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Hörl-Figuren

Sieben Dinge, die Du über Ottmar Hörls Kunstinstallation auf dem Grünen Hügel wissen solltest

Während der Bayreuther Festspiele 2025 sorgt Konzeptkünstler Ottmar Hörl erneut für einen spektakulären Beitrag zum kulturellen Rahmenprogramm in der Festspielstadt. Mit einer neuen Installation will er Besucher berühren. Und es wurde eine neue Strategie ersonnen, damit die Figuren nicht geklaut werden. 

Ottmar Hörl, König Ludwig ll., Der Mäzen, 2025, Foto: Eva Schickler
Ottmar Hörl mit dem diesjährigen Kunstwerk: Der Mäzen @Hörl
24. Juli: Künstler Ottmar Hörl stellt seine Skulptur "die Verneigung" für die Saison 2024 vor. © Dirk Ellmer
Ottmar Hörl hat vor dem Festspielhaus seine Installation Ludwig II. aufgebaut. @Dirk Ellmer
Ottmar Hörl hat vor dem Festspielhaus seine Installation Ludwig II. aufgebaut. @Dirk Ellmer
Ottmar Hörl hat vor dem Festspielhaus seine Installation Ludwig II. aufgebaut. @Dirk Ellmer
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20250722 Ottmar Hörl mit dem Mäzen
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Installation von Ottmar Hörl vor dem Festspielhaus
Ottmar Hörl vor dem Festspielhaus
Installation von Ottmar Hörl vor dem Festspielhaus
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Vom 25. Juli bis 26. August 2025 wird der Grüne Hügel in Bayreuth auch in diesem Jahr mit einer temporären Skulptureninstallation in Szene gesetzt: Unter dem Titel „Der Mäzen“ ehrt Ottmar Hörl den bayerischen König Ludwig II., der als bedeutender Förderer Richard Wagners in die Geschichte eingegangen ist.

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7 Dinge, die man über Ottmar Hörls Ludwig-Installation in Bayreuth wissen muss

1. Ludwig II. als unersetzlicher Wegbereiter für Bayreuth und Visionär

Ottmar Hörl würdigt König Ludwig II. als die treibende Kraft hinter Bayreuths internationaler Bedeutung im Kontext Wagners. Ohne ihn, so Hörl, gäbe es Bayreuth in seiner heutigen Form nicht. Ludwig wird dabei nicht nur als Mäzen, sondern als „geborener Künstler“ gesehen, der wie Wagner getrieben war, Neues zu erschaffen und die Gesellschaft voranzubringen. Seine Begeisterung für Wagners Opern lag in den Geschichten, dem Ideal des edlen Rittertums und den romantisierten Klischees begründet – eine Kompensation für die Härten der damaligen Realität.

„Ludwig mochte die Geschichten, das edle Rittertum. All die Klischees, die wir darüber haben. Von Burgfräulein und Co – obwohl Frauen in Wahrheit damals furchtbar schlecht behandelt wurden. Die Geschichten sollen die Schrecklichkeiten der Welt kompensieren. Das ist was Ludwig II ausmacht und das ist auch was ihm an Wagner gefiel.“

2. Zugänglichkeit im öffentlichen Raum überwindet Schwellenängste

Ein zentraler Aspekt von Hörls Arbeit im öffentlichen Raum ist die bewusste Gestaltung von Werken, die für jedermann sofort erkennbar und mental erschwinglich sind. Er berücksichtigt, dass viele Menschen wenig Berührungspunkte mit zeitgenössischer Kunst haben und sich vor abstrakten Werken oft überfordert oder sogar „angeekelt“ fühlen könnten, mit dem Gedanken „Das hätten sie auch gekonnt.“

3. Die bewusste „Banalität“ als Medium zur Aktivierung der Menschen

Die scheinbar „banale“ Darstellung Ludwigs II. ist keine Einschränkung von Hörls künstlerischem Talent, sondern eine strategische Entscheidung. Eine zu komplexe oder „zeitgenössische“ Skulptur würde die Menschen, die er erreichen möchte, nicht ansprechen und somit ihren Zweck verfehlen. Die Einfachheit soll zur Auseinandersetzung anregen.

„Natürlich könnte ich auch eine zeitgenössische Skulptur machen, die eine Interpretation Ludwigs darstellt. Dieses Talent habe ich. Aber dann gehen die Leute an der Wiese vorbei und denken, es geht ihnen am Arsch vorbei. Das interessiert sie nicht und dann hab ich nichts erreicht. Aber jetzt erreiche ich, dass sich die Leute damit auseinandersetzen. So lernen Menschen etwas. Die Weiterentwicklung der zeitgenössischen Kunst ist es an dieser Stelle, den öffentlichen Raum zu erobern. Die Figur ist banal, natürlich. Aber nur so kann man ins Gespräch kommen.“

4. Serielle Konzeption als Demokratisierung der Kunst

Die Vervielfältigung der Ludwig-Figur ist kein Zufall, sondern integraler Bestandteil von Hörls Konzept. Er sieht dies als einen Weg, Kunst zu demokratisieren, ähnlich wie die Literatur. Die Frage nach dem „Original“ wird relativiert; stattdessen steht die individuelle Rezeption im Vordergrund.

„Serielle Konzeption ist Teil des Konzepts. Kunst wird demokratisch. Wie es die Literatur ist. Wer geht ins Buchgeschäft und kauft sich einen Grisham, weil er einen Spionageroman will, und fragt, was das Buch für eine Auflage hat, und kauft es nicht, weil es inflationär ist? Jeder, der das Buch liest, liest es anders. Jedes Individuum liest es anders. Und das ist bei der Kunst auch so.“

5. Die individuelle Rezeption: Kunst im Auge des Betrachters

Jede einzelne Figur, sei es der Grüne Hase oder der Bayreuther Ludwig, wird vom Betrachter auf eine einzigartige Weise wahrgenommen und interpretiert. Diese individuelle Freiheit der Interpretation ist für Hörl ein hohes Gut und muss respektiert werden. Es geht darum, eine Geschichte zu schaffen, die Raum für persönliche Perspektiven lässt.

„Jeder sieht die Figur auf seine eigene Art und nach seinen Vorstellungen und das müssen wir respektieren. Ich mache eine Geschichte, die jedem Menschen die Freiheit lässt, sie auf seine Art zu sehen.“

6. Teilhabe als Kern der Demokratie und der Kunst

Hörl ist überzeugt, dass Kunst, die von der breiten Masse nicht verstanden wird, die Menschen entmündigt. Teilhabe ist für ihn ein entscheidender Aspekt, der eng mit dem Konzept der Demokratie verbunden ist. Kunst soll zugänglich sein und keine abgehobene Angelegenheit für eine Elite.

„Kunst, die die Menschen nicht verstehen, entwürdigt sie. Teilhabe ist wichtig. Demokratie ist Teilhabe. Vor hundert Jahren konnten sich die Leute kaum Bücher leisten, heute kann sich jeder Kultur nach Hause holen. Demokratie ist eine Frage der Auseinandersetzung und des Kompromisses. Menschen müssen die Konzepte verstehen. Kunst ist nichts Abgehobenes, sondern muss zugänglich sein.“

7. Respekt vor jedem Rezipienten, unabhängig vom Geldbeutel

Ob jemand eine seiner kleinen Figuren kauft oder ein Multimillionär seine Arbeit finanziert – für Ottmar Hörl zählt allein der Respekt vor dem Betrachter. Jeder, der sich mit seiner Kunst auseinandersetzt, ist ihm gleichermaßen wichtig, denn dies trägt zur Demokratisierung und Zugänglichkeit der Kunst bei.

„Wer für 15 Euro eine Schnecke kauft, ist mir genauso wichtig wie ein Multimillionär, der meine Arbeit finanziert. Das hat mit Respekt zu tun.“

Skulpturengarten unterhalb des Festspielhauses

Die goldfarbenen Skulpturen Ludwigs II. treten erstmals gemeinsam mit Hörls bereits bekannten Richard-Wagner-Figuren aus dem vergangenen Jahr in Erscheinung. Die Skulptur aus 2024 trug den Titel „Die Verneigung“ und passt so vielleicht besonders gut zum Mäzen Ludwig. Die zentrale Rasenfläche vor dem Festspielhaus wird damit zu einem öffentlichen Kunst-Schauplatz, der Gäste aus aller Welt zum Staunen, Fotografieren und Reflektieren einlädt.

Skulpturen sind nur an Spieltagen zu sehen

Die Installation ist nur an Spieltagen der Bayreuther Festspiele zugänglich – sie wird täglich ab ca. 10:30 Uhr aufgebaut und nach der zweiten Opernpause wieder abgebaut. An folgenden spielfreien Tagen ist sie nicht zu sehen: 28. Juli, 7. August, 12. August und 27. August 2025.

Projekt-Galerie am Luitpoldplatz: Gespräch mit Ottmar Hörl

Wer den Künstler persönlich treffen möchte, hat dazu am 26. Juli 2025 ab 11 Uhr Gelegenheit: In der temporären Projekt-Galerie am Luitpoldplatz 9 lädt Ottmar Hörl zum offenen Dialog über seine Arbeit und das neue Projekt ein.

Subskriptionsangebot für Unterstützer:innen:
Die Skulptur des „Mäzens“ (König Ludwig II.) ist dort bis zum 27. August 2025 zu vergünstigten Preisen erhältlich:

  • Unsigniert: 110 € (statt 120 €)

  • Handsigniert & nummeriert (Auflage 250): 220 € (statt 240 €)

Zudem sind Richard-Wagner-Figuren und weitere Kunst-Multiples vor Ort erhältlich. Der Verkauf unterstützt die Refinanzierung der Installation.

Ausstellung „Rasenstücke“: Malerei von Ottmar Hörl bei „Regierung und Kunst“

Eine weitere Facette von Ottmar Hörls Werk zeigt die Ausstellung „Rasenstücke“, die im Rahmen der Kunstreihe „Regierung und Kunst“ von der Regierung von Oberfranken präsentiert wird.

Die Vernissage findet am Mittwoch, den 23. Juli 2025, um 17:30 Uhr im Bibliothekssaal (K 241), Ludwigstraße 20, 95444 Bayreuth, statt. Die Ausstellung ist vom 24. Juli bis 28. August 2025 geöffnet:

  • Montag–Donnerstag: 8:00–16:00 Uhr

  • Freitag: 8:00–15:00 Uhr

Gezeigt werden malerische Arbeiten von Hörl, die seine weniger bekannte künstlerische Seite abseits der bekannten Skulpturenprojekte beleuchten.

Fazit: Bayreuth 2025 – Wo Musik und Kunst sich begegnen

Die Bayreuther Festspiele 2025 erhalten mit Ottmar Hörls Projekten eine künstlerische Ergänzung, die den öffentlichen Raum auf intelligente Weise einbezieht. Um Diebstahl zu verhindern werden die Figuren nur punktuell aufgestellt.