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Cybercrime-Ermittler aus Bayreuth: Zwei Festnahmen in „Hackerville“
Ermittler haben ein Betrugsnetzwerk zerschlagen, das seriöse Fahrzeughändler-Konten gekapert und darüber Tausende gefälschte Inserate veröffentlicht hat. Der Schaden geht in die Hunderttausende Euro – und die Ermittlungen laufen unter Federführung des Polizeipräsidiums Oberfranken, das seinen Sitz in Bayreuth hat.
Zwei mutmaßliche Hintermänner sitzen inzwischen in Deutschland in Untersuchungshaft. Festgenommen wurden sie in Râmnicu Vâlcea, jener rumänischen Stadt, die wegen ihrer langen Geschichte als Zentrum international agierender Cyberkrimineller den Spitznamen „Hackerville“ trägt.
Wie die Betrüger vorgingen
Die Tätergruppe soll sich unberechtigt Zugang zu Benutzerkonten seriöser Fahrzeughändler auf Online-Plattformen verschafft und dort gefälschte Fahrzeuginserate veröffentlicht haben. Zusätzlich fälschten sie bei den vermeintlichen Verkäufen Rechnungen. Kaufinteressenten überwiesen ihr Geld dadurch nicht an die echten Händler, sondern auf Konten in Deutschland und Spanien, die die Täter selbst kontrollierten.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler soll die Gruppe seit September 2025 mehrere hundert Händlerkonten übernommen und über 5.000 gefälschte Fahrzeugangebote veröffentlicht haben. Der Schaden für gutgläubige Käuferinnen und Käufer liegt aktuell bei mehr als 660.000 Euro.
Bayreuth als Sitz der ermittelnden Behörde
Die Ermittlungen laufen seit Januar 2026 gemeinsam durch Spezialstaatsanwälte der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) und die eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe „Cardealer“ bei der Kriminalpolizeiinspektion Coburg.
Festnahme in Hackerville
Im Zuge der Ermittlungen gelang es den Fahndern, zwei Tatverdächtige zu identifizieren: einen 40-jährigen und einen 44-jährigen rumänischen Staatsangehörigen. Bei einem gemeinsamen Einsatz mit den rumänischen Behörden am 7. Juli 2026 wurden beide in Râmnicu Vâlcea festgenommen, ihre Wohnungen durchsucht. Zwei Staatsanwälte der Zentralstelle Cybercrime Bayern und Ermittler der Kriminalpolizeiinspektion Coburg waren vor Ort direkt beteiligt.
Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler Bargeld und Goldmünzen im Wert von rund 100.000 Euro sicher, die noch vor Ort an die deutschen Beamten übergeben wurden. Beide Beschuldigte wurden mittlerweile nach Deutschland ausgeliefert und dem Haftrichter vorgeführt. Sie sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.
Warum ausgerechnet Râmnicu Vâlcea?
Râmnicu Vâlcea trägt in den Medien seit Jahren den Beinamen „Hackerville“, weil die rund 100.000 Einwohner zählende Stadt in den Karpatenausläufern zwei Autostunden westlich von Bukarest sich zu einem internationalen Zentrum für Cyberkriminalität entwickelt hat. Berichten zufolge nannte die Sicherheitsfirma Norton den Ort einmal sogar die „gefährlichste Stadt im Internet“. Auch der US-Botschafter in Bukarest bezifferte laut govtech.com den durch rumänische Hacker allein in den USA verursachten Schaden einmal auf umgerechnet rund eine Milliarde US-Dollar in einem einzigen Jahr.
Dass bayerische Ermittler dort immer wieder fündig werden, zeigen auch frühere Fälle: Erst im Sommer 2025 nahmen Nürnberger Kripo und Zentralstelle Cybercrime Bayern bei einem Action Day in Sibiu, Râmnicu Vâlcea und Dragasani drei weitere Tatverdächtige im Zusammenhang mit gekaperten Online-Händlerkonten fest.
Was die Zentralstelle Cybercrime Bayern macht
Die Zentralstelle Cybercrime Bayern besteht seit dem 1. Januar 2015 bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und ist bayernweit für herausgehobene Ermittlungsverfahren im Bereich der Cyberkriminalität zuständig. Sie arbeitet dafür eng mit Spezialisten der Landes- und Bundespolizei, dem Bundeskriminalamt, dem Zollfahndungsdienst sowie internationalen Partnern zusammen. Die Fälle reichen von Hackerangriffen über Vorkasse-Betrug mit Fake-Shops bis zu Ransomware und dem Handel mit Waffen, Drogen und Falschgeld im Darknet.
Wie sich Käuferinnen und Käufer schützen können
Ein Fahrzeuginserat auf einer bekannten Plattform ist kein Garant dafür, dass auch wirklich der angegebene Händler dahintersteckt. Wer online ein Auto kauft, sollte deshalb misstrauisch werden, wenn zur Kontaktaufnahme plötzlich eine andere Telefonnummer oder E-Mail-Adresse als auf der offiziellen Händler-Website verwendet wird, wenn zur Eile gedrängt wird oder wenn die Zahlung auf ein Konto erfolgen soll, das nicht erkennbar auf den Händler selbst läuft. Ein kurzer Anruf bei der offiziellen Telefonnummer des Autohauses vor der Überweisung kann im Zweifel vor einem hohen finanziellen Schaden schützen.
Häufige Fragen
Was ist mit „Hackerville“ gemeint?
So wird die rumänische Stadt Râmnicu Vâlcea in den Medien genannt, weil sich dort seit Jahren international agierende Cyberkriminelle konzentrieren.
Wie hoch ist der Schaden im aktuellen Fall?
Nach bisherigen Ermittlungen entstand gutgläubigen Fahrzeugkäuferinnen und -käufern ein Schaden von mehr als 660.000 Euro.
Wer ermittelt in dem Fall?
Die Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und die Ermittlungsgruppe „Cardealer“ der Kriminalpolizeiinspektion Coburg, gemeinsam mit rumänischen Behörden. Die Pressemitteilung dazu ging gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Oberfranken mit Sitz in Bayreuth heraus.
Was ist mit den Festgenommenen passiert?
Die beiden rumänischen Staatsangehörigen im Alter von 40 und 44 Jahren wurden nach Deutschland ausgeliefert, dem Haftrichter vorgeführt und sitzen nun in Untersuchungshaft.
Wie kann ich mich vor gefälschten Fahrzeuginseraten schützen?
Misstrauisch werden sollte man bei abweichenden Kontaktdaten, Zeitdruck beim Verkäufer und Zahlungsaufforderungen auf Konten, die nicht klar dem Händler zuzuordnen sind. Ein Anruf bei der offiziellen Nummer des Autohauses vor der Überweisung schafft Sicherheit.












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