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Bürgerfest: Infostand verteilt Teststreifen und informiert über K.-o.-Tropfen
Beim Bayreuther Bürgerfest soll kurzfristig ein Infostand eingerichtet werden, an dem kostenlose Teststreifen zum Nachweis von K.-o.-Tropfen sowie Informationsbroschüren verteilt werden. Der Verein hinter der Aktion sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Prävention. Stadt und Polizei bewerten den Einsatz der Teststreifen hingegen zurückhaltend.
K.-o.-Tropfen sind seit Jahren immer wieder Thema, wenn es um die Sicherheit auf Festen, in Bars oder Clubs geht. Gemeint sind Substanzen, die unbemerkt in Getränke gemischt werden und die Wahrnehmungs- sowie Reaktionsfähigkeit der betroffenen Person stark beeinträchtigen können. Da sich die Stoffe häufig innerhalb kurzer Zeit im Körper abbauen, ist ein späterer Nachweis oft nur schwer möglich.
Bundesweit gibt es zu K.-o.-Tropfen keine einheitliche Statistik. Entsprechende Fälle werden von den Polizeibehörden nicht gesondert erfasst, sodass belastbare Aussagen zur tatsächlichen Häufigkeit kaum möglich sind. Diskutiert wird zudem, wie zuverlässig handelsübliche Teststreifen zum Nachweis solcher Substanzen tatsächlich sind. Städte, Veranstalter und Sicherheitsbehörden gehen deshalb unterschiedlich mit dem Thema um. Auch rund um das Bayreuther Bürgerfest stellt sich derzeit die Frage, welche Präventionsmaßnahmen sinnvoll sind.
Broschüre, Ansprechpartner und Rund 2000 Teststreifen
Der Verein PRO Bayreuth richtet beim Bürgerfest einen Infostand gegenüber der Grünen Bar in der Nähe der Stadtkirche ein. Dort sollen Ehrenamtliche rund 2.000 Teststreifen zum Nachweis von K.-o.-Tropfen sowie Informationsbroschüren verteilen.
Die Initiative sei ursprünglich von der dritten Vorsitzenden des Vereins, Nicole Schmidt, gemeinsam mit der ersten Vorsitzenden Sabrina Haugg ausgegangen, teilt der erste Vorsitzende von PRO Bayreuth e. V. und Stadtrat der Wählergemeinschaft PRO Bayreuth, Karl-Heinz Breitzmann, mit.
Laut Breitzmann sei dies erst der Auftakt: Bei entsprechender Resonanz sollen weitere Veranstaltungen folgen. Doch weil dies auf ehrenamtliche Basis stattfindet, sind Spendengelder und Sponsoren an den Gemeinnützigen Verein PRO Bayreuth weiterhin gesucht um den Teststreifen zu kaufen. Der Plan wäre bei weiteren Veranstaltungen die Präventionsarbeit weiter zu verfolgen.
Als Motivation nennt Breitzmann eine hohe Dunkelziffer an Betroffenen, die sich nicht offiziell meldeten. Er verweist unter anderem auf den Fall einer ihm bekannten 55-Jährigen. Auch wenn Teststreifen keine hundertprozentige Sicherheit böten, könnten sie im Verdachtsfall helfen, schnell zu reagieren und Hinweise an Rettungskräfte weiterzugeben, so Breitzmann.
Er hat das Anliegen in seiner Funktion als Stadtrat zunächst als Eilantrag bei der Stadt eingereicht. Rückblickend räume er jedoch ein, dass dies nicht der richtige Weg gewesen sei, da die Angelegenheit in die Zuständigkeit der Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH (BMTG) falle.
Stadt und Polizei sehen Teststreifen kritisch
Das Ordnungsamt habe mit Blick auf den Antrag von Stadtrat Breitzmann die Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt um eine generelle Einschätzung der Problematik K.-o.-Tropfen in Bayreuth gebeten, teilt Stadtsprecher Joachim Oppold mit. Der Polizei seien im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen weder in Bayreuth noch in Oberfranken Auffälligkeiten bekannt.
„Gelegentlich kommt es zu entsprechenden Meldungen, zum Beispiel im Nachgang von Veranstaltungen, aber auch nach privaten Treffen. Die Nachweisführung im Nachhinein gestaltet sich häufig schwierig, insbesondere wenn eine Anzeige erst nach mehr als einem Tag erstattet wird.“
Nachdem sich Breitzmann direkt an die Veranstalterin BMTG gewandt hatte, sei die Genehmigung für den Infostand kurzfristig erteilt worden. Voraussetzung sei, dass der Stand frei von parteipolitischen Bezügen und Werbung bleibe. An der grundsätzlichen Einschätzung von Stadt und Polizei ändere dies jedoch nichts, so Oppold.
Polizei: Keine gesonderte Erfassung von K.-o.-Tropfen-Fällen
Die Polizei erklärt auf Anfrage, dass Straftaten im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen weder im Bereich des Polizeipräsidiums Oberfranken noch bayernweit gesondert statistisch erfasst würden. Belastbare Aussagen zu Fallzahlen oder einer möglichen Häufung im Zusammenhang mit Veranstaltungen wie dem Bürgerfest seien daher nicht möglich.
Zur Verlässlichkeit von Teststreifen zum Nachweis von K.-o.-Tropfen äußert sich die Polizei kritisch. Deren wissenschaftliche Aussagekraft sei bislang nicht ausreichend belegt. Wirkungsvoller sei es, das eigene Getränk stets im Blick zu behalten und nicht unbeaufsichtigt stehen zu lassen.
Bei einem konkreten Verdacht rät die Polizei zu schnellem Handeln: Betroffene sollten umgehend die Polizei verständigen und medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, da die verwendeten Substanzen häufig nur für kurze Zeit im Körper nachweisbar seien.
Polizei gibt Tipps zum Eigenschutz
Die Polizei empfiehlt:
- Offene Getränke nicht unbeaufsichtigt stehen lassen.
- Getränke möglichst selbst bestellen und entgegennehmen.
- Von Unbekannten angebotene Getränke nur in verschlossenen Originalflaschen annehmen.
- In der Gruppe aufeinander achten – insbesondere dann, wenn sich der Zustand einer Person plötzlich verschlechtert.
Prävention vor einem unbekannten Ausmaß des Problems
Während PRO Bayreuth mit dem Infostand auf dem Bürgerfest auf niedrigschwellige Prävention und kostenlose Teststreifen setzt, mahnen Stadt und Polizei zu einer realistischen Einordnung ihrer Aussagekraft. Belastbare Zahlen zum tatsächlichen Ausmaß des Problems in Bayreuth liegen bislang nicht vor, sodass sich der tatsächliche Bedarf solcher Maßnahmen nur schwer beurteilen lässt. Grundsätzlich zeigt sich die Stadt jedoch offen für künftige Präventionsmaßnahmen bei städtischen Veranstaltungen – vorausgesetzt, sie bieten einen erkennbaren Mehrwert und bleiben frei von parteipolitischen Bezügen.












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