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Denkmalschutz

Abriss in Thurnau gestoppt: Zukunft des Gebäudes der ehemaligen Druckerei Waldhier bleibt ungewiss

Der geplante Abriss eines der ältesten Gebäude Thurnaus ist überraschend gestoppt worden. Eigentlich sollte das ehemalige Gasthaus „Zum Weißen Schwanen“ an der Kulmbacher Straße, zuletzt Sitz der Druckerei Waldhier, in diesen Wochen verschwinden. Doch nun hat sich die Lage grundlegend geändert.

Einst war es eines der ersten Gebäude Thurnaus, ein großer Gasthof „zum weißen Schwanen“, der am Ortseingang Reisende in Empfang nahm. Doch seit den Glanzzeiten des Hauses im 17. Jahrhundert ist viel passiert. Ein solches Haus zu bewahren und zu erhalten, ist aufwändig und kostspielig. Über die Jahrhunderte wurde der Zustand offensichtlich immer schlechter. Zuletzt war die Druckerei Waldhier dort. Nun steht das Haus heute an einer recht ungünstigen Stelle in der Kulmbacher Straße 2. Dort gibt es seit Jahren eine Engstelle, weil der Verkehr stetig zunimmt. Noch mehr Verkehr wird erwartet, wenn die Ortsumgehung Döllnitz fertig ist. Das Baudenkmal soll weichen, um die Lage für Fußgänger sicherer und für den Schwerlastverkehr bequemer zu machen.

Regierung von Oberfranken sagt: abreißen

Die Regierung von Oberfranken hat den Abriss bereits im Mai 2025 genehmigt. Eigentlich hätte heute der Abriss beginnen sollen. Begründet wurde die Entscheidung mit einem „sehr schlechten baulichen Zustand“ des Hauses und unverhältnismäßig hohen Sanierungskosten. Einzelne Gebäudeteile seien einsturzgefährdet, Dächer undicht und eine Sanierung würde sich eher als Rekonstruktion denn als Sicherung historischer Substanz erweisen, zumal in der Vergangenheit die historische Bausubstanz durch unsachgemäße Eingriffe bereits verändert wurde.

Denkmalnetz Bayern schlägt Alarm

Das Denkmalnetz Bayern reagiert mit einer scharfen Stellungnahme auf die Abrisspläne des Staatlichen Bauamtes Bayreuth und wirft der Regierung von Oberfranken fehlerhafte Beurteilungen vor. Hintergrund ist eine erneute Begehung vor wenigen Wochen. „Die aktuelle Dokumentation belegt die hohe Qualität und Erhaltungswürdigkeit des Gebäudes eindeutig“, heißt es im Statement. Neue Fotos aus dem Inneren des ehemaligen Gasthofes, die ein Bauforscher im Zuge der vorgeschriebenen Dokumentation angefertigt hat, zeigen demnach Details des Dachstuhls sowie selten erhaltene Bauelemente aus dem 17. Jahrhundert.

Denkmalschutz lehnt Abriss ab

Sowohl der Landesdenkmalrat als auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Heimatpflege lehnen einen Abriss entschieden ab. Nach einem Ortstermin Ende September 2025 attestierte der Landesdenkmalrat dem Gebäude sogar einen „für das Alter guten technischen Zustand“ und betonte den hohen historischen Wert. Der ehemalige Gasthof markiere den historischen Eingang des Marktes Thurnau und präge das Ortsbild bis heute. „Ein Abbruch darf keinesfalls einen Präzedenzfall darstellen“, heißt es im offiziellen Beschluss.

Widerspruch gegen Genehmigung

Das Denkmalnetz Bayern hat sich inzwischen an die Oberste Denkmalschutzbehörde gewandt. Ziel ist, die Abrissgenehmigung der Regierung von Oberfranken aufzuheben. Grundlage dafür sind die nun vorliegenden Dokumentationsunterlagen, die die Denkmalwürdigkeit des Gebäudes unterstreichen.

Hintergrund: Streit um Sanierung und Straßenbau

Das Staatliche Bauamt Bayreuth hatte das Gebäude ursprünglich erworben, um Platz für den Ausbau der Staatsstraße 2689 zu schaffen. Obwohl das Haus Teil des denkmalgeschützten Ensembles „Ortskern Thurnau“ ist, wurde der Abriss genehmigt noch bevor ihm im Dezember 2024 zusätzlich die Einzeldenkmaleigenschaft zuerkannt wurde.