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Deshalb dauert die Fertigstellung des Friedrichsforums so lange
von bt-Redaktion
Von Luxusstühlen bis zu fehlenden Handwerkern – das Friedrichsforum in Bayreuth sorgt für Schlagzeilen. Wir haben mit Oberbürgermeister Thomas Ebersberger darüber gesprochen, was auf der Baustelle immer wieder zu Verzögerungen führt.
Das Friedrichsforum in Bayreuth ist mehr als nur eine Baustelle – es ist ein Symbol für Verzögerungen und Kostenexplosionen. Doch warum gerät dieses Projekt immer wieder in Verzug, während andere öffentliche Bauvorhaben wie die Sanierung des Stadtarchivs oder der Berufsschule reibungslos ablaufen? Oberbürgermeister Thomas Ebersberger gibt Einblicke in die komplexen Herausforderungen.
Die Tücken öffentlicher Aufträge
„Wenn bei einem öffentlichen Auftrag, einmal die Fristen überschritten sind, kann man die Baustelle kaum mehr einfangen“, sagt er im Gespräch mit der bt-Redaktion. Dafür gibt es viele Beispiele wie den Stuttgarter Bahnhof oder den Berliner Flughafen. „Wenn einer der ausführenden Firmen nicht arbeitet oder arbeiten will, kann man ihn als privater Auftraggeber rauswerfen. Diese Möglichkeit haben wir als öffentlicher Auftraggeber nicht. Wir müssen ihn abmahnen, wir müssen Fristen setzen und wir müssen dann europaweit neu ausschreiben“, sagt er. Eine Neuausschreibung bedeutet faktisch einen Baustopp und eine Verzögerung von mindestens neun Monaten.
Da bei Großprojekten viele Firmen ineinandergreifen, zieht eine Verzögerung in einem Gewerk unweigerlich Probleme in anderen Bereichen nach sich. Um ein plastisches Beispiel zu nennen: Erst muss die Installation rein, dann der Estrich, dann der Fußboden, dann die Stühle. Und wenn es einmal Verzögerungen gibt, dann haben die Firmen, die Folgearbeiten leisten, immer die Trümpfe in der Hand, betont Ebersberger im bt-Gespräch. Wenn ein Unternehmen trotz Vereinbarung seine Arbeit nicht machen kann, weil es Verzögerungen auf der Baustelle gab, kann das Unternehmen immer darauf verweisen, dass es selbst keine Schuld hat.
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Teufelskreis der Verzögerungen
„Wenn wir da ein oder zwei Firmen in Schlüsselgewerken drin haben, haben wir keine Chance mehr, das irgendwie aufzuholen. Aktuell sind nur 37 Handwerker auf dem Bau. Das ist eine Katastrophe! Wir bräuchten eigentlich 80 oder 100 Handwerker dort“, so das Stadtoberhaupt. Doch die Firmen verweisen auf fehlende Vorarbeiten oder Personalengpässe. Ein Teufelskreis, der sich immer weiter dreht. „Wenn wir im zeitlichen Rahmen wären, dann könnten wir die Firmen verpflichten.“ Doch bei der momentanen Situation gebe es Firmen, die nur kommen, wenn sie offenbar gerade keinen lukrativeren Auftrag haben. Sie sitzen am längeren Hebel.
Kostenexplosion und Bauüberwachung
Jeder Monat Verzögerung treibt die Kosten in die Höhe, allein schon durch die Bauüberwachung. „Wir haben schon die dritte Bauüberwachung als Subunternehmer vom Architekten“, so der Oberbürgermeister.
Sind die Stühle Schuld?
Die Stühle sind in Bayreuth zum Symbol der Misswirtschaft geworden. Zu Recht? Nein – sagt Ebersberger. Die Stadträte haben einen Stuhl ausgesucht, der bequemer ist, als die anderen Stühle. Der Stuhl führt wegen seines höheren Gewichts zu Mehrkosten, weil ein stärkerer Motor eingebaut werden muss. „Es entstehen Mehrkosten von rund 50.000 Euro. Bei Gesamtkosten von 105 Millionen Euro sind die Stühle nicht das entscheidende Thema“, so Ebersberger.
Und wie geht es weiter?
Die Architekten gehen nach wie vor von einer Fertigstellung des Friedrichsforums im 3. Quartal 2025 aus. Ebersberger selbst bezweifelt das. Die Veranstaltungen zum Jean Paul Jahr werden vorsorglich nicht dort geplant.
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Wohnmobil Symbolbild: Canva
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