der Entwicklung ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem. Historische Baukultur sei kein Luxus, sondern ein zentraler Bestandteil der Identität von Städten und Gemeinden. Gebäude erzählten von Handwerk, Alltag und Gemeinschaft. Mit jedem Abriss gehe ein Stück Heimat verloren – auch und gerade in Städten wie Bayreuth mit einer vielschichtigen Baugeschichte.

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Denkmalgeschützt – und trotzdem abgerissen

Besonders kritisch sieht der Landesverein, dass selbst denkmalgeschützte Gebäude immer wieder abgerissen werden. Begründet werde dies häufig mit wirtschaftlicher Unzumutbarkeit, angeblicher Einsturzgefahr oder verkehrlichen Erwägungen. Noch schutzloser seien nicht denkmalgeschützte, aber ortsbildprägende Gebäude – wie das Bayreuther Wohnhaus in der Albert-Preu-Straße. Der „Abriss des Jahres“ soll genau diese rechtliche und gesellschaftliche Lücke sichtbar machen.

Abriss oder Erhalt: Auch eine ökologische Frage

Neben dem kulturellen Verlust weist der Landesverein für Heimatpflege ausdrücklich auf die ökologischen Folgen hin. Abriss und Neubau verursachen erhebliche Mengen an Abfall und CO₂. Der Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Bausubstanz seien daher nicht nur Fragen der Denkmalpflege, sondern auch des Klima- und Ressourcenschutzes – ein Aspekt, der in der Stadtentwicklung Bayreuths zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Große Resonanz und ein Appell zum Umdenken

Die Aktion „Abriss des Jahres“ stößt seit Jahren auf große Resonanz. Zuschriften, Medienberichte und Rückmeldungen zeigen, wie sehr das Thema die Menschen bewegt. Die Wahl versteht sich dabei ausdrücklich nicht als bloße Kritik, sondern als Appell, genauer hinzusehen und den Wert des Bestehenden neu zu entdecken – auch vor der eigenen Haustür in Bayreuth.

Abstimmen und gewinnen

Neben der öffentlichen Abstimmung verlost der Landesverein unter allen Teilnehmenden CDs und Hörspiele von Döblingers geschmackvollem Kasperltheater („Kasperl und der Purzelprinz“).

Abstimmungszeitraum: 29.12.2025 bis 11.01.2026