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Auseinandersetzen statt Ausradieren – Cosima & Co. erhalten historische Einordnung
Bayreuth versieht sechs Straßenschilder historisch belasteter Persönlichkeiten mit zusätzlichen Infotafeln.
Mindestens sechs Straßen in Bayreuth tragen die Namen von Persönlichkeiten, die aus heutiger Sicht kritisch zu betrachten sind. Der Stadtrat hat sich nach intensiver Diskussion in einer eigenen Kommission dafür entschieden, diese Straßen nicht umzubenennen. Stattdessen bekommen die Schilder zusätzliche Informationstafeln, die über die jeweilige Person aufklären und einordnen, warum ihr Name heute umstritten ist. Der entsprechende Stadtratsbeschluss stammt vom 17. Dezember 2025 und geht auf einen Antrag von Dr. Christoph Rabenstein zurück.
Oberbürgermeister Dr. Andreas Zippel erklärte bei der Vorstellung des Projekts:
Ich glaube dass es auch wieder in dieser Woche, wo wir eine Person feiern deren Name hier auch eingeordnet wird, ein ganz wichtiges Zeichen ist dass sich Bayreuth immer mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt und zwar immer auch kritisch.
Welche Straßen ?
Konkret betrifft die Maßnahme sechs Straßennamen: die Richard-Wagner-Straße, die Cosima-Wagner-Straße, die Karl-Muck-Straße, die Ludwig-Thoma-Straße, die Hindenburg-Straße und die Bismarck-Straße. Vorgestellt wurde das Konzept exemplarisch an der Kreuzung Richard-Wagner-Straße/Cosima-Wagner-Straße – ein bewusst gewählter Ort, wie die Stadt betonte.
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Warum keine Umbenennung?
Für den Historiker, ehemaligen Landtagsabgeordneten und ehemaligen Stadtrat, Dr. Christoph Rabenstein, der den Antrag mit auf den Weg gebracht hat, ist die Entscheidung gegen eine Umbenennung bewusst getroffen. Sein Argument: Wer einen Namen einfach tilgt, beendet damit auch die Auseinandersetzung mit der Person.
„Es ist so, wenn man den Namen ausradiert dann ist er weg und auch die Diskussion. So wird die Diskussion über Richard Wagner
weiter stattfinden und man wird der Person Richard Wagner und alle anderen die hier dazugehören auch gerechter“
Denn Wagner sei einerseits ein großer Komponist, dessen Musik bis heute weltweit Publikum begeistere – andererseits aber auch Antisemit gewesen, was sich unter anderem in seiner Schrift „Das Judentum in der Musik“ zeige.
Wie sehen die neuen Schilder aus?
Unterhalb der bekannten Straßenschilder hängen künftig Zusatztafeln, die kurz erklären, wer die jeweilige Person war und warum ihr Wirken kritisch zu sehen ist.
So ist zum Beispiel am Straßenschild der Cosima-Wagner-Straße zu lesen:
Cosima Wagner (1837-1930), von 1883 bis 1908 Leiterin der Richard-Wagner-Festspiele. Umstrittene Persönlichkeit aufgrund ihrer antisemitischen Haltung
Umgesetzt wurde das Projekt in Zusammenarbeit von Stadtarchiv und Stadtmuseum.
Mehr Kontext per QR-Code geplant
Weil auf den kompakten Legendenschildern nur begrenzt Platz für Erklärungen ist, soll später ein QR-Code ergänzt werden. Martina Ruppert, Leiterin des Historischen Museums, kündigte an, dass darüber ausführlichere Hintergrundinformationen zu den Personen abrufbar sein sollen. Wie und wo genau die Codes angebracht werden, ist laut Ruppert noch offen.
Lebendige Erinnerungskultur
Oberbürgermeister Zippel ordnete das Projekt in den größeren Zusammenhang der städtischen Erinnerungskultur ein. Für ihn ist die Aufarbeitung ein fortlaufender Prozess. Er dankte ausdrücklich Martina Ruppert und Dr. Christoph Rabenstein für ihr Engagement bei der inhaltlichen wie gestalterischen Umsetzung.
Nicht nur ein Thema für Antisemitismus-Fälle
Wichtig ist der Stadt dabei eine Klarstellung: Es geht nicht ausschließlich um Persönlichkeiten mit Bezug zum Antisemitismus. Zippel betonte, dass die Regelung allgemein für geschichtliche Personen gelten soll, deren Wirken aus heutiger Sicht kritisch zu bewerten ist.
Bayreuth und die NS-Vergangenheit
Rabenstein verwies darauf, dass sich Bayreuth bereits an mehreren Stellen intensiv mit der eigenen NS-Geschichte auseinandergesetzt hat: Er nannte das Leuschnerhaus, das Mahnmal „Die verstummten Stimmen“ am Festspielhaus sowie das Mahnmal am Sternplatz. Die neuen Straßenschilder seien ein weiterer Baustein in dieser Aufarbeitung. Rabenstein machte aber auch deutlich, dass das Thema damit nicht abgeschlossen ist:
„Es bleibt eine Daueraufgabe, sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen.“
Bayreuth sei während der NS-Zeit eine „Hochburg“ gewesen, so Rabenstein weiter – auch das sei ein Grund, warum die Stadt hier besonders genau hinschauen müsse.
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Wie geht es weiter?
Zunächst wird das Zusatzschilder-Konzept an den sechs genannten Straßen umgesetzt. Rabenstein zeigte sich erfreut darüber, dass der Beschluss im Stadtrat mit großer Mehrheit gefasst wurde, und kündigte an, dass die Stadt am Thema drangbleiben werde. Die geplanten QR-Codes sollen das Angebot in einem nächsten Schritt um vertiefende Informationen ergänzen.
FAQ
Welche Straßen bekommen Zusatzschilder?
Betroffen sind die Richard-Wagner-Straße, die Cosima-Wagner-Straße, die Karl-Muck-Straße, die Ludwig-Thoma-Straße, die Hindenburg-Straße und die Bismarck-Straße.
Werden die Straßen umbenannt?
Nein. Der Stadtrat hat sich bewusst gegen eine Umbenennung entschieden und stattdessen für erklärende Zusatzschilder, die zur Einordnung der jeweiligen Person anregen sollen.
Was steht auf den neuen Schildern?
Kurze Informationen zur Person und dazu, warum sie umstritten ist. Zusätzlich ist ein QR-Code geplant, über den ausführlichere Hintergründe abrufbar sein sollen.












Symbolbild: Pixabay