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Frau stürzt von Eisenbahnbrücke in Bayreuth auf fahrendes Auto Galeria Insolvenz: Was jetzt aus dem Bayreuther Kaufhaus wird Halloween: Wo die Partys in Bayreuth steigen

Zuletzt aktualisiert am 27. September 2026 | 21:35

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„Die Strukturen funktionieren nicht mehr“: Bayreuther Mediziner kritisieren das GKV-Spargesetz

von Katharina Müller-Sanke

Knapp 19 Milliarden Euro fehlen den gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr. Das GKV-Spargesetz soll die Lücke schließen, gespart wird bei Kliniken, Praxen und Patienten. Aber ist das der richtige Weg? In Bayreuth sehen Klinikum-Geschäftsführer Dietmar Pawlik und Hausarzt Dr. Ingo Rausch vom Ärztlichen Kreisverband Bayreuth ganz andere Ansatzpunkte.

©unsplash
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Dass sich im Gesundheitswesen etwas ändern muss, bestreitet in Bayreuth niemand. Auch Ingo Rausch nicht. „Ich will nicht sagen, dass man nichts verändern darf“, betont der Hausarzt. Aber das GKV-Spargesetz habe gravierende Probleme. Es kürze nur die Ausgaben, statt die Strukturen anzupacken, die aus seiner Sicht nicht mehr funktionieren.

Das betrifft nicht nur Ärzte und Klinikmanager. Wer gesetzlich versichert ist, spürt die Folgen in der Praxis und im Krankenhaus. Und wer in Stadt oder Landkreis Bayreuth lebt, zahlt womöglich doppelt: Die beiden Kommunen sind Träger des Klinikums und müssen einspringen, wenn dort das Geld fehlt. Schon jetzt bürgen sie mit Millionenbeträgen.

Wie trifft das Gesetz das Klinikum und die Hausarztpraxen vor Ort? Wo muss jetzt gespart werden? Und wo ließe sich aus Sicht der Bayreuther Praktiker sinnvoller sparen als mit pauschalen Kürzungen? Das Bayreuther Tagblatt hat mit Rausch und Klinikum-Geschäftsführer Dietmar Pawlik darüber gesprochen.

Wo das GKV-Spargesetz spart

Offiziell heißt es GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Bundestag und Bundesrat haben es am 10. Juli 2026 beschlossen. Im Kern gilt: Die Ausgaben im Gesundheitswesen dürfen künftig nicht schneller wachsen als die Einnahmen der Krankenkassen. Von 2027 bis 2029 liegt die Grenze sogar noch einen Prozentpunkt darunter, berichtet BibliomedPflege.

Klinikum Bayreuth: 8 Millionen Euro weniger 2027

Das Klinikum Bayreuth trifft das Gesetz vor allem beim Pflegebudget, über das die Pflegekräfte auf den Stationen bezahlt werden. Bisher wurden Tarifsteigerungen voll von den Krankenkassen refinanziert, künftig nur noch zum Teil. Pawlik rechnet vor: Bei einer Tariferhöhung von drei Prozent würden nur 1,5 Prozent finanziert.

„1,5 Prozent muss ich mir sonst wo nehmen. Und wenn ich es nicht habe, muss ich zu Stadt und Landkreis gehen und sagen: Liebe Stadt und Landkreis, ich habe das Geld nicht.“
— Dietmar Pawlik, Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH

Stadt und Landkreis Bayreuth sind die Träger des Klinikums. Schon im Dezember 2025 musste der Stadtrat Bürgschaften in Millionenhöhe für das Klinikum beschließen.

Außerdem kürzt das Gesetz einen Zuschlag für sogenannte pflegeentlastende Maßnahmen. Das Klinikum hatte das Geld genutzt, um zusätzliche Helfer auf den Stationen zu beschäftigen. Diese Stellen fallen als Erstes weg, sagt Pawlik. Laut Bundesgesundheitsministerium fließt das Geld 2027 und 2028 zunächst noch, allerdings in verminderter Höhe.

Unterm Strich fehlen dem Klinikum 2027 rund acht Millionen Euro, 2030 schon 20 Millionen Euro. Nach dem ersten Gesetzentwurf wären es sogar 10,5 und 26 Millionen gewesen. Für Pawlik ist das kein Trost.

„Statt hundert Prozent ist es achtzig Prozent geworden. Aber wenn ich die hundert Prozent nicht habe, habe ich die achtzig Prozent auch nicht.“
— Dietmar Pawlik, Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH

Hausarztpraxen: Mehr Arbeit, gedeckelte Vergütung

Auch die Praxen müssen sparen. Für Haus- und Kinderärzte sieht das Gesetz einen neuen Abschlag vor: Steigen ihre Fallzahlen, wird der Zuwachs nicht mehr voll bezahlt, erklärt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein. Dazu kommt ein Vorhaben, das nicht im Spargesetz selbst steht: Die Koalition will in einem separaten Reformpaket die telefonische Krankschreibung abschaffen. Mehr Patienten müssten dann persönlich in die Praxis.

Eine Demonstration ist in Bayreuth derzeit nicht geplant, sagt Rausch.

Wo das Klinikum Bayreuth jetzt selbst spart

Rund 70 Prozent der Kosten eines Krankenhauses entfallen laut Pawlik auf das Personal. „Auch an der Stelle wird man Einsparungen umsetzen müssen“, sagt er. Das Klinikum werde sich von liebgewonnenen Gewohnheiten trennen müssen.

  • Stellen: Stellen, die der Gesetzgeber nicht mehr finanziert, kann das Klinikum nicht halten. Das wurde den Beschäftigten bereits auf Betriebsversammlungen angekündigt.
  • Abteilungen: Das Klinikum prüft, welche Abteilungen wenig ausgelastet sind und mit anderen zusammengelegt werden können.
  • Pflege: Die Pflegedirektion arbeitet daran, wie die Stationen mit weniger Personal auskommen.

Moderne Technik soll für Erhalt der Qualität sorgen

Auf der Ausbildungsstation des Klinikums wird gerade ein System getestet, das aus dem Gespräch mit dem Patienten automatisch die Pflegedokumentation erstellt. An der Klinik Hohe Warte fährt ein Roboter, entwickelt mit einer Bayreuther Firma, Laborproben selbstständig von der Station ins Labor. Die ersten Tage seien gut gelaufen, sagt Pawlik. Funktioniert das dauerhaft, werden die Menschen, die heute die Proben tragen, nicht mehr gebraucht.

Pawlik sieht im Spardruck auch einen Antrieb: „Die Einsparungsnotwendigkeiten motivieren jemanden, auch Dinge zu starten.“

Am medizinischen Angebot will das Klinikum dagegen nichts ändern, etwa bei Kinderklinik, Notaufnahme, Herzmedizin oder Stroke Unit. Das sei ein Drahtseilakt zwischen Kosteneinsparungen und hoher medizinischer Qualität, sagt Pawlik. Wie das Klinikum konkret reagiert, sollen die Gremien im Oktober erfahren.

Wo Bayreuther stattdessen Sparpotenzial sehen

Hausarzt Rausch: Die Strukturen funktionieren nicht mehr

Für Rausch setzt das Gesetz an der falschen Stelle an. Eine Strukturreform sei dringend nötig, denn die Strukturen im Gesundheitswesen funktionierten nicht mehr. Wer sie belässt und nur die Ausgaben kürzt, löse das Problem nicht.

Sein wichtigster Punkt: Deutschland sei das einzige Land in Europa ohne jede Steuerung der Patienten. Jeder dürfe jede Einrichtung aufsuchen, vom Facharzt bis zur Notaufnahme. In anderen Ländern gehe der Weg zuerst zum Hausarzt, der dann weiterleitet. Mit dem Hausarztmodell habe man das in Deutschland versucht. Weil die Teilnahme freiwillig ist, funktioniere es aber nur im Ansatz.

Der zweite Punkt betrifft die Praxen selbst. Hausärzte müssten in die Lage versetzt werden, ein Team um sich zu bilden, das Aufgaben übernimmt, sagt Rausch. Bisher dürften sie kaum etwas an ihre Medizinischen Fachangestellten (MFA) delegieren. Die MFA bräuchten mehr Kompetenzen, mehr Geld und klare rechtliche Rahmenbedingungen.

Klinikum-Chef Pawlik: Bürokratie und Vollkasko-Mentalität

Pawlik sieht Sparpotenzial vor allem bei der Bürokratie. Die Prüfungen der Klinikabrechnungen durch den Medizinischen Dienst nennt er einen „Bürokratieaufwand sondergleichen“. Zweifle der Medizinische Dienst etwa an, dass der letzte Behandlungstag nötig war, werde die Rechnung gekürzt, und obendrauf komme noch eine Strafzahlung. Das Klinikum will seine Rechnungen und die medizinische Dokumentation deshalb mit digitalen Werkzeugen so verbessern, dass vor allem die Ärztinnen und Ärzte weniger Zeit dafür brauchen.

Ein weiterer Ansatz ist die Zweitmeinungspflicht vor bestimmten Operationen, die mit dem Gesetz ab 2028 schrittweise kommt. Pawlik hält sie für sinnvoll, „wenn es ordentlich bezahlt wird“. Oft helfe gezieltes Training mehr als eine schnelle Operation.

Was das GKV-Spargesetz ganz konkret für Patientinnen und Patienten in Bayreuth bedeutet, lest ihr im ersten Teil: GKV-Spargesetz: Was sich für Patienten in Bayreuth ändert.

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Häufige Fragen

Warum gibt es das GKV-Spargesetz?

Den gesetzlichen Krankenkassen fehlen 2027 knapp 19 Milliarden Euro. Ohne Reform wären die durchschnittlichen Zusatzbeiträge laut Bundesgesundheitsministerin Nina Warken von 2,9 auf 3,9 Prozent gestiegen. Das Gesetz begrenzt deshalb, wie stark die Ausgaben wachsen dürfen.

Wie viel muss das Klinikum Bayreuth sparen?

2027 fehlen dem Klinikum rund acht Millionen Euro, bis 2030 steigt die Lücke auf 20 Millionen Euro im Jahr.

Wo spart das Klinikum Bayreuth?

Vor allem beim Personal: Stellen, die nicht mehr finanziert werden, fallen weg, und das Klinikum prüft, Abteilungen zusammenzulegen. Außerdem testet es KI-Dokumentation und einen Transportroboter.

Was schlagen Bayreuther Ärzte stattdessen vor?

Hausarzt Dr. Ingo Rausch fordert eine Strukturreform mit Patientensteuerung über den Hausarzt und mehr Kompetenzen für Medizinische Fachangestellte. Klinikum-Chef Dietmar Pawlik will weniger Bürokratie bei den Abrechnungsprüfungen und hält eine Eigenbeteiligung für denkbar.

Gibt es in Bayreuth Proteste gegen das Gesetz?

Aktuell ist laut Rausch keine Demonstration in Bayreuth geplant. Im Juni hatte das Klinikum aus Protest symbolisch seinen Haupteingang geschlossen.

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