Zuletzt aktualisiert am
Bürgerstars kritisieren: Sichert die Stadt ihre eigenen Feste lascher als andere?
Wer in Bayreuth ein Fest veranstalten will, muss sich um Zufahrtsschutz kümmern – Poller, Sperren, Sicherheitsabstände. Genau daran entzündet sich jetzt Streit: Die Bürgerinitiative Bürgerstars um Bodo Löppert wirft der Stadt vor, bei eigenen Veranstaltungen andere Maßstäbe anzulegen als bei privaten Veranstaltern. Die Stadt Bayreuth weist das zurück.
Löppert, der mit seiner Initiative in Bayreuth bereits mehrfach mit unkonventionellen Vorschlägen aufgefallen ist – zuletzt etwa mit dem Angebot eines kostenlosen mobilen NS-Infozentrums – geht nun mit der Stadt hart ins Gericht. Im Kern geht es um eine Konstellation, die Löppert für „ungewöhnlich“ hält: Die Stadt legt über die Bayreuth Marketing und Tourismus GmbH (BMTG) die Anforderungen an den Zufahrtsschutz selbst fest, genehmigt die eigene Planung und kontrolliert am Ende auch noch selbst, ob sie eingehalten wird.
„Wir halten es deshalb für dringend erforderlich, die organisatorische Zuständigkeit beim Zufahrtsschutz in Bayreuth grundsätzlich zu überprüfen.“
— Bodo Löppert, Bürgerstars
Warum am La-Spezia-Platz kein Public Viewing möglich war
Ausgangspunkt der Debatte ist der La-Spezia-Platz im Opernviertel. Für dortige Public-Viewing-Pläne hatte die Stadt eine 30 Meter große Schutzzone zwischen Veranstaltungsgelände und Zufahrtssperren verlangt – eine Auflage, an der bereits mehrere geplante Veranstaltungen am Platz gescheitert sind. Aufgrund seiner Lage ist der La Spezia Platz extrem schwer abzusichern. Auf bt-Nachfrage erklärt Pressesprecher Joachim Oppold, wie diese Zone zustande kommt:
„Hier wird die Zertifizierung der Sperreinrichtungen herangezogen und Rücksprache mit der Polizei gehalten.“
— Joachim Oppold, Pressesprecher der Stadt Bayreuth
Am La-Spezia-Platz würde die geforderte Zone laut Stadt bedeuten, dass Kanalstraße, Opernstraße und Teile des Luitpoldplatzes komplett gesperrt werden müssten – mit erheblichen Folgen für Anwohner und Busverkehr. In der Fußgängerzone, etwa beim Weinfest, ist die Ausgangslage eine andere, weil dort ohnehin kein Durchgangsverkehr fließt. Auf die Frage, ob städtische und private Veranstaltungen nach denselben Kriterien bewertet werden, antwortet die Stadt knapp: Ja, ausnahmslos.
Dass die Sicherheitslage rund um den Platz die Stadt schon länger beschäftigt, zeigt auch ein Antrag der SPD-Fraktion im Stadtrat, der ein eigenes Sicherheitskonzept für das Opernviertel forderte, nachdem dort reihenweise Events wegen der Auflagen abgesagt werden mussten.
Weinfest und Bürgerfest: Warum Gastro-Flächen außen vor bleiben
Löppert kritisiert außerdem, dass beim Bayreuther Weinfest die Außengastronomie des Lokals Oskar sowie der angrenzende Wasserspielplatz direkt außerhalb der Absperrung liegen – obwohl sich dort ebenfalls Menschen aufhalten. Die Stadt argumentiert, bestehende Freischankflächen ansässiger Gastronomiebetriebe gehörten schlicht nicht zur Veranstaltungsfläche und fielen deshalb auch nicht unter die veranstaltungsbezogene Absicherung. Wie groß diese Fläche ist, legt der Veranstalter beim Amt für öffentliche Ordnung, Brand- und Katastrophenschutz (OBK) fest; danach richtet sich die Position der Sperren.
Dieselbe Argumentation liefert die Stadt für die Außenbestuhlung einer Eisdiele an der Badstraße, die beim Bürgerfest 2026 nach Löpperts Beobachtung innerhalb der eigentlich als Schutzzone gedachten Fläche lag und genutzt wurde. Löppert hält dagegen: Für die Gefährdungsbeurteilung dürfe nicht nur zählen, wer offiziell als Besucher gezählt wird, sondern wer sich tatsächlich im gefährdeten Bereich aufhält – also auch Anwohner, Gastronomiegäste oder spielende Kinder.
Kritik am Aufbau: Ungesicherte Sperren am Oskar
Neben der Planung nimmt Löppert auch den praktischen Betrieb der Sperren ins Visier. Nach seiner Beobachtung waren die vor dem Oskar aufgestellten mobilen Fahrzeugsperren (Pitagone) beim Weinfest nicht mit den vorhandenen Stahlseilen am sogenannten Oktablock verbunden – am Mühltürlein dagegen schon, wie Löppert einräumt. Die Stadt bestätigt, dass die Befestigung mit den Stahlseilen erst unmittelbar vor Veranstaltungsbeginn erfolgt, hält sie aber ohnehin für nicht entscheidend:
„Eine zwingende Befestigung mit Stahlseilen ist für die Wirkung der Zufahrtssperren nicht maßgeblich. Die Stahlseile dienen lediglich dem Schutz vor Diebstahl oder Verschieben.“
— Joachim Oppold, Pressesprecher der Stadt Bayreuth
Rettungsfahrzeuge könnten die Sperren im Einsatzfall jederzeit mit Schlüssel öffnen, so die Stadt weiter. Kontrolliert werde regelmäßig durch die Sicherheitsbehörde, den Veranstalter und gegebenenfalls einen beauftragten Sicherheitsdienst.
Mobilitätstage: Notarzteinsatz statt Rettungsübung
Für Klärungsbedarf sorgt aus Löpperts Sicht auch ein Vorfall bei den Bayreuther Mobilitätstagen am 11. April 2026: Eine Zufahrtssperre sei nach der Durchfahrt eines Rettungsfahrzeugs längere Zeit nicht wieder geschlossen worden. Die Stadt korrigiert hier zunächst die Darstellung: Es habe sich nicht um eine Übung gehandelt, sondern um den realen Einsatz eines Notarztes. Die Sperre sei umgehend nach der Durchfahrt wieder geschlossen worden. Grundsätzlich gelte:
„Der Rettung eines Menschenlebens, welche unmittelbar aufgrund eines medizinischen Notfalls eingeleitet werden muss, gebührt höhere Priorität als dem kurzfristigen Schließen einer Zufahrtsperre.“
— Joachim Oppold, Pressesprecher der Stadt Bayreuth
Wer plant, wer prüft, wer kontrolliert?
Im Zentrum von Löpperts Kritik steht die Frage nach der Gewaltenteilung innerhalb der Verwaltung. Laut Stadt liegt die Zuständigkeit für die Planung des Zufahrtsschutzes bei ihr selbst als Sicherheitsbehörde. Die Pflicht, ein Sicherheitskonzept zu erstellen, ergebe sich aus der behördlichen Einzelfallprüfung – verantwortlich für Erstellung und Umsetzung sei aber grundsätzlich der jeweilige Veranstalter, auch wenn das bei städtischen Events wie dem Weinfest über die BMTG läuft. Die Stadt selbst kontrolliere anschließend, ob die eigenen Vorgaben eingehalten werden. Löppert sieht darin ein strukturelles Problem, weil Planung, Genehmigung, Umsetzung und Kontrolle in einer Hand liegen können. Die Stadt betont dagegen, die Verantwortung liege „nicht nur in einer Hand“, weil das vorgelegte Konzept von Stadt und Polizei geprüft werde, während die Umsetzung anschließend beim Veranstalter liege.
Die Bürgerstars haben nach eigenen Angaben der Stadt bereits mehrfach schriftlich angeboten, kostenlos bei Planung und Prüfung von Zufahrtsschutzkonzepten zu unterstützen – unter anderem mit einem KI-gestützten Bewertungsprogramm. Eine Antwort darauf habe man bislang nicht erhalten. Vor dem nächsten großen Termin, der Festa Italica, dürfte die Frage nach klaren Zuständigkeiten für Löppert damit weiter offen sein.
Für die Stadt hingegen scheinen aktuell alle Fragen geklärt zu sein.
Update, 28. August 2026
Nach Veröffentlichung dieses Artikels hat sich Bodo Löppert bei der Redaktion gemeldet. Am Artikel selbst übt er keine Kritik – er widerspricht jedoch einzelnen Aussagen von Stadtsprecher Joachim Oppold zum Zufahrtsschutz. Nach Löpperts Darstellung wurden die Sicherungsseile am Weinfest-Stand vor dem Oskar nicht, wie von der Stadt angegeben, rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn befestigt. Zudem sei die Zufahrtssperre bei den Mobilitätstagen am 11. April 2026 nach seiner Beobachtung und der weiterer Zeugen, darunter der Landtagsabgeordnete Stefan Frühbeißer, deutlich länger als „umgehend“ geöffnet geblieben. Die Redaktion dokumentiert damit beide Positionen, kann den genauen Ablauf in beiden Fällen aber nicht abschließend verifizieren.
Häufige Fragen
Was ist die 30-Meter-Schutzzone beim Zufahrtsschutz in Bayreuth?
Sie bezeichnet laut Stadt Bayreuth den geforderten Abstand zwischen dem eigentlichen Veranstaltungsgelände und den aufgestellten Zufahrtssperren. Die Größe richtet sich nach der Zertifizierung der Sperren und wird mit der Polizei abgestimmt.
Warum konnte am La-Spezia-Platz kein Public Viewing stattfinden?
Weil die geforderte Schutzzone dort einen großen Teil der umliegenden Straßen für den gesamten Zeitraum der Veranstaltung gesperrt hätte – mit erheblichen Einschränkungen für Anwohner und den Busverkehr.
Warum lag die Außenbestuhlung der Eisdiele beim Bürgerfest innerhalb der Schutzzone?
Nach Angaben der Stadt zählen bestehende Freischankflächen ansässiger Gastronomiebetriebe nicht zur eigentlichen Veranstaltungsfläche, können aber darin liegen.
Wer ist in Bayreuth für Planung und Kontrolle des Zufahrtsschutzes zuständig?
Die Stadt ist als Sicherheitsbehörde für die Planung zuständig, die Umsetzung des Sicherheitskonzepts liegt beim jeweiligen Veranstalter, die Kontrolle wieder bei der Stadt.
Was werfen die Bürgerstars der Stadt konkret vor?
Die Initiative um Bodo Löppert kritisiert, dass die Stadt Anforderungen festlegt, die eigene Planung genehmigt und deren Umsetzung selbst kontrolliert – und sieht darin eine Bündelung von Zuständigkeiten, die Fehler begünstigen kann.












Archivbild: Redaktion
Auch der Schornstein wird 2026 wieder ein Stück mehr Kunst. Bild: Maisel & Friends