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Erinnerungen an die Stadthalle Bayreuth
Lange haben wir auf die Eröffnung des Friedrichsforums gewartet. Doch möchten wir wir in diesem Zuge auf die Tage der „guten alten“ Stadthalle zurück blicken. Wer erinnert sich noch?
Erinnerungen an die Stadthalle
Vor wenigen Wochen ging das Friedrichsforum in der historischen Innenstadt von Bayreuth in den lang erwarteten Probebetrieb. Im Oktober 2026 soll die offizielle Eröffnung stattfinden. Viel umstritten war die Kernsanierung der ehemaligen Stadthalle im Stadtrat, wie auch in der Bevölkerung in Stadt und Land. Denn einige schwelgen mit leichter Wehmut in Erinnerungen an vergangene Zeiten und das ehrenvolle Gebäude, das auf eine lange Geschichte zurückblicken kann.
Von der Reit- zur Kulturhalle
Die Historie der Stadthalle Bayreuth reicht zurück ins 18. Jahrhundert. Zunächst ließ Markgraf Friedrich 1747/1748 in den Gebäuden eine Reithalle errichten. Die heutige Ludwigstraße hieß damals „Rennbahn“ und an dem Ort wurde mit Pferden trainiert. Daraus entstand der Ursprung.
1761 wurde die Halle auf der Ostseite verlängert und ein zweites Stockwerk aufgesetzt sowie in einem Neubau bereits damals ein kleines Theater eingerichtet. 1786 baute man ein zweites, noch kleineres Theater an, welches sogar beheizt werden konnte. Die Bühne im Reithaus wurde nach der Eröffnung des Festspielhauses 1876 kaum noch für Vorstellungen genutzt und schließlich für Requisiten zweckentfremdet. Die Reithalle stand leer und diente lediglich zum Abstellen von Lkws, bis am 30. September 1923 Adolf Hitler dort auf einem Pritschenwagen bei seinem ersten Auftritt in Bayreuth eine Rede hielt. Der Tag markierte auch seine erste Begegnung mit der Familie Wagner.
1933 erwarb die Stadt Bayreuth das Gebäude und stimmte zu, am Geißmarkt, eine Kongresshalle zu errichten. 1935 wurde vom Architekten Hans Reissinger der Eingangsvorbau der Stadthalle zum Jean-Paul-Platz hin in einen Veranstaltungsort umgebaut und 1936 vom damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Ludwig Siebert als Ludwig-Siebert-Halle eingeweiht. Sie sollte als zentraler Ort für einen Aufmarschplatz für große Veranstaltungen des Dritten Reichs dienen. 1938 wurde durch Abbruch der ehemaligen alten Stallungen am Geißmarkt ein weiterer großer Aufmarschplatz geschaffen.
Als nach den ersten großen Bombenangriffen am 5. April 1945 die ersten Bayreuther Bürger obdachlos wurden, war die Stadthalle für diese übergangsweise eine Unterkunft. Drei Tage später trafen die Brandbomben der US-Luftflotte die Halle selbst und das Hauptgebäude brannte bis auf die Umfassungsmauer nieder.
Doch das letzte, was man sich in Bayreuth nehmen ließ, war die Lebensfreude und so wurde 1948 durch die amerikanische Besatzungsmacht vom Fliegerhorst Bindlacher Berg eine Holzbaracke zur Verfügung gestellt, die am Standort der Stadthalle aufgestellt wurde. In dieser wurde ein behelfsmäßiges Kino und Theater errichtet. Im unzerstörten Seitenflügel wurde das „Neue Theater“ errichtet und wieder Feste und Faschingsbälle gefeiert. 1950 wurde auch der zerstörte Balkonsaal wieder aufgebaut.
Doch erst 1959 erging erneut an Hans Reissinger der Auftrag zur Planung des Wiederaufbaus. 1961 ließ man die Halle komplett entkernen, das östliche Ende zum Bühnenhaus wurde aufgestockt und 1965 durch Oberbürgermeister Hans Walter Wild eingeweiht. Bzgl. der Namensgebung setzte sich gegen alle Vorschläge aus der Bevölkerung der zeitlose Name Stadthalle durch.
Die wilden 70er
Im Jahr 1969 hatte die NPD in der Stadthalle die Durchführung ihres Parteitags geplant, was vom damaligen Stadtrat verhindert wurde. Daraufhin wurde die Nutzung des Gebäudes generell für politische Parteien gesperrt, was auch in den darauffolgenden Jahrzehnten immer wieder gesellschaftlich diskutiert wurde.
In den 1970er Jahren war das Haus ein beliebter Treffpunkt für die Jugend. Neben den klassischen gesellschaftlichen Veranstaltungen bot die Stadthalle nun auch der oberfränkischen Rock- und Pop-Szene eine Plattform. Doch der Schwerpunkt lag über all die Jahre dennoch eher auf Klassik, Theater und Musicals, wobei immer auch darauf geachtet wurde, dass Kinder im Programm nicht zu kurz kommen. Viele erinnern sich noch heute gern an die Märchenaufführungen, die sie dort mit ihren Schulklassen besuchten.
Legendäre Ballveranstaltungen
Für viele Bayreuther fester Bestandteil des Jahres sind die Ballveranstaltungen, wie die Nacht des Sports oder der Sportlerball, die neben der Festspielsaison zum festen kulturellen Highlight der Stadt zählen. In diesen Nächten wurde die Stadthalle auf allen Etagen zur Eventmeile und vereinte die Generationen. Auch in der Faschingszeit verwandelte sich das Haus regelmäßig in einen Ort für feiernde Menschen
Erweiterung zum heutigen Friedrichsforum
2017 beschloss der damalige Stadtrat den vollständigen Um- und Neubau des gesamten Areals in der Mitte der Stadt zum heutigen Friedrichsforum und die Tage der Stadthalle, wie man sie kannte, waren gezählt. Ziel ist es, eine Brücke zu schlagen zwischen den Menschen, die Kunst und Kultur konsumieren möchten, jedoch auch die Wirtschaft der Stadt zu beleben. Die Funktionalität steht dabei im Mittelpunkt, doch viele werden den Hauch der Nostalgie und die Emotionen, die schon beim Betreten der Räume ausgelöst werden, sicher vermissen.



Stadwerke Bayreuth. © bt-Redaktion
Symbolbild: Pixabay 








