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Zuletzt aktualisiert am 11. März 2025 | 09:26

Wohnraum

Bayreuths Wohnkrise im Alter – Pestel-Institut schlägt Alarm

von bt-Redaktion

Bis 2035 wird die Zahl der Ruheständler in Bayreuth auf 16.300 steigen, warnt das Pestel-Institut in einer aktuellen Untersuchung. Bereits heute fehlen rund 2.700 seniorengerechte Wohnungen.

Neubauten und eine umfassende Sanierungsoffensive sind dringend erforderlich, um mehr seniorengerechte Wohnungen in Bayreuth zu schaffen, so das Pestel-Institut. © Nils F. Hillebrand
Neubauten und eine umfassende Sanierungsoffensive sind dringend erforderlich, um mehr seniorengerechte Wohnungen in Bayreuth zu schaffen, so das Pestel-Institut. © Nils F. Hillebrand

Laut Matthias Günther vom Pestel-Institut ist der Wohnungsmarkt in Bayreuth mit der neuen Rentnergeneration überfordert. „Es gibt einen massiven Mangel an altersgerechten Wohnungen – und das Problem wird sich noch verschärfen“, erklärt er. Viele der bestehenden barrierearmen Wohnungen werden zudem von Familien genutzt, sodass für Senioren noch weniger verfügbar ist.

Laut Pestel-Institut gibt es in Bayreuth rund 40.800 Haushalte, in 29 Prozent davon leben Senioren. Schon jetzt fehlen etwa 2.700 altersgerechte Wohnungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Doch der Wohnungsmarkt kann diesen Bedarf nicht decken.

Die Situation sei sogar noch kritischer: Viele barrierefreie Wohnungen werden von Familien genutzt, da schwellenlose Zugänge, breite Türen und geräumige Flure auch für Kinderwagen praktisch sind. Das verschärft den Mangel für ältere Menschen zusätzlich, so Günther.

Sanierung und Neubau dringend erforderlich

Neben Neubauten sei eine Sanierungsoffensive nötig, um mehr seniorengerechte Wohnungen zu schaffen, empfehlt das Pestel-Institut. Doch bisher fehle ein entsprechendes politisches Programm. „Die Bundesregierung ignoriert die graue Wohnungsnot“, kritisiert Günther.

Schon gelesen? Pflege in Zahlen: Warum Bayreuth dringend handeln muss.

Politischer Handlungsbedarf: Wohnungsbau als Priorität

Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), fordert CSU und SPD auf, das Thema in den Koalitionsverhandlungen zu priorisieren. „Der Wohnungsbau braucht einen gewaltigen Schub, um bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum zu schaffen“, betont sie.

Die Wohnungsnot berge nicht nur soziale, sondern auch wirtschaftliche Risiken. „Wer schlecht wohnt, fühlt sich schlecht regiert“, warnt Metzger. Zudem drohen Arbeitsplatzverluste im Baugewerbe, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden.

Altersarmut bei Miet-Senioren

Das Pestel-Institut warnt vor zunehmender Altersarmut unter Senioren, die zur Miete wohnen. „Bei vielen Baby-Boomern gab es immer wieder Phasen von Arbeitslosigkeit. Außerdem waren die geburtenstarken Jahrgänge die, die oft zum Niedriglohn gearbeitet haben. Also gehen viele der Baby-Boomer mit einer eher kleinen Rente nach Hause. Ihre Miete können sie sich damit nicht mehr leisten – sie wird zur ‚K.o.-Miete‘. In Zukunft werden also deutlich mehr Menschen als heute in Bayreuth auf staatliche Unterstützung angewiesen sein, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben“, prognostiziert Günther.

Die Studie nimmt auch die Mietkosten der Senioren genauer unter die Lupe. Demnach liege die durchschnittliche Kaltmiete in Bayreuth derzeit bei rund 7,10 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. 72 Prozent der Seniorenhaushalte zahlten jedoch weniger als diesen Durchschnitt. Nach Angaben des Pestel-Instituts würden etwa 3.800 Haushalte in Bayreuth, in denen ältere Menschen lebten, derzeit unterhalb der Durchschnittsmiete liegen.

Wohnraumförderung als Lösung?

„Noch jedenfalls“, betont Matthias Günther. Dies werde sich allerdings spürbar ändern, wenn der Staat nicht stärker den Neubau von Seniorenwohnungen sowie den altersgerechten Umbau bestehender Wohnungen fördere.

In diesem Zusammenhang warnt der Wissenschaftler:

„Eine Wohnung altersgerecht umzubauen, kostet Geld und treibt die Miete in die Höhe. Doch viele ältere Menschen können sich weder eine höhere Miete noch die Kosten für eine seniorengerechte Sanierung ihrer Wohnung leisten.“

Altersgerechter Wohnraum statt teurer Pflegeheime

Dabei sei es für die öffentlichen Kassen langfristig sogar günstiger, altersgerechten Wohnraum zu schaffen. „Andernfalls sind viele ältere Menschen gezwungen, in ein Pflegeheim zu ziehen. Doch die Kosten für einen Heimplatz stehen auf Dauer in keinem Verhältnis zu den Investitionen, die der Staat tätigen müsste, um eine altersgerechte Wohnung zu schaffen“, erkläre Günther abschließend.

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