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Zuletzt aktualisiert am 22. November 2025 | 14:49

Schockanrufe

Deutsch-slowakischer Ermittlungserfolg: Callcenter für Schockanrufe in Poprad zerschlagen

von Katharina Müller-Sanke

In einer koordinierten internationalen Aktion haben Ermittlungsbehörden aus Deutschland und der Slowakei ein mutmaßliches Callcenter für sogenannte „Schockanrufe“ in der Stadt Poprad aufgedeckt und zerschlagen. Acht Verdächtige sitzen in Haft. 

Polizeieinsatz in der Slowakei. ©Polizeipräsidium Oberfranken
Polizeieinsatz in der Slowakei. ©Polizeipräsidium Oberfranken

„Mama… bitte… ich hab solche Angst… ich weiß nicht, was ich tun soll… du musst mir helfen“

„Guten Tag, hier spricht Polizeihauptkommissar Meier von der Verkehrspolizei. Bitte setzen sie sich erstmal. Ihre Tochter steht hier bei uns völlig unter Schock, deshalb habe ich das Gespräch übernommen.“

„Was ist denn passiert? Meine Tochter Michaela klingt ja furchtbar!“

„Es hat eben einen schweren Unfall gegeben. Ihre Tochter Michaela war beteiligt und trägt die Schuld daran. Wir müssen das jetzt klären, sonst geht ihre Tochter heute noch in Haft.“

So oder ähnlich laufen Schockanrufe in der Regel ab.

Schockanrufe: eine perfide Betrugsmasche

Bei Schockanrufen setzen die Täter vor allem ältere Menschen massiv unter Druck, indem sie angebliche Notlagen von Angehörigen vortäuschen. Ziel ist es, die Opfer zu schnellen Geldzahlungen zu bewegen. Typische Szenarien reichen von fingierten Unfällen bis hin zu angeblichen Haftandrohungen. Die Gespräche sollen die Opfer emotional unter Druck setzen. Auch in Bayreuth haben schon mehrfach Menschen nach solchen Anrufen teilweise 10-tausende Euro an Betrüger gezahlt

Gemeinsame Ermittlungen führten zum Erfolg

Im aktuellen Fall haben internationale Ermittlungen der Kriminalpolizei in Bayreuth und der Staatsanwaltschaft zur Zerschlagung einer mutmaßlichen Betrügerzelle geführt. Die slowakischen Behörden hatten einen entsprechenden Verdacht nach Bayreuth gemeldet. Schnell wurden daraufhin Überwachungsmaßnahmen eingeleitet und so konnten rund 1000 Anrufe innerhalb weniger Tage  –  teilweise im Sekundentakt – registriert werden. Die Anrufe zielten auf Menschen in Deutschland, teilweise in Bayern ab. Durch das schnelle Eingreifen konnten mehrere Betrugsversuche und Geldübergaben verhindert werden. Ob unter den Opfern dieser Betrügerzelle auch Menschen aus Oberfranken waren, ist nicht bekannt.

Zugriff in Poprad

Nachdem die laufenden Anrufe überwacht und ausgewertet wurden, konnten die Täter am 14. November 2025 in einem Apartment in Poprad gefasst werden. Bei der Durchsuchung trafen die Einsatzkräfte auf acht Tatverdächtige sowie vier Kinder. Mehrere Täter versuchten, Beweismittel zu vernichten, indem sie Laptops zerstörten und Handys aus dem Gebäude warfen.

Dennoch gelang es den Beamten, umfangreiches Beweismaterial zu sichern, darunter Aufzeichnungen, Laptops, Handys und zahlreiche SIM-Karten. Die gesicherten Daten sollen nun für die weiteren Ermittlungen ausgewertet werden.

Acht Tatverdächtige in Haft

Die drei deutschen und fünf polnischen Staatsangehörigen im Alter von 24 bis 51 Jahren wurden vor einem Ermittlungsrichter in Prešov vorgeführt. Gegen alle erließ der Richter Haftbefehl.

Die erfolgreiche Aktion zeigt, wie wichtig die grenzüberschreitende Zusammenarbeit europäischer Polizeibehörden ist. Europol unterstützte die Ermittlungen durch den Austausch von Falldaten zwischen Deutschland und der Slowakei.

So schützen Sie sich vor Schockanrufen

Die Polizei rät dringend:

  • Geben Sie kein Geld oder Wertgegenstände an Unbekannte.
  • Überprüfen Sie die Notlage über bekannte Telefonnummern von Angehörigen.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, egal wie dringend der Anruf erscheint.
  • Beenden Sie verdächtige Anrufe und kontaktieren Sie sofort die Polizei unter 110.

Durch Aufmerksamkeit und schnelle Meldung können weitere Betrugsfälle verhindert werden.

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