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Abschied vom Kleinen Festspielhaus: Was vom Kinderprogramm der Festspiele bleiben soll
Das Kleine Festspielhaus auf dem Grünen Hügel verschwindet in diesen Tagen wieder. Rund 7.000 Menschen haben die Angebote genutzt – deutlich mehr als erwartet. Nun geht es um die Frage, was davon in den kommenden Jahren weitergeführt werden kann.
Seine Augen leuchten rot. Mit gefletschten Zähnen wacht der Drache über dem Schatz. Nähert sich jemand, wird es plötzlich laut, aus seinen Nüstern strömt Rauch. Gezeichnet, programmiert, gebastelt und gebaut haben dieses dreidimensionale Bühnenbild Schülerinnen und Schüler der Alexander-von-Humboldt-Realschule. Es ist ein gutes Beispiel dafür, was in diesem Sommer im Kleinen Festspielhaus auf dem Grünen Hügel ausprobiert wurde: Wie kann man Kinder aus Bayreuth für die Festspiele begeistern?
Schülerinnen und Schüler der Klassen 7, 8 und 9 arbeiteten dafür in einer AG an dem „Siegfried und Fafner“-Bühnenbild. Bewegungsmelder, Lautsprecher und eine Nebelmaschine machen aus der Kulisse ein kleines Erlebnis.
Zum Einsatz kam das Bühnenbild unter anderem im Escape Game des Kleinen Festspielhauses. Der kleine Bau neben dem großen Festspielhaus war in diesem Sommer eine eigene Spielstätte für Kinder und Familien: mit Kinderoper, Workshops, Konzerten und Mitmachangeboten. Wagner konnten die jungen Besucher dort nicht nur hören und sehen, sondern selbst ausprobieren: Walhall aus Lego bauen, Runen entziffern, Rhythmen ausprobieren oder das Rheingold zurückbringen.
Wagner sollte nicht erst erklärt werden müssen
Die Idee hinter dem Projekt war, den Zugang zu Wagner möglichst einfach und spielerisch zu gestalten. Seraphin Feuchte, der im Jubiläumsjahr für den Education-Bereich der Festspiele verantwortlich ist, hat dieses Konzept umgesetzt. Gerade Menschen, die bisher wenig mit den Festspielen oder der Oper zu tun hatten, sollten so erreicht werden.
Das scheint gelungen zu sein. Rund 7.000 Menschen nutzten nach Feuchtes Einschätzung insgesamt die Education-Angebote. Darunter waren Familien aus Bayreuth und dem Umland, aber auch Festspielbesucher.
Mehr über das Konzept hat uns Seraphin Feuchte beim Gespräch im Juni verraten.
2.000 Zuschauer bei der Kinderoper
Der größte Publikumsmagnet blieb die Kinderoper. Die zehn Vorstellungen mit jeweils 199 Plätzen waren ausverkauft. Rund 2.000 Zuschauer kamen allein dafür.
Einzelne Veranstaltungen seien zwar während der Hitzewelle nur halb voll gewesen, insgesamt habe das Interesse seine Erwartungen aber deutlich übertroffen. „Das ist echt genial. In diesem Ausmaß habe ich das nicht erwartet“, sagt Seraphin Feuchte.
Beim Escape Game standen die Familien Schlange
Besonders gut lief auch das Escape Game, wie Feuchte erzählt. Viermal konnten Familien während der Festspielzeit kostenlos und ohne Anmeldung vorbeikommen. Schon bei der ersten Öffnung am 10. August die Überraschung: „Die Familien standen draußen auf der Rampe Schlange“, erzählt Feuchte.
Pro Öffnungszeit kamen etwa 50 bis 70 Besucher. Auch Erwachsene schauten vorbei. Feuchte hatte die Öffnungszeiten bewusst rund um den dritten Ringzyklus gelegt, damit Besucher in den Pausen vorbeikommen konnten.
Zunächst hätten manche Festspielgäste eher zögerlich vorbeigeschaut. Was ist hier eigentlich los? Einige seien dann aber geblieben und hätten eine halbe Stunde lang die verschiedenen Stationen ausprobiert.
Erst in der Schule, dann auf dem Grünen Hügel
Ein Grund für den Erfolg liegt für Feuchte schon vor Beginn der Festspiele. Im Mai und Juni war er für Workshops an Schulen unterwegs. Später tauchten einige der Kinder gemeinsam mit ihren Eltern auf dem Grünen Hügel wieder auf.
„Die Kinder haben wirklich ihre Eltern und Großeltern überredet, ins Kleine Festspielhaus zu kommen“, erzählt Feuchte. „Hallo, wir kennen dich!“, hieß es dann schon am Eingang.
Für Feuchte zeigt sich darin, wie Musikvermittlung funktionieren kann: Ein Kind erlebt etwas in der Schule, erzählt zu Hause davon und bringt die Familie mit. Auch Erwachsene, die bisher wenig Berührungspunkte mit Wagner hatten, kommen so mit den Festspielen in Kontakt.
„Wir sind ja Dienstleister“
Dass aus dem Kleinen Festspielhaus ein so umfangreiches Programm entstanden ist, hat wohl auch mit Feuchtes eigener Haltung zu tun. „Wir sind ja Dienstleister und wollen was anbieten“, sagt er. Wenn die Bühne schon einmal da sei, wolle er sie auch möglichst intensiv nutzen.
Deshalb blieb es nicht bei der Kinderoper. Workshops, Sitzkissenkonzerte, Schulveranstaltungen, das Escape Game und weitere Familienangebote füllten den Spielplan. Insgesamt gab es im Jubiläumsjahr 164 Veranstaltungen.
„Bitte auch in Zukunft!“
Wie das Angebot angekommen ist, lässt sich auch im Gästebuch nachlesen. Viele Kinderzeichnungen finden sich dort, vom Drachen, von Siegfried mit dem Schwert und den Heidehasen aus der Puppentheaterinszenierung von Operla.
Eine Familie schreibt nach dem Workshop zum „Fliegenden Holländer“:
Wir waren mit der ganzen Familie hier […] und sind begeistert und erfüllt von der Musik und der Nahbarkeit des Bayreuther Festspielhauses.“
Ein anderer Eintrag liest sich so:
„Auch als Erwachsene im reifen Alter hat uns die Reise viel Spaß bereitet und wir haben sogar noch etwas dazu gelernt!“,
Und wieder andere machen es ganz kurz:
„TOLL :)“
Familienpicknick zum Abschluss
Bevor das Kleine Festspielhaus wieder verschwindet, gibt es am Sonntag, den 23. August, von 11 bis 14 Uhr mit dem Familienpicknick noch einmal ein großes Familienangebot auf dem Grünen Hügel.
Das Amt für Kinder, Jugend und Familie unterstützt die Veranstaltung mit Spielgeräten. Dazu kommen Mal- und Bastelstationen, ein Mitmachorchester und ein Glücksrad. Familien können mit oder ohne eigenes Picknick kommen und zwischen verschiedenen Angeboten drinnen und draußen wechseln.
Mit Wagner muss man sich dabei vorher nicht auskennen. Kinder können unter anderem mit einer Feder schreiben, spielen, basteln und Musik machen. Das Familienpicknick ist kostenlos.
Was bleibt, wenn das Haus verschwindet?
Am Mittwoch um 11 Uhr findet der letzte Programmpunkt im Kleinen Festspielhaus statt. Danach wird das Gebäude vollständig wieder abgebaut. Bald soll hier wieder Wiese sein.
Erste Gespräche über eine Fortsetzung des Kinderprogramms laufen aber bereits.
„Ich würde es gerne nochmal machen“,
sagt Seraphin Feuchte. Ob das klappt, ist aber noch unklar.
Das Kleine Festspielhaus wird im nächsten Jahr aber wohl nicht zurückkehren. Vielleicht findet das Kinderprogramm dann auf Probebühne 4 am großen Festspielhaus ein Zuhause, wo auch die Kinderoper in den vergangenen Jahren stattfand.
Für Seraphin Feuchte ist die Idee aufgegangen, die hinter dem Jubiläums-Projekt stand. „Frau Wagner wollte was bewegen mit dem Kleinen Festspielhaus – und das haben wir geschafft.“
FAQ
Wie viele Menschen hat das Education-Programm erreicht?
Nach Angaben von Seraphin Feuchte waren es insgesamt rund 7.000 Menschen. Darin enthalten sind die Angebote im Mai und Juni sowie die Veranstaltungen während der Festspielzeit.
Kommt das Kleine Festspielhaus 2027 zurück?
Das Gebäude soll in dieser Form zunächst nicht wieder aufgebaut werden. Es gibt aber bereits erste Gespräche über eine Fortsetzung des Familien- und Education-Programms. Geplant ist ein kleineres und kontinuierliches Angebot.
Was passiert beim Familienpicknick?
Das kostenlose Familienpicknick findet am Sonntag, 23. August, von 11 bis 14 Uhr statt. Geplant sind unter anderem Spiel- und Bastelstationen, ein Mitmachorchester und weitere Angebote für Familien.











Bild mittels KI generiert
Eingang von Goldner in Münchberg. ©Goldner