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Frau stirbt bei Unfall in der Fußgängerzone WM-Public Viewing in und um Bayreuth Jean Paul Platz soll aufgehübscht werden

Zuletzt aktualisiert am 27. Juni 2022 | 07:34

Konzert

Die Ärzte am Volksfestplatz in Bayreuth: „Es sind keine Nazis hier heute“ – „Die Festspiele sind eröffnet“

von Michael Kind

Es war heiß erwartet: Das erste große Konzert in Bayreuth seit Jahren. Die Ärzte besuchten am Sonntag, 26. Juni 2022, den Volksfestplatz.

Eric Birke, Rasha Nasr und Ronny Ramone freuten sich sehr auf das Konzert der Ärzte am Volksfestplatz in Bayreuth. Bild: Michael Kind
Eric Birke, Rasha Nasr und Ronny Ramone freuten sich sehr auf das Konzert der Ärzte am Volksfestplatz in Bayreuth. Bild: Michael Kind

Sonntag, 26. Juni 2022. Es war soweit. Das erste große Konzert in Bayreuth seit Jahren. Das letzte in vergleichbarer Größenordnung war wohl das Tote-Hosen-Konzert 2018.

Heute ging es rund am Volksfestplatz. Die Ärzte statteten Bayreuth mit ihrer Tour „Buffalo Bill in Rom“ einen Besuch ab. Um 19 Uhr war offizieller Beginn, doch der Trubel begann schon weit vorher.

Großer Andrang bei den Ärzten in Bayreuth

Um 17 Uhr begann der Einlass, doch schon weit vorher am Nachmittag sah man Ärzte-Fans durch die Stadt in Richtung Volksfestplatz strömen. Als sich der Stundenzeiger dann allmählich an der 5 vorbei bewegte, war auch dem Letzten klar: Hier startet was ganz Großes. Die Schlangen am Einlass waren lang, die an den zahlreichen Ständen noch länger.

Standen vor dem Einlass nur ein paar Brezel- und Bierstände, war innen das Angebot reichlich: Angefangen bei Pizza über Döner und Burger bis hin zum Asia Wok bei den Speisen, darf natürlich bei einem Konzert in Bayreuth (oder, sind wir ehrlich, auch im Rest der Welt) der Maisel’s-Stand nicht fehlen. Selbst Cocktails und Longdrinks sind im Angebot. Für die Verpflegung der knapp 20.000 Besucher, wie die Veranstalter am Abend auf Nachfrage mitteilen, ist allemal gesorgt.

Das Gedränge vor dem Volksfestplatz war groß. Bild: Michael Kind
Das Gedränge vor dem Volksfestplatz war groß. Bild: Michael Kind

Gäste aus Nah und Fern

Zweifelsohne waren zahlreiche Bayreuther auf dem Konzert. Aber auch aus der Ferne zog es die Gäste zum Volksfestplatz. So zum Beispiel Eric Birke und Ronny Ramone aus Dresden. Eric und Ronny sind ihres Zeichens schon lange Ärzte-Fans: „Ich bin eigentlich schon sowas wie ein Oldschool-Ärzte-Fan, seit etwa 1998. Deswegen freue ich mich am meisten auf die alten Lieder. ‚Du willst mich küssen‘ fände ich zum Beispiel sehr schön, wenn sie es spielen würden“, sagt Ronny.

Auch für Eric ist es nicht das erste Konzert der „besten Band der Welt“. 2007 hat er sie schon einmal in Chemnitz gesehen: „Am meisten freue ich mich echt auf die Menschen selber. Die Ärzte sind neben den Toten Hosen eine der wenigen deutschen Bands, die ganz Deutschland verbindet und die man immer noch toll finden kann.“

„Schrei nach Liebe“ für den Bundestag

Ebenfalls, zusammen mit Ronny Ramone und Eric Birke, vor Ort war Rasha Nasr, Bundestagsabgeordnete für die SPD im Wahlkreis Dresden. Und auch wenn sie, nach eigener Aussage, kein bezeichnender Ärzte-Fan ist, sondern als Begleitung hier ist, freut sie sich auf das Konzert – insbesondere auf einen bestimmten Klassiker: „Schrei nach Liebe“.

„Als Immigrantin in Dresden erlebt man so Einiges, das nicht schön ist. Und da finde ich es toll, dass sie mit einem solchen Lied so ein klares Statement setzen“, sagt sie im Gespräch mit dem bt.




Das war geboten beim Ärzte-Konzert

Der komplette Volksfestplatz war besiedelt mit Ständen. Auf der Seite des Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums stand die große Bühne, auf dem die Ärzte ihren Auftritt darbieten konnten. Um die Zeit von Einlass- zu Konzertbeginn zu überbrücken, wurden die Besucher mit genremäßig passender Musik bei Laune gehalten. Punk-Klassiker wie „Red Flag“ von Billy Talent, „American Idiot“ von Green Day und „Killing in the Name of“ von Rage Against the Machine ertönten aus den Lautsprechern.

Dann, um 19 Uhr war Zeit für die Vorband „Schmutzki“ aus Stuttgart, die sich äußerst glücklich zeigten, für die Ärzte als Vorband zu agieren: „Die Festspiele sind eröffnet“, verkündete Frontmann Beat Schmutz beim Auftritt. Mit „BÄM“ wetterten die Schwaben noch vor den Ärzten deutlich gegen jegliche Art von Hass, oder, wie sie es formulierten: „Arschlöcher, Idioten, Nazis und vielleicht auch Putin“.

Die Hosen, oder… nein, die Ärzte!

Es sei einer Kultband, wie die Ärzte es sind, vergönnt, unter einer verballhornten Version von Richard Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“ zu Auftrittbeginn den Vorhang fallen zu lassen, um dann kurz darauf anzutäuschen, das Publikum mit „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen, der „anderen“ deutschen Kultband, beglücken zu wollen.

„Guten Abend in Beirut“ begrüßte Sänger und Gitarrist Farin Urlaub die Menge an Menschen. Die vorherrschende Hitze von über 30 Grad am Volksfestplatz machte ihm zunächst etwas zu schaffen, wollte er vom Publikum doch erstmal wissen, wer schon einen Hitzeschock hat. Es gibt eben nichts, was nicht auch einen Nachteil hat: „Es ist auf jeden Fall deutlich besser als in Heilbronn, wo ich kalte Finger hatte. Aber dafür habe ich jetzt keine Ausrede, wenn ich scheiße spiele“, moderiert Farin das Konzert an, ehe es mit „Noise“ und dem Klassiker „Lasse redn“ weitergeht – ein Lied, bei dem die Besucher sofort merklich in bester Laune mittanzen.

Auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite platzierten sich einige Zuhörer. Bild: Michael Kind
Auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite platzierten sich einige Zuhörer. Bild: Michael Kind

„Doof bleibt doof“

Klar, etwas flapsiges Necken bei einem alteingessenen Band-Trio zwischen Farin, Schlagzeuger Bela B und Bassist Rodrigo González und Sprüche, die dem einen oder anderen vielleicht etwas zu geschmack- oder niveaulos sind, sind vorprogrammiert – man kann es schließlich nicht jedem recht machen. Eines kann man den Ärzten aber nicht vorwerfen: Dass sie ein Blatt vor den Mund nehmen würden.

Mit „DOOF“ machen die Ärzte auch in Bayreuth ihrem Ärger Luft gegenüber rechtem beziehungsweise rechtsextremem Gedankengut und positionieren sich wie gewohnt klar gegen dieses.

„Muss denn unser Hirn verrosten von dem Bullshit dieser Pfosten? Das wär auf Dauer nicht gesund. Es gibt Leute, die glauben, dass die Welt ’ne Scheibe ist. Und Homosexualität soll heilbar sein. Menschen flüchten nur, um uns die Arbeit wegzunehmen. Und den Klimawandel bilden wir uns ein, oh nein, oh nein“, heißt es in dem Lied. Über den Tonfall und die Wortwahl und natürlich auch über die Message lässt sich diskutieren. Solch eine Deutlichkeit ist aber allemal eines: erfrischend.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der Vorgaben vor Ort war es dem bt nicht möglich, das Konzert fotografisch zu begleiten und die Berichterstattung mit Bildmaterial zu versehen.

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