Coronavirus

„Das Virus zerstören“: Bayreuther Bio-Labor mit ersten Erfolgen gegen das Coronavirus

Der Diplom Biologe Daniel Seitz forscht in Bayreuth an Wegen, wie das Coronavirus im Alltag zerstört werden kann.

Daniel Seitz ist Diplom Biologe. Mit Viren hatte er in seinem Job eigentlich nicht zu tun. Sein Forschungsinstitut BioMed Center Innovation gGmbH in Bayreuth kann aber etwas, was in der Corona-Pandemie weiterhelfen könnte. Das bt hat mit ihm gesprochen.

Bayreuther forscht, um Verbreitung von Coronaviren einzudämmen

Die BioMed Center Innovation gGmbH untersucht im Auftrag von Kunden aus der Industrie Materialien. Genauer gesagt geht es darum, wie sich Bakterien darauf verhalten. Mit der Corona-Pandemie ist das Thema Viren und wie diese sich auf Oberflächen verhalten, hinzu gekommen.

Die Türklinke, der Einkaufswagen vom Supermarkt, die FFP2 Maske: Worum es bei der Arbeit der BioMed Center Innovation gGmbH aus Bayreuth geht, ist die Entwicklung einer passenden Strategie, die Verbreitung einzudämmen, im besten Fall zu stoppen. Dazu werden im eigentlichen Biolabor Tests gemacht.

Materialtests mit echten Coronaviren in Bayreuth

Bei der BioMed Center gGmbH wird allerdings nicht mit dem Sars-CoV-2 geforscht. Es handle sich um eine ungefährliche Form von Corona-Viren, die längst bekannt sei: Humanes Coronavirus 229E. „Es ist eine für uns harmlose Variante, aber von allen Modellviren sicherlich am nächsten dran.“

Diese für den Menschen ungefährlichen Viren werden in Versuchsanordnungen auf Materialien wie etwa die einer Türklinke aufgebracht, um zu sehen, wie lange sie sich darauf halten. „Bis zu 24 Stunden“, sagt Seitz zur Haltbarkeit von Coronaviren auf vielen Oberflächen, die wir im Alltag regelmäßig anfassen.

Materialforschung aus Bayreuth gegen Corona: Das ist möglich

Getestet wird die antivirale Wirkung, also wie gut eine FFP-2 Maske gegen Corona wirkt, auf welchen Oberflächen sich das Virus besonders wohl fühlt und auf welchen eher nicht. Silberionen in einem Material würden bei Keimen eine gute Wirkung erzielen. Beim Coronavirus sehe das anders aus.

„In unserem S2-Labor führen wir sowohl klassische Verfahren der antiviralen Testung als auch eigens für die Testung von Oberflächen und zur Simulation der Tröpfchenübertragung durch. Der Wirkungsnachweis erfolgt durch Endpoint-Analyse mit der kompetenten Zelllinie.“

(Daniel Seitz, Geschäftsführer des BioMed Center Innovation gGmbH)

  • Testung der antiviralen Wirkung, fokussiert auf Coronaviren, von Substanzen, Lösungen, z.B. Desinfektionsmitteln in Anlehnung an die Leitlinien des RKI
  • Testung von Textilien auf antivirale Wirkung und Durchlässigkeit
  • Untersuchung der Wirkung von Materialien auf einen Modellcoronavirus (HCoV 299E)
  • Sprühverneblung des Virus zur Testung der Wirkung von antiviralen Oberflächen bzw. Oberflächenbehandlungen auf die Reduktion der Infektiosität
  • Abhängigkeit von Tröpchengröße, Zeit, Belegungssubstanzen (e.g. Proteine, Fette)

Die Oberflächen werden mit dem Virus kontaminiert. Danach wird von dieser Oberfläche eine Probe genommen. Diese Probe wird zu lebenden Zellen gegeben, um zu sehen, wie effektiv das Material gegen das Virus wirkt. Dieses Ergebnis wird mit einem Test mit nicht wirkendem Material und einem Blindtest ohne Viren verglichen.

Corona-Materialforschung aus Bayreuther Biolabor: Erste Erfolge

Zurück zur Arbeit von Dipl. Biologe Daniel Seitz und seinem Team von BioMed Center Innovation gGmbH: Die Kunden schicken die Materialen, um sie dort auf ihre antivirale Wirkung testen zu lassen. Es gibt bereits Erfolge zu vermelden: „Tatsächlich vernichtet ein Textil der Firma VirodiQ in Hamburg zuverlässig Coronaviren, auch eine Beschichtung hat z.B. bereits funktioniert“, berichtet Seitz.

Und sie haben Großes vor: „Jetzt soll für die Testung der Schutzwirkung von Masken eine komplizierte Apparatur aufgebaut werden – eine Investition, für die das Forschungsinstitut externe Gelder braucht.“

Bayreuther Tagblatt - Raphael Weiß

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Raphael Weiß