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Bayreuther Festspiele konkretisieren Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman
Nach der Kontroverse um die zunächst abgesagte Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“ haben die Bayreuther Festspiele weitere Details zu der Veranstaltung am Premierenwochenende veröffentlicht. Zudem äußern sich Festspielleiterin Katharina Wagner und Michel Friedman zur Verständigung nach den Ereignissen der vergangenen Wochen.
Bei den Bayreuther Festspielen richtet sich im Jubiläumsjahr der Blick auch auf die dunklen Seiten der eigenen Geschichte. Mit der Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“ wollen die Bayreuther Festspiele an jüdische Künstlerinnen und Künstler erinnern, deren Wirken durch Hass, Verfolgung und Mord beendet wurde. Michel Friedman wird die Gedenkrede halten.
Nun steht fest: Die Veranstaltung findet am Sonntag, den 26. Juli um 10:30 Uhr im Festspielhaus statt.
Gerade im Jahr des 150-jährigen Bestehens seien sich die Bayreuther Festspiele ihrer historischen Verantwortung bewusst, heißt es in einer Mitteilung. Dies gelte sowohl für die antisemitischen Ansichten Richard Wagners als auch für die spätere enge Verflechtung der Festspiele und Teilen der Familie Wagner mit dem Nationalsozialismus.
Michel Friedman hält Gedenkrede
Trotz der Ereignisse der vergangenen Wochen habe sich Michel Friedman bereit erklärt, die Gedenkrede zu halten, schreiben die Festspiele. Unter dem Titel „Über Bayreuth, über Deutschland. Versuch einer Gesellschaftsanalyse“ will Michel Friedman die historische Verantwortung Bayreuths im Kontext der deutschen Geschichte und Gegenwart beleuchten.
Musikalisch gestaltet wird die Veranstaltung durch Kammermusik von Gustav Mahler und Pavel Haas sowie Richard Wagners „Siegfried-Idyll“, dirigiert von Semyon Bychkov.
Eintritt frei, Spenden erwünscht
Der Eintritt ist frei, Besucher benötigen jedoch Zählkarten. Zudem bitten die Festspiele um Spenden. Diese sollen über das Keshet Eilon Music Center jungen israelischen Musikerinnen und Musikern zugutekommen.
Katharina Wagner: „Ein ganz besonderes Anliegen“
Festspielleiterin Katharina Wagner macht deutlich, welche Wichtigkeit die Gedenkveranstaltung für sie hat:
„Die Auseinandersetzung auch mit den dunklen Aspekten der Geschichte der Bayreuther Festspiele sind für mich als Festspielleiterin von zentraler Bedeutung. Meine Freude ist daher groß, Michel Friedman im Festspielhaus willkommen heißen zu dürfen.“
Friedman spricht von einem „wichtigen politischen Signal“
Auch Michel Friedman äußerte sich zur Einigung mit den Festspielen:
„Katharina Wagner und ich gehen aufeinander zu, weil das Ziel, über Richard Wagners Judenhass und die Verstrickung mit Adolf Hitler bis weit in das 20. Jahrhundert hinein an diesem symbolträchtigen und wichtigen Jahrestag demonstrativ und konstruktiv diskutiert werden soll.“
Besonders beeindruckt habe ihn, dass die Spendenerlöse jungen israelischen Musikerinnen und Musikern zugutekommen sollen. „Damit wird ein wichtiges politisches Signal gegen den israelbezogenen Antisemitismus und den autoritären Boykott gegen israelische Künstlerinnen und Künstler gesetzt“, so Friedman weiter.
Zum Hintergrund: Absage sorgte bundesweit für Kritik
Nach einer Entschuldigung von Festspielleiterin Katharina Wagner erklärte sich Friedman schließlich bereit, doch nach Bayreuth zu kommen. Die Festspiele bestätigten daraufhin, dass „Verstummte Stimmen“ wie ursprünglich geplant am Premierenwochenende stattfinden werde.
Die Gedenkveranstaltung entsteht in Kooperation mit dem gleichnamigen Ausstellungsprojekt „Verstummte Stimmen“, das die Vertreibung jüdischer Künstlerinnen und Künstler von deutschen Bühnen dokumentiert.
An dem Ort, der wie kaum ein anderer für Richard Wagner steht, soll damit im Jubiläumsjahr Raum für die kritische Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der Geschichte der Bayreuther Festspiele geschaffen werden.












Foto: Polizei Pegnitz
Artistin Veronika in der "Halbwasserwelt" im Zirkus Charles Knie ©Zirkus Charles Knie